Kommentar

Die Börsen zittern: Wird das Corona-Virus zum «Lehman-Moment» wie bei der Finanzkrise 2008?

Es geht um Psychologie, aber auch um konkrete Umsatzeinbussen bei Unternehmen: Die Ausbreitung des Corona-Virus verunsichert Anleger rund um den Globus. Die grosse Frage: Zeigen die Börsen gerade eine Überreaktion - oder kommt das Schlimmste erst noch?

Patrik Müller
Drucken
Teilen
Patrik Müller

Patrik Müller

Die Gesundheitsbehörden von Peking über Rom bis Bern versuchen zu beruhigen. Obwohl sich das Corona-Virus immer weiter ausbreitet, teilte heute der Direktor der Weltgesundheitsorganisation mit: «Es besteht kein Grund zur Panik.» Die Behörden betonen unentwegt, die Erkrankung sei nicht viel schlimmer als eine normale Grippe.

Das ist die eine Realität. Die andere: An den Börsen wurden in den vergangenen Tagen Billionen von Franken vernichtet, weil die Anleger fürchten, das Virus werde die Wirtschaft stark treffen. An den letzten vier Handelstagen sind die grossen Aktienmärkte, je nach Land, um 7 bis 10 Prozent gesunken; heute Mittwoch zeigte sich erstmals wieder eine gewisse Stabilisierung. Trotzdem: Die «Financial Times» vergleicht das Tempo des Rückgangs bereits mit den Anfängen der Finanzkrise 2008/2009.

Ein Händler mit Schutzmaske an der Börse in Hong Kong, wo die Kursrückgänge besonders deutlich waren.

Ein Händler mit Schutzmaske an der Börse in Hong Kong, wo die Kursrückgänge besonders deutlich waren.

Vincent Yu / AP

Düstere Vorhersage von Star-Ökonom Roubini

Haben die Märkte überreagiert? Kann sein. Oder hat Star-Ökonom Nouriel Roubini recht? Der sagt zu den Kursrückgängen: «Das Schlimmste kommt noch.» Kann sein.

Offensichtlich ist, dass das Börsenbeben nicht nur psychologische, sondern auch realwirtschaftliche Ursachen hat. Touristen und Geschäftsreisende sagen Flüge ab, Handys aus chinesischer Produktion werden nicht mehr geliefert, auch die Schmuck- und Uhrenindustrie spürt einen sofortigen Rückgang.

Die Wahrscheinlichkeit für eine globale Rezession ist immer noch tief, aber sie steigt seit ein paar Tagen deutlich an. Diese Unsicherheit wiederum führt dazu, dass Unternehmen Investitionen vorerst aufschieben.

Immer noch 10 Prozent höher als vor einem Jahr

Schon morgen könnten die Märkte aus diesem Teufelskreis ausbrechen. Oder das Gegenteil könnte geschehen! Seriöse Prognosen sind zurzeit unmöglich. Eines aber gilt es zu beachten: Die Börsen hatten noch vor einer Woche ein historisches Höchst erklommen. Der Swiss Market Index ist nun wieder etwa da, wo er vor drei Monaten lag. Und rund 10 Prozent höher als vor einem Jahr. Von einem Crash zu sprechen, ist verfehlt. Im Moment.

Mehr zum Thema

Corona-Virus lässt Börsen einbrechen

Mit Verzögerung trifft der Corona-Virus nun auch die Aktienmärkte. Weltweit sind die Kurse am Montag ins Rutschen geraten. Die Konjunkturforschungsstelle hat ihre Einschätzung angepasst – sie geht von stärkeren negativen Effekten aus.
Gabriela Jordan und Niklaus Vontobel