«Die Besten in die Schweiz»

Remo Daguati wechselte vor zwei Jahren von der Wirtschaftsförderung des Kantons St. Gallen zur Schweizer Aussenhandelsförderung. Er erklärt, was deren neuer Name und deren neue Strategie der Ostschweiz bringen.

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Die Ostschweizer Industrie punkte mit Innovationskraft bei Präzisionstechnologie, Elektronik und Optik, sagt Remo Daguati. (Bild: Michel Canonica)

Die Ostschweizer Industrie punkte mit Innovationskraft bei Präzisionstechnologie, Elektronik und Optik, sagt Remo Daguati. (Bild: Michel Canonica)

Herr Daguati, bei Switzerland Global Enterprise, S-GE, haben Sie offenbar einen neuen Ansatz in der Standortförderung. Wie lautet er?

Remo Daguati: Mit der Kernbotschaft «Switzerland – connect with the best» wollen wir die besten Firmen in die Schweiz bringen. Dabei vermarkten wir die Schweiz im Ausland als Innovationsstandort, der über entsprechend hochqualifizierte Arbeitskräfte und Technologien verfügt. Die Schweiz bietet Stabilität; die Bevölkerung erfreut sich einer hohen Lebensqualität – und Ansiedlungsverfahren werden von den Behörden rasch abgewickelt.

Wie profitiert die Ostschweiz von der nationalen Standortpromotion?

Daguati: Bei den Promotionsaktivitäten unserer Organisation sind alle Landesteile eingebunden. Also auch die Ostschweiz. Bei der Suche nach Investoren im Ausland können an Veranstaltungen jeweils auch die Vertreter der Ostschweiz teilnehmen und so direkt mit potenziellen Investoren ins Gespräch kommen. Bei unserer Tätigkeit koordinieren wir zwischen Kantonen, Regionen und dem Bund und bieten unseren Partnern Plattformen an, etwa für das Networking oder zur Ausbildung der Mitarbeitenden, aber auch wenn es um mehrsprachige Marketing-Tools geht.

Womit kann die Ostschweiz bei ausländischen Investoren punkten?

Daguati: Die Ostschweiz punktet mit ihrer Innovationskraft im Bereich der Hochtechnologie, insbesondere in der Präzisionstechnologie, Elektronik und Optik. Die Lage im Vierländereck schafft attraktive Voraussetzungen, um den europäischen Markt zu bearbeiten. Und es lässt sich in der Ostschweiz auch gut leben. Dass die Ostschweiz sehr attraktiv ist, zeigt sich auch darin, dass sich ausländische Firmen wie Sigma-Aldrich, Dow Chemical, SAP, Würth Group und Aldi hier angesiedelt haben.

Welche Stellung hat die Ostschweiz innerhalb der verschiedenen Regionenverbände der Schweiz?

Daguati: Die Ostschweiz ist als Wirtschaftsregion im Vergleich zur Greater Zurich Area oder der Greater Geneva Berne Area relativ lose organisiert und verfügt über ein geringeres Budget. Dennoch nehmen die anderen Regionen die St. Gallen Bodensee Area als gleichberechtigten Partner in der Organisation der landesweiten Standortpromotion wahr. Dies vor allem deshalb, weil sie in der Arbeits- und Steuerungsgruppe vertreten ist, die von der Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz gegründet wurde.

Apropos St. Gallen Bodensee Area: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen ihr und S-GE?

Daguati: Sie ist vor allem von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Das gilt auch in der Zusammenarbeit mit allen anderen Wirtschaftsregionen. Die gute Kooperation äussert sich in Projekten, die wir spezifisch mit einer Region durchführen. Zum Beispiel erarbeitet S-GE derzeit das Event-Programm 2014.

Wie profitieren alle Kantone?

Daguati: Wir haben den Auftrag, in zehn Zielmärkten den Standort Schweiz aktiv zu bewerben. Zudem leiten wir Kontakte mit Firmen, die an der Schweiz interessiert sind, an alle Kantone weiter. 2012 übergaben wir 265 Investitionsprojekte an die Wirtschaftsförderstellen der Kantone.

Wie wird es gelingen, weitere High-Tech-Firmen und Headquarters in die Ostschweiz zu bringen?

Daguati: Mit weiterhin attraktiven Rahmenbedingungen und grossem Einsatz! Nebst unseren bereits sehr aktiven Konkurrenten in Europa, den USA, Hongkong oder Singapur in Fernmärkten erwarten wir zusätzliche internationale Konkurrenz, insbesondere aus Brasilien, Russland, Indien und China. Diese Länder werden zusehends als Standorte für Forschungs- und Entwicklungszentren oder High-Tech-Firmen interessant. Um attraktiv zu bleiben, gilt es daher, die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts Schweiz auf keinen Fall politisch zu schwächen.

Welche Bedeutung hat die Standortförderung bei Konjunkturschwankungen, welche für die Clusterindustrie der Ostschweiz?

Daguati: Die Ostschweiz ist ein wichtiger Cluster für Managementfunktionen, Elektronik und Optik, ICT sowie Mikro- und Nanotechnologie. Das sind Kompetenzen, die bei Konjunkturschwankungen stabilisieren. Im Wissen, dass Firmen in Krisen oft abwandern, ist es umso wichtiger, den Dialog mit den ansässigen Unternehmen zu pflegen. Zudem hat die Standortförderung grosse Bedeutung, Wirtschaftswachstum für die Region zu generieren. Solange die Produktion in der Ostschweiz gut ausgelastet ist, hört man wenig über die Arbeit der Investment Promotion. Geht die Produktion jedoch zurück, werden die Stimmen nach mehr Wirtschaftsförderung überall lauter.

Wirkt sich die starke Maschinenindustrie und ihre Zulieferfunktion der Ostschweiz langfristig nicht negativ aus?

Daguati: Das muss nicht zwingend der Fall sein. Die Ostschweiz fährt aus meiner Sicht gut damit, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Sie konzentriert sich einerseits auf Cluster und kann sich dadurch Kompetenzen in gewissen Industrien aneignen, die wiederum weitere Unternehmen anziehen. Gleichzeitig setzt die Ostschweiz darauf, zu diversifizieren und verschiedene Industrien anzusiedeln. Ich bin für die Ostschweiz sehr zuversichtlich.

Interview:

Mélanie Knüsel- Rietmann

Remo Daguati Leiter Auslandspromotion bei Switzerland Global Enterprise (S-GE) (Bild: Quelle)

Remo Daguati Leiter Auslandspromotion bei Switzerland Global Enterprise (S-GE) (Bild: Quelle)