Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Ära Vincenz kostet Raiffeisen 300 Millionen Franken

Die Expansionsstrategie des ehemaligen Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz hat einen Abschreiber von 300 Millionen Franken verursacht. Nun kommt es zu einem weiteren Köpferollen im Management.
Beat Schmid
Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, St. Gallen, 27. Februar 2015)

Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, St. Gallen, 27. Februar 2015)

Pierin Vincenz drehte gerne das grosse Rad. Unter dem Banker aus Graubünden kaufte die Genossenschaftsbank Raiffeisen zahlreiche Firmen auf und gab dafür rund eine Milliarde Franken aus. Doch wie sich nun herausstellt, ­waren unter den zahlreichen Zukäufen etliche faule Eier. Der neue Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle gab am Dienstag bekannt, dass die Bank auf den wild ­zusammengekauften Beteiligungen insgesamt 300 Millionen Franken wird abschreiben müssen.

Geld, das wohl für alle Zeit verloren ist. Die neue Crew der skandalträchtigen Bank will zwar bei den ehemaligen Verantwortungsträgern Regress nehmen und die verlorenen Millionen einfordern. Doch das Ansinnen dürfte allein schon am Umstand scheitern, dass die ehemaligen Manager um Pierin Vincenz schlicht zu wenig Geld auf der hohen Kante haben.

Lachappelle gab zudem den sofortigen Austritt von drei Geschäftsleitungsmitgliedern bekannt, die schon während der Ära Vincenz im obersten Führungsgremium sassen. Es handelt sich dabei um Gabriele Burn, Beat Hodel und Paulo Brügger. Die vakanten Sitze sollen bis Mitte Jahr neu besetzt sein.

Vincenz-Mann noch dabei

Bleiben kann Finanzchef Christian Poer­schke. Das ist pikant: Denn ­Poerschke war noch unter Pierin Vincenz in die Geschäftsleitung nachgerückt. Konkret wurde der Finanzspezialist per 1. Mai 2018 in die Geschäftsleitung befördert, Vincenz dagegen schied erst im Oktober desselben Jahres aus, also mehrere Monate danach. Zuvor leitete Poerschke seit 2005 das Controlling der Banken-Gruppe und war somit einer der wichtigsten und engsten ­Mitarbeiter von Pierin Vincenz. Warum ­Poerschke weiterhin das Vertrauen von Guy Lachappelle geniesst, wollte oder konnte dieser auf Anfrage unserer Zeitung nicht beantworten. Das ist nicht die einzige Ungereimtheit. Eine andere ist: Raiffeisen hat im Februar vergangenen Jahres eine Strafanzeige gegen Pierin Vincenz eingereicht, nachdem bei diesem eine Hausdurchsuchung vorgenommen worden war und dieser in der Folge mehrere Monate in Untersuchungshaft sass. Wie Guy Lachappelle am Dienstag bestätigte, wird diese Strafanzeige nicht zurückgezogen. Dies ist ­erstaunlich, zumal ein externer Untersuchungsbericht keine Nachweise für strafrechtlich relevantes Verhalten ­gefunden hat. Dieser Bericht – vom früheren Swiss-Life-Präsidenten Bruno Gehrig verfasst – wurde ebenfalls am Dienstag veröffentlicht. Darin heisst es wörtlich, dass die monatelange Untersuchung «keine klaren und eindeutigen Nachweise von strafrechtlich relevantem Verwalten» von Pierin Vincenz ergeben hat.

Keine weitere Untersuchung

Da Raiffeisen-Präsident Guy Lachap­pelle keine weiteren Untersuchungen zur Aufarbeitung der Ära Vincenz in Angriff nehmen will, wie er am Dienstag ebenfalls betonte, bleibt der Gehrig-Bericht die einzige Grundlage, auf der sich eine Strafanzeige vonseiten Raiffeisen hätte begründen lassen. Konsequenterweise müsste die Bank diese nun zurückziehen.

Indem sie das nicht tut, reicht sie die Causa Vincenz «wie eine heisse Kartoffel» an die Staatsanwaltschaft weiter, wie ein Vertrauter der Vorgänge sagt. Der Gehrig-Untersuchungsbericht will nicht eindeutig Position beziehen und überlässt die heikle strafrechtliche Beurteilung der Staatsanwaltschaft beziehungsweise dem Richter, wenn es denn zur Anklage kommt. Bis dies geschieht, könnte es allerdings noch eine Weile dauern. Die Anwälte von Pierin Vincenz machen es den Ermittlern schwer, ihre Arbeit zu machen, indem sie Gesuche um Aktenentsiegelung auf dem Rechtsweg hinauszögern.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.