Die 300 langen Müllheimer Meter

Das Fashion Outlet Center Edelreich hat eine bewegte Geschichte. Mit dem Referendum in der Gemeinde Müllheim wird ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Und der Baubeginn im Gebiet Hasli verzögert sich weiter.

Stefan Borkert
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Im geplanten Fashion-Outlet-Center Edelreich bei Wigoltingen sollen Spitzenmarken zu Niedrigpreisen erhältlich sein. (Bild: ky/Christian Beutler)

Im geplanten Fashion-Outlet-Center Edelreich bei Wigoltingen sollen Spitzenmarken zu Niedrigpreisen erhältlich sein. (Bild: ky/Christian Beutler)

MÜLLHEIM/WIGOLTINGEN. Mit gerade soviel Unterschriften, wie Arbeitsplätze im Fashion Outlet Center Edelreich bei Wigoltingen entstehen sollen, ist in Müllheim das Referendum zustande gekommen. An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung werde über den Gestaltungsplan abgestimmt, sagt Gemeindeschreiber Paul Pfister. Der Termin der Gemeindeversammlung stehe noch nicht fest. Das könne noch dauern.

Novum im Thurgau

Das Outlet Center Edelreich steht eigentlich auf Wigoltinger Boden. Doch die Erschliessung erfolgt auch über einen 300 Meter langen Müllheimer Strassenabschnitt. Für die Bauherrin, die JTM Rütenen AG, können diese 300 Meter nun lang und länger werden. 324 Müllheimerinnen und Müllheimer haben gegen das Outlet Center unterschrieben. Damit ist das fakultative Referendum zustande gekommen. Es ist vermutlich das erste Referendum auf Gemeindeebene im Thurgau, das mit Bauvorhaben zu tun hat. Im Thurgauer Baudepartement weiss man jedenfalls von keinem anderen.

Hinter der JTM Rütenen AG steht die Familie Klopfenstein, die schon den Turnaround beim 125 Jahre alten Familienunternehmen, der Zwicky AG, geschafft hat. Beim Baugebiet handelt es sich um knapp 65 000 m² Baulandreserve der Zwicky AG im Gebiet Hasli.

Schon 2008 ist die Familie Klopfenstein mit der Idee eines Outlet Centers im Hasli an die Öffentlichkeit getreten. Damals wie jetzt gab es Einsprachen von Privaten und Verbänden wie dem VCS. Die Verzögerungen begannen. Dann wurde es ruhig, bis die JTM Rütenen AG letztes Jahr einen neuen Gestaltungsplan einreichte. Als der Kanton grünes Licht gab und der Gestaltungsplan in den Gemeinden Müllheim und Wigoltingen aufgelegt wurde, meldeten sich die Gegner wieder zu Wort. «Der Gestaltungsplanperimeter schliesst das Gemeindegebiet von Müllheim mit ein», sagt Projektleiterin Ines Wattenhofer von der Nüesch Development AG.

Offen ist derzeit noch, was im Falle einer Ablehnung passiert. «Eine Ablehnung hätte eine Verfahrensverzögerung respektive eine Neuauflage oder auch einen Verfahrensabbruch zur Folge.» Und Wattenhofer ergänzt: «Die allfälligen Schritte bei einem negativen Resultat wurden jedoch noch nicht bestimmt.» Ganz ehrlich gibt sie zu, dass man eigentlich nicht mit einem Referendum in Müllheim gerechnet habe. Seitens der Geschwister Klopfenstein versteht man die Gegner nicht so recht. Diese kritisieren unter anderem, das Projekt sei viel zu gross, es generiere zu viel Verkehr, und sie werfen der Bauherrin Gigantismus vor. Das sieht die Wigoltinger Gemeindepräsidentin Sonja Wiesmann anders.

Die Region beleben

Sie meint, das Outlet Center könnte die Region nachhaltig beleben und 200 bis 300 Menschen einen Arbeitsplatz bieten. Der Müllheimer Gemeindepräsident Urs Forster sagt, es sei schon ein bisschen verwunderlich, dass niemand je Anstoss genommen habe am Verkehrsaufkommen der täglich 8000 Fahrten auf der Frauenfelderstrasse, deren Trottoir täglich von vielen Kindern und Jugendlichen benutzt werde. Nun aber eine Verkehrszunahme um ein Drittel dessen auf der Grüneckstrasse eine solche Empörung auslöse. Ines Wattenhofer präzisiert: «Für die erste Phase mit zwei Gebäuden und 20 000 m² Verkaufsfläche ist mit 2300 Fahrten zu rechnen. Beim Vollausbau mit drei Gebäuden sei mit 2900 Fahrten pro Tag und insgesamt 2500 Kunden zu rechnen.»