Deutsche CS-Kunden bangen

Tausende Kunden der Grossbank Credit Suisse stehen in Deutschland mächtig unter Druck – wegen des Verdachts auf Steuerbetrug. Dabei geht es auch um eine umstrittene Anlageform.

Fritz Dinkelmann
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Neue Steuerwirren: Die betroffenen Anleger wohnen in Deutschland, sind aber Kunden von Credit Suisse in der Schweiz. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Neue Steuerwirren: Die betroffenen Anleger wohnen in Deutschland, sind aber Kunden von Credit Suisse in der Schweiz. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

BERLIN. Die deutschen Steuerbehörden ermitteln laut Recherchen des Düsseldorfer «Handelsblatts» gegen rund 7000 Kunden der Credit Suisse (CS) – wegen Steuerbetrugs in Milliardenhöhe. Bundesweit kam es schon zu Hausdurchsuchungen bei Deutschen, die mit Scheinversicherungen den Fiskus austricksen wollten. Für die CS ist die neuste Affäre mehr als unangenehm, auch wenn gegen die Bank selbst laut «Handelsblatt» nicht ermittelt wird. Vor wenigen Monaten zahlte die CS dem Bundesland Nordrhein-Westfalen 150 Mio. €, und als Gegenleistung stellte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ihr Verfahren gegen Mitarbeiter der Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ein.

CS wieder in den Schlagzeilen

Seit gestern aber sieht sich die CS erneut in den Schlagzeilen, die sie auch dann in ein schlechtes Licht rücken, wenn dem Geldinstitut direkt nichts vorzuwerfen sein sollte. Tausenden deutschen CS-Kunden aber schon. Sie sollen versucht haben, den deutschen Fiskus auszutricksen: «Ein neues Datenleck bei der Bank zeigt, dass die Credit Suisse auf ihren Konten nach wie vor massenhaft unversteuerte Einnahmen hortet», schreibt das «Handelsblatt».

Konkret sollen die im Visier der Steuerfahndung stehenden Bankkunden ein Produkt der CS-Tochterfirma Credit Suisse Life mit Sitz auf den Bermudas genutzt haben. Diese Bank habe normale Konten als steuerfreie Versicherungen getarnt. Anders als bei den meisten Kapitalanlagen lockte das Bermuda-Angebot mit Lebensversicherungseinlagen, die mit einer Laufzeit von mindestens zwölf Jahren steuerbefreit sind. In Wirklichkeit aber handelte es sich um normale Anlagekonten, also um Konten, auf denen nur versteuertes Geld eingezahlt werden durfte und kein Schwarzgeld. Entsprechend betonte CS-Sprecher Marc Dosch gestern, dass die Bank nichts Illegales angeboten habe, und: «Der Kunde hat unterschrieben, dass er die Steuersituation selber klären muss» (siehe auch Kasten rechts).

Leck oder Missverständnis?

Den von der Steuerfahndung betroffenen Kunden habe man geraten, «einen Steuerexperten beizuziehen, um ihre Steuersituation zu überprüfen und gegebenenfalls eine Selbstanzeige vorzunehmen», hiess es weiter.

Für eine Selbstanzeige allerdings dürfte es für die erwischten Steuerhinterzieher wohl zu spät sein. Wer aber hat Informationen der CS an die deutschen Steuerbehörden weitergegeben? Die CS mochte dazu gestern keine Angaben machen. Das «Handelsblatt» schreibt von einem Missverständnis. Ein CS-Mitarbeiter sei von einem Beamten aus dem Finanzministerium angefragt worden, wie viele Kunden Versicherungen auf den Bermudas hätten – aus Versehen habe er darauf den kompletten Datensatz an die Deutschen übermittelt.

Misstrauen gegen Schweiz

Wie auch immer: Obwohl gegen die CS (vorerst) nicht ermittelt wird, ist diese Affäre Wasser auf die Mühlen aller, die der Schweiz misstrauen und deren Bankenplatz am liebsten ausräuchern möchten. Ein Blogger schrieb bei «Spiegel Online»: «Der einzige Unterschied zur gewöhnlichen Kriminalität ist, dass der Schweizer Bankensektor 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht. Damit ist diese Form der Kriminalität für die Schweiz leider systemrelevant.» Eine ungemütliche Geschichte also – auch vor dem Hintergrund des umstrittenen Steuerabkommens.