Deutsche Börse vor Millionenvergleich

Die Ermittlungen gegen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel könnten gegen Bussen von über 10 Millionen Euro eingestellt werden.

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Der Verdacht, der auf Carsten Kengeter lastet, ist das grösste Hindernis für eine Verlängerung seines Arbeitsvertrags als Chef der Deutschen Börse, der im März 2018 ausläuft. Der frühere Co-Chef der UBS-Investmentbank wird verdächtigt, er habe Aktien der Deutschen Börse gekauft im Wissen um eine bevorstehende Übernahme der Londoner Börse LSE. Zugleich wird der Deutschen Börse vorgeworfen, sie habe den Kapitalmarkt zu spät über die letztlich gescheiterten Fusionspläne informiert.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt ihre vorläufige Prüfung der Affäre abgeschlossen. Sie geht davon aus, dass wegen der Vorwürfe des Insiderhandels und der Marktmanipulation durch Unterlassen einer Pflichtmitteilung die Voraussetzungen für die Festsetzung von Geldbussen gegen die Deutsche Börse vor­lägen. Wegen des Vorwurfs des Insiderhandels soll die Börse 5,5 Millionen Euro zahlen, wegen der verspäteten Mitteilung über die Fusionspläne 5 Millionen Euro. Die Deutsche Börse, welche die Vorwürfe weiterhin für unbegründet halte, will nun prüfen, ob sie auf den Vorschlag der Staatsanwaltschaft eingeht.

Die Ermittlungen gehen auf eine Anzeige der deutschen Finanzaufsicht Bafin vom Februar zurück. Die Börse hatte die ­Fusionspläne mit der LSE im Feb­ruar 2016 erst bestätigt, nachdem die Agentur Reuters darüber berichtet hatte. Die Pläne hatten den Aktienkurs nach oben getrieben. Kengeter wollte durch eine Fusion mit der LSE einen europäischen Champion schmieden, um den grösseren US-Rivalen Paroli zu bieten. Doch im März 2017 scheiterte der Fusionsplan.

Kengeter hatte im Dezember 2015 in grossem Stil Aktien der Deutschen Börse gekauft, zwei Monate, bevor die Fusionspläne öffentlich wurden. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es damals bereits Gespräche mit der LSE. Kengeter und die Börse behaupten, er habe die ­Aktien im Rahmen eines Vergütungsprogramms gekauft, mit dem er langfristig an die Börse gebunden werden sollte. (rtr)