Deutsche Bank baut weiter um

Der neue Chef der Deutschen Bank, John Cryan, verordnet eine Radikalkur. 15 000 Stellen sollen wegfallen, die Dividende wird für zwei Jahre gestrichen.

Stefan Uhlmann
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FRANKFURT. John Cryan spricht Klartext. «Absolut enttäuschend» sei das Ergebnis des 3. Quartals, sagte der Chef der Deutschen Bank. An seinem ersten öffentlichen Auftritt stimmte er Mitarbeitende und Aktionäre auf harte Zeiten ein. Cryan (54) führt das Geldhaus operativ seit 1. Juli. Er hat die Bank, in deren Aufsichtsrat er zwei Jahre sass, unter die Lupe genommen. Dabei fand er unklare Zuständigkeiten, langsame Prozesse und eine veraltete IT-Infrastruktur vor.

Als Finanzchef der UBS von 2008 bis 2011 hatte sich Cryan einen Namen als Sanierer gemacht. Diese Härte wird er jetzt wieder brauchen. Die Deutsche Bank ist in ihrer grössten Krise. Zunächst bereinigte Cryan die Bilanz mit milliardenschweren Wertberichtigungen, dann ordnete er die oberste Führungsebene neu. Eine Reihe der Vertrauten seines glücklosen Vorgängers Anshu Jain müssen gehen. Gestern folgte der dritte Streich mit dem Umbau der grössten Bank Deutschlands.

15 000 Stellen weniger

9000 Stellen sollen bei der Bank selber wegfallen, 6000 weitere bei externen Dienstleistern. Insgesamt werden also 15 000 Stellen gestrichen, 4000 davon in Deutschland. 200 der 750 Filialen werden geschlossen, vor allem in Ballungsgebieten. Insgesamt soll die Mitarbeiterzahl von gut 100 000 auf 77 000 sinken. Neben dem angekündigten Stellenabbau schlägt hier der geplante Verkauf der Postbank zu Buche. Cryan sagte, ihm sei bewusst, dass es sich um Tausende Schicksale handele. Er versichere, dass der Stellenabbau «auf faire Art und Weise» vorgenommen werde. 2018 soll die Radikalkur erste Früchte tragen.

Dividende fällt aus

Aber auch die Investoren müssen bittere Pillen schlucken. Die Dividende für die Jahre 2015 und 2016 wird gestrichen – das hat es seit den 1950er-Jahren nicht gegeben. Im 3. Quartal verbuchte die Bank einen Rekordverlust von 6 Mrd. €. Neben den Wertberichtigungen wurde eine weitere Milliarde für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt. 4,8 Mrd. € hat die Deutsche Bank für die rund 6000 Verfahren reserviert. Es gab kaum eine grössere Finanzaffäre, in die das Institut nicht verwickelt war. Aktuell ist es der Verdacht auf Geldwäscherei in Russland.