DETAILHANDEL: Zurück zum Kerngeschäft

Chicorée zieht sich aus dem Schuhgeschäft zurück. Zudem steht die ganz junge Zielgruppe weniger im Fokus. Nach einer Redimensionierung sollen wieder neue Filialen eröffnet werden.

Maurizio Minetti
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Vor rund vier Jahren eröffnete der Kleider- und Accessoirehändler Chicorée seinen ersten Schuh­laden in Dietikon. «In den nächsten drei bis fünf Jahren rechnen wir mit bis zu 50 Filialen», gab sich damals Chicorée-Gründer Jörg Weber in der «Schweiz am Sonntag» zuversichtlich. Bis En­de 2013 hatte Chicorée landesweit bereits sechs Schuhfilialen eröffnet. Mit tiefen Preisen wollte man die Konkurrenz das Fürchten lehren. Alteingesessene Händler wie Dosenbach oder Vögele Shoes waren gewarnt.

Die Realität war dann aber eine andere. Das Geschäft mit den Schuhen harzt nämlich gewaltig. Bata, Pasito-Fricker und viele kleinere Schuhläden mussten letztes Jahr Dutzende Filialen schliessen. Der Schuhumsatz der Schweizer Detailhändler ist stark rückläufig. Schuhe werden vermehrt online bei Zalando oder gleich im Ausland gekauft.

Nun zieht auch Chicorée die Reissleine. Jörg Webers Sohn Pascal, der das Schuhgeschäft in den letzten Jahren aufgebaut hat, sagt: «Der Schuhhandel und der Textilhandel haben ihre ganz eigenen Marktgesetze. Dies haben wir ganz klar unterschätzt.» Es habe sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der Schuhmarkt bereits sehr stark umkämpft sei. «Viele erfolgreiche Schuhhändler sind international aufgestellt und haben jahrelange Erfahrungen», sagt Weber.

Darum habe Chicorée entschieden, sich ganz aus dem Schuhgeschäft zurückzuziehen. Ebenfalls aufgegeben hat Chicorée das Konzept «Famous»: Diese 2010 gegründete Filialkette sollte auf eine «sehr modische junge Zielgruppe» fokussieren. «Leider ist es uns nicht gelungen, dieses Konzept genug stark zu etablieren; es konnte sich nicht ausreichend von der Hauptmarke Chicorée abheben», räumt Weber ein.

Wachstum in der Ostschweiz

Als Folge werden sowohl Chicorée Famous als auch Chicorée Shoes nicht mehr weitergeführt. Letztes Jahr hat die Firma deshalb 13 Standorte geschlossen. Die entsprechenden Filialen wurden grösstenteils in herkömmliche Chicorée-Läden umgewandelt.

Grundsätzlich ist Chicorée aber weniger betroffen von den Herausforderungen des Detailhandels: Weil die Kleider im tiefsten Preissegment angesiedelt sind, hat Chicorée eine Nische erschlossen, die grosse Onlinehändler kaum beackern. Letztes Jahr setzte Chicorée 131 Mio. Fr. um. 2015 waren es zwar noch 142 Mio. Fr. gewesen. Doch auf vergleichbarer Verkaufsfläche blieb der Umsatz in etwa stabil. Das ist besser als der Markttrend.

Trotzdem musste auch Chicorée Federn lassen. Beschäftigte der Händler 2013 rund 850 Mitarbeitende, sind es aktuell 750. 2013 träumte Firmengründer Jörg Weber von der 200. Filiale. Heute betreibt der Händler 152 Standorte. Die Konsolidierung sei nun aber abgeschlossen: «Wir haben wieder auf unser Kerngeschäft im Textilhandel fokussiert», sagt Pascal Weber. Dieses Jahr seien wieder fünf bis zehn Neueröffnungen geplant. Die Region Ostschweiz gehört laut Weber mit 4% Umsatzzunahme im Jahr 2016 «ebenfalls zu unseren starken Wachstumsregionen». Hier wären etwa Arbon oder Buchs interessante Standorte. In der Pipeline sei zudem ein Kundenbindungsprogramm.

Maurizio Minetti