DETAILHANDEL: Media Markt setzt neue Strategie in der Ostschweiz um

In Online-Zeiten ist das Geschäft mit Elektronik und Elektrogeräten besonders heiss umkämpft. Media Markt hat schweizweit die Weichen für ein Konzept gestellt, das stationäre Märkte und Internet vernetzt. Jetzt wird es in der Region umgesetzt.

Thorsten Fischer
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Mehr Übersicht und Vernetzung: Media Markt in St. Gallen. (Bild: PD)

Mehr Übersicht und Vernetzung: Media Markt in St. Gallen. (Bild: PD)

Der Umbruch im Detailhandel geht weiter und macht auch vor grossen Firmen aus der Elektronikbranche nicht halt. Das zeigt sich selbst bei Media Markt. Das Unternehmen hatte ab 1994 hierzulande mit breitem Angebot und tiefen Preisen kräftig expandiert. 1999 wurde mit St. Gallen ein Standort in der Ostschweiz eröffnet, heute zählt das Unternehmen national 28 Märkte. Zuletzt holte aber auch die Konkurrenz mächtig auf: nicht nur mit physischen Standorten, sondern auch durch neue Online-Mitbewerber.

Martin Rusterholz, seit April operativer Chef von Media Markt Schweiz, machte bei seinem Amtsantritt deshalb die Stossrichtung klar: Es gelte, das stationäre und das Online-Geschäft noch konsequenter zu vernetzen und das Serviceangebot auszubauen. Ab morgen Donnerstag hält die neue Markt-Ära, wie es das Unternehmen bezeichnet, nun auch am Standort St. Gallen ­Einzug. Wie es bei Media Markt Schweiz auf Anfrage hiess, werden diese Woche neben St. Gallen noch drei weitere Fachmärkte wiedereröffnet, die man soeben auch erneuert habe. «Die Umsetzung der Strategie kommt sehr gut an und wird weiter ausgebaut. Dazu gehört, dass wir auch fortwährend in unsere Fachmärkte investieren», so der Sprecher.

Auch Einkaufsverhalten ist im Wandel

Was heisst das im Detail? Auf 2699 Quadratmetern Verkaufsfläche werden demnach über 40000 Artikel angeboten. Via berührungsempfindliche Bildschirme können sich Kunden übers gesamte Marktangebot informieren. Die dargestellten Produkte haben einen QR-Code, um bei Bedarf Bestellungen mit dem Smartphone auszulösen. Ausserdem wurde eine Smartbar als Anlaufstelle für Expressreparaturen von Smartphones geschaffen.

Schon in der Vergangenheit habe es einzelne Schritte gegeben, das virtuelle mit dem realen Einkaufen zu verbinden, sagt René Hüppi, Geschäftsführer des St. Galler Media Marktes. Dazu gehörte der schweizweit erste Drive-in-Markt für Elektronik, der 2015 am Standort St. Gallen eröffnet wurde. Kunden können dort kurz zuvor im Onlineshop bestellte Waren direkt mit dem Auto abholen. Und schon seit mehreren Jahren orderte das Ladenpersonal an ihren Terminals nicht vorrätige Artikel online, falls Kunden dies wünschten.

Dies alles wird laut Hüppi jetzt in einem übersichtlichen Gesamtkonzept gebündelt. Ziel sei, dass die Kunden ein möglichst nahtloses Einkaufserlebnis auf allen Kanälen vorfinden. Damit könnten sie sich auch kurzfristig entscheiden, was wie bestellt, gekauft oder geliefert werden solle. Das komme dem aktuellen Einkaufsverhalten entgegen. Kunden kaufen das eine Mal lieber online ein, ein andermal lieber stationär, ein drittes Mal in kombinierter Form.

Inzwischen boomen Abholpunkte jeglicher Art – wie auch ein Blick auf die Konkurrenz zeigt – und das in ganz verschiedenen Branchen. Die Verkaufsfläche selber wirkt im Vergleich zu früher weniger überladen. Dies liegt auch daran, dass die Höhe der Verkaufsgestelle von 1,60 auf 1,40 Meter gesenkt wurde und der Raum nun besser überschaubar ist. Damit einher geht aber auch, dass in bestimmten Produktkategorien das physische Sortiment reduziert wurde.

Laut Hüppi hat das direkt mit der Nachfrageentwicklung in gewissen Kategorien zu tun. So nutzen Konsumenten Filme und Musik vermehrt direkt übers Internet und lassen sich die Inhalte per Streaming übertragen. Als logische Folge davon sinken die Verkäufe von physischen DVDs und CDs. Das bisher sehr breite Sortiment wurde deshalb zurück­gefahren, weil es aber nach wie vor eine Stammkundschaft dafür gibt, nicht komplett aufgegeben. Bei fehlenden Titeln soll auch hier die Lücke über Internetbestellungen geschlossen werden.

Bleibt die Frage: Rückt das Preisargument, das vor allem in den Jahren des Markteintritts im Vordergrund stand, damit in den Hintergrund? Dazu heisst es bei Media Markt Schweiz: «Der Preis, oder besser: das Preis-Leisungs-Verhältnis, ist immer noch ein sehr wichtiges Argument.» Ebenso wichtig sei aber das grosse Angebot und dass Einkaufen Freude mache. «Dazu brauchen wir moderne Fachmärkte, aber auch einen guten Service und eine gute Kombination des stationären mit dem Onlinehandel. Denn dies erwartet heute unsere Kundschaft.»

Thorsten Fischer