Desinfektionsmittel aus Alkohol, der für Whisky vorgesehen war: So spannen die Urnäscher Kosmetikfirma Swifiss und die Brauerei Locher zusammen  

Die Urnäscher Swifiss AG stellt auf Hochtouren Desinfektionsmittel her. Den Alkohol liefert die Appenzeller Brauerei Locher. Und auch die Verpackungen stammen aus der Ostschweiz. 

Thomas Griesser Kym
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Metin Ceylan von der Swifiss-Geschäftleitung begutachtet Flaschen mit Desinfektionsmittel.

Metin Ceylan von der Swifiss-Geschäftleitung begutachtet Flaschen mit Desinfektionsmittel.

Bild: Ralph Ribi (Urnäsch, 23. März 2020)
«Wir werden von Bestellungen überhäuft, arbeiten nun auch am Samstag.»

Das sagt Philipp Untersander, Chef der Swifiss AG. Die Urnäscher Firma hatte vergangenen Herbst den Geschäftsbetrieb der zahlungsunfähigen Kosmetikfirma Intracosmed übernommen, die in Konkurs gegangen war. Swifiss verdient das Geld aber gegenwärtig nicht mit Kosmetika, sondern mit Desinfektionsmitteln, die in der Corona-Krise heiss begehrt sind.

Laut Untersander ist die Welle mit der Anfrage eines Kunden ins Rollen gekommen, der sich nach Desinfektionsmittel erkundigte. «Innert zwei Tagen haben wir eines entwickelt, produziert und ihm vorgestellt», sagt Untersander. Dann habe der Kunde mit dem Verkauf begonnen und Swifiss mit Werbung. Seither laufen die Drähte heiss. Untersander:

«Wir haben bereits 100'000 Flaschen ausgeliefert.»

Bereits müsse er die Bestellungen selektionieren, was bedeutet, die Ausliefertermine etwas nach hinten schieben. Swifiss fahre die Produktion aber nach und nach auf Volllast hinauf. Hergestellt wird das Desinfektionsmittel auf den bestehenden Kosmetikanlagen, die man in kurzer Zeit umgerüstet habe. Das war auch möglich, weil wegen des Virus die Kosmetikbestellungen um rund 80 Prozent eingebrochen sind.

Regionale Firmen und Spitallieferanten haben Vorrang

Für die Herstellung des Desinfektionsmittels kooperiert Swifiss mit regionalen Firmen. Den Alkohol liefert die Appenzeller Brauerei Locher. «Sie hat uns kurzfristig neun Tonnen Alkohol zur Verfügung gestellt», sagt Untersander. Mitinhaber Karl Locher bestätigt das:

«Wir haben kurzfristig die Whisky-Produktion umgestellt.»

Locher hat auch Anfragen anderer Firmen für Alkohol für Desinfektionsmittel im Haus. «Vorrang haben regionale Firmen und solche, die Spitäler beliefern.» Die Flaschen zur Abfüllung des Desinfektionsmittels und die Kartonverpackungen bezieht Swifiss bei Firmen im Thurgau und im Kanton St.Gallen.

Sonderbewilligung des BAG

Untersander sagt, für die Produktion des Desinfektionsmittels habe man eine Sonderbewilligung des Bundesamts für Gesundheit (BAG). «Wir erfüllen alle Anforderungen und sind biozid-zertifiziert.» Abgesetzt werden die Mittel «zu normalen Preisen» zu 60 Prozent in Apotheken und Drogerien, zu 40 Prozent bei Betrieben, die sie für ihre Belegschaft verwenden.

Philipp Untersander, Chef und Miteigentümer der Swifiss AG, die aus der in Konkurs gegangenen Intracosmed entstanden ist.

Philipp Untersander, Chef und Miteigentümer der Swifiss AG, die aus der in Konkurs gegangenen Intracosmed entstanden ist.

Bild: Ralph Ribi (Urnäsch, 23. März 2020)

Geplant ist, dass Swisfiss das Desinfektionsmittel auch dann weiter produziert, nachdem die Corona-Krise vorüber ist. Zudem lanciere man eine Handcreme zum Schutz der Hände vor dem Austrocknen sowie eine Seife, die wie ein Desinfektionsmittel wirke.

Dölf Früh ist doch nicht an Bord

Über die Startphase der Swisfiss vergangenen Herbst sagt Untersander, die neuen Investoren hätten Vertrauen aufbauen können zu den Kunden, die alle bis auf einen dem Unternehmen die Treue gehalten hätten. «Wir haben sogar Signale, dass einige Kunden noch enger mit uns kooperieren möchten.» Für 2020 liege man voll auf Kurs, wie geplant eine schwarze Null und einen Umsatz von 6,5 Millionen Franken zu erreichen. Von der damals 78-köpfigen Intracosmed-Belegschaft habe man zwei Dutzend Festangestellte und acht Arbeitskräfte auf Abruf übernommen.

Die Swifiss-Investoren – neben Untersander auch Ernst Sutter und Christine Deppermann – hätten wie angekündigt drei Millionen Franken zur Verfügung gestellt. Nicht an Bord ist entgegen der ursprünglichen Absicht der frühere Intracosmed-Financier Dölf Früh. «Wir wollten dann doch einen kompletten Neustart», begründet Untersander und spricht von einem einvernehmlichen Entscheid mit Dölf Früh.

Ein längerfristiges Versprechen

Dieses Jahr will man vor allem bestehende Kunden pflegen, hat aber auch schon ein paar neue hinzugewonnen. Danach soll die Kundenakquise verstärkt werden.

«Wir wollen den Standort Urnäsch und die Arbeitsplätze längerfristig erhalten und nach Möglichkeit ausbauen.»

Das verspricht Philipp Untersander und schiebt nach: «Und zwar in einem vernünftigen und nachhaltigen Ausmass.»