Der Wert des Vertrauens

Im Umfeld der Wega geht jeweils auch das Wirtschaftsforum Thurgau in Weinfelden über die Bühne. Ums Netzwerken geht es dabei natürlich jedes Jahr – heuer waren die Netzwerke aber auch auf der Bühne das Hauptthema.

Kaspar Enz
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Daniel Frutig (links) und Oliver Vietze stellten sich im «Unternehmertalk» den Fragen von Moderatorin Mona Vetsch. (Bild: Reto Martin)

Daniel Frutig (links) und Oliver Vietze stellten sich im «Unternehmertalk» den Fragen von Moderatorin Mona Vetsch. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. «Sie sind vom Drumherum abhängig.» Martin Wittig, CEO des Beratungsunternehmens Roland Berger, sprach zwar von der Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland – aber der Satz könnte als Fazit des Wirtschaftsforums Thurgau gelten.

Konkurrenten als Partner

Vor ihm hatte Zukunftsforscher Peter Wippermann bereits über die «Spielregeln der Netzwerkökonomie» referiert: Wie Unternehmen durch soziale Netzwerke ihre Kunden zu Mitarbeitern machen können zum Beispiel. Martin Wittig ging auf die Netzwerke ein, die Firmen untereinander eingehen können, auch fernab von klar geregelten Formen wie Fusionen. So sprach er von «Coopetition»: Auch Konkurrenten können zusammenarbeiten, sagt Wittig. Neu sei das beileibe nicht, warnte er die anwesenden KMU-Vertreter: «Die Grossen machen das schon lange.» Gerade bei der Forschung, beim Einkauf oder bei der Erschliessung neuer Märkte seien solche Partnerschaften denkbar. Entscheidend für den Erfolg jeder Zusammenarbeit sei gegenseitiges Vertrauen, wie Umfragen unter Unternehmen ergeben hätten.

Besonders wichtig ist gegenseitiges Vertrauen in der bald grössten Volkswirtschaft der Welt, wie SF-Korrespondentin Barbara Lüthi berichtete. Wer in China Geschäfte tätigen wolle, müsse sich Zeit nehmen, um das Vertrauen allfälliger Partner zu gewinnen.

Auf Augenhöhe begegnen

«Vertrauen ist das A und O», das weiss auch Oliver Vietze. Das gelte aber überall, nicht nur in China. Dass man mit Vertrauen dort aber sehr weit komme, weiss der CEO der weltweit tätigen Baumer-Gruppe aus eigener Erfahrung. «Wir haben in Asien nur lokale Leute, keine aus der Schweiz», sagte er im Unternehmertalk. «Wir begegnen ihnen auf Augenhöhe und mit Respekt. Wir sollten nicht meinen, wir seien besser.» Dass das der richtige Weg sei, merke er daran, dass die Fluktuation auch in den Standorten in China sehr tief sei.

Wenig kann Oliver Vietze hingegen der Idee abgewinnen, mit Konkurrenten zusammenzuarbeiten. «Das ist sehr schwierig, denn am Ende geht es immer ums Geld.» Das sieht Daniel Frutig, CEO der AFG, anders. «Das tun wir, vor allem mit anderen Schweizer Firmen» – gerade in weit entfernten Märkten. «In China ist das für uns ganz normal.» Partnerschaften seien aber auch in der Ostschweiz wichtig, mit den Zulieferern aus der Region zum Beispiel. «Wir sind auch wegen unserer Partner da, wo wir sind.»

Als weniger aktiv outeten sich beide aber bei der Art von Netzwerken, die an Anlässen wie dem Wirtschaftsforum gepflegt werden. «Ich bin nicht so der Netzwerker», gab Oliver Vietze zu. Wichtiger sei ihm die Familie. Hier liege auch der Grund, warum er bei Facebook Mitglied sei. «Meine Tochter ist da, und ich will wissen, was da läuft.»