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Der tiefe Graben zwischen Investoren:
Die Löhne der CS-Spitze offenbart die Differenzen der Geldgeber

Schweizer Grossanleger lehnten letztes Jahr die Managerlöhne der CS ab. Weit weniger hart ins Gericht mit der Grossbank gehen ausländische Investoren. Eine Entwicklung, die sich immer weiter zuspitzt.
Andreas Möckli
2018 verdiente Tidjane Thiam 12,7 Millionen Franken. (Bild: Ennio Leanza)

2018 verdiente Tidjane Thiam 12,7 Millionen Franken. (Bild: Ennio Leanza)

Die Credit Suisse ist stets für einen Aufreger gut. Seit Jahren muss die Grossbank an ihren Generalversammlungen heftige Kritik einstecken. Anlass geben die Managerlöhne und Boni, die trotz Verlusten und sinkendem Aktienkurs stets üppig flossen. Den Tiefpunkt erreichte die CS mit Präsident Urs Rohner an der Spitze vor zwei Jahren. Nur gerade 58 Prozent sprachen sich für den Vergütungsbericht aus. Dieses Jahr gabs erneut Kritik: Das Gehalt von Konzernchef Tidjane Thiam ist für das letzte Jahr um 30 Prozent auf 12,7 Millionen Franken gestiegen. Im gleichen Zeitraum verlor die Aktie 38 Prozent an Wert. Damit hat die Bank die schwelende Abzockerdebatte angeheizt. Zuvor erregten bereits die Managerlöhne etwa von UBS-Chef Sergio Ermotti und Roche-Chef Severin Schwan die Gemüter. Die Diskussion ist dadurch auch mit Blick auf die anstehende GV-Saison lanciert. Gestern Abend machte die «Arena» die Managerlöhne zum Thema.

Da die Generalversammlungen der CS stets umstritten sind, geben sie einen deutlichen Hinweis darauf, wie Grossanleger etwa zu den Vergütungen oder zur Leistung der Verwaltungsräte stehen. Das Stimmverhalten grosser Pensionskassen oder Anlagefonds ist weitgehend öffentlich zugänglich. In der Schweiz ist dies seit der Annahme der Abzocker-Initiative der Fall. Zwar müssen Schweizer Pensionskassen ihre Voten nur den eigenen Mitgliedern offenlegen. Viele, vor allem staatliche Kassen, machen die Informationen allen Interessierten zugänglich.

Das Lager der Nein-Sager

Zwischen den Schweizer und den ausländischen Grossanlegern verläuft ein tiefer Graben, wie eine Analyse der letztjährigen Generalversammlung der Bank zeigt. Von den 20 grössten Pensionskassen inklusive dem Ausgleichsfonds der AHV haben 16 ihr Stimmverhalten veröffentlicht. Davon haben zwölf den Vergütungsbericht der Grossbank abgelehnt, dreizehn haben zumindest eines der vier bindenden Traktanden über die Gehälter der Verwaltungsräte und Topmanager abgelehnt. Zehn Kassen haben zudem dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung die Entlastung verweigert. Acht Grossanleger haben bei der Wahl von Präsident Rohner mit Nein gestimmt. Kaum überraschend stimmte die Pensionskasse der CS im Sinne der eigenen Bank.

Und die ausländischen Investoren? Vier der fünf grössten Grossanleger der Credit Suisse sagten durchs Band Ja. Dazu gehören die US-Vermögensverwalter Harris Associates, Blackrock und Dodge & Cox. Zusammen halten sie über zwölf Prozent aller Aktien. Ja sagte auch die norwegische Zentralbank Norges Bank. Sie hält weitere fünf Prozent. Unbekannt ist das Stimmverhalten des britischen Vermögensverwalters Silchester, der drei Prozent der Grossbank besitzt.

Die erwähnten Grossinvestoren dürften auch dieses Jahr kaum anders abstimmen. Harris lässt denn auch bereits ausrichten: «Wir unterstützen das Vergütungspaket von Herrn Thiam voll und ganz und sind der Meinung, dass er als Chef der Credit Suisse eine hervorragende Arbeit geleistet hat.» In der Schweiz ist die Ausgangslage noch unklar. Die Anlagestiftung Ethos, die zahlreiche Pensionskassen berät, wird ihre Empfehlung nächste Woche abgeben, sagt Direktor Vincent Kaufmann. Bereits geäussert hat sich die Pensionskasse des Bundes, die Publica. «Wir lehnen an den Generalversammlungen grundsätzlich alle Vergütungen ab, die über 10 Millionen Franken liegen», sagt Patrick Uelfeti, stellvertretender Leiter der Vermögensverwaltung. Ein Ausschluss der CS aus dem Anlageuniversum aufgrund ihrer Vergütungspraxis sei derzeit aber nicht vorgesehen. Dazu braucht es laut dem Reglement der Publica schwerwiegende Verstösse.

Ausländische Fonds zu unkritisch?

Auch wenn die Positionsbezüge der Grossanleger noch unklar sind, dürfte sich auch dieses Jahr ein Graben zwischen Schweizer und ausländischen Investoren auftun. Einer der Gründe: «Die Schweizer Stimmrechtsberater ticken in Fragen der Vergütung ähnlich und legen strengere Massstäbe an als die internationalen Berater», sagt Uelfeti. Das sieht auch Vincent Kaufmann von Ethos so. Bei der Höhe der Vergütungen seien Blackrock & Co. viel weniger kritisch.

Blackrock wehrt sich gegen diese Darstellung. Zwischen Juli 2017 und Juni 2018 habe der Vermögensverwalter in Kontinentaleuropa bei jeder dritten Generalversammlung gegen den Vergütungsbericht gestimmt. In den USA sinkt dieser Neinanteil jedoch auf bescheidene 11 Prozent. Die Transparenz der Vergütungsberichte in Europa sei oftmals unzureichend, da der Zusammenhang zwischen der Leistung des Topmanagements und der Vergütung oftmals nicht erkennbar sei, sagt eine Sprecherin dazu. Zu Abstimmungen bei einzelnen Firmen wie der Credit Suisse äussere sich Blackrock nicht. Neckisches Detail am Rande: Larry Fink, Chef und Präsident von Blackrock, erhielt zuletzt knapp 28 Millionen Dollar.

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