Der Streit um die Lieferung rezeptfreier Medikamente an Konsumenten geht in die nächste Runde - Frauenfelder Versandapotheke Zur Rose sieht sich gegenüber Apotheken und Drogerien benachteiligt

Corona macht's möglich. Um vor allem Menschen aus Risikogruppen den Gang in die Apotheke oder Drogerie zu ersparen, dürfen diese befristet rezeptfreie Arzneimittel auch Nicht-Stammkunden an die Haustür liefern. Zur Rose dagegen ist der Onlineversand solcher Mittel verwehrt. Firmenchef Walter Oberhänsli ruft nach einer Gesetzesänderung.

Thomas Griesser Kym
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Apotheken und Drogerien dürfen Konsumenten mit rezeptfreien Medikamenten beliefern, Zur Rose darf das nicht.

Apotheken und Drogerien dürfen Konsumenten mit rezeptfreien Medikamenten beliefern, Zur Rose darf das nicht.

Bild: Peter Schneider/KEY

Der Streit um die Belieferung von Konsumenten mit rezeptfreien Medikamenten erhält neue Nahrung. Die Behörden haben den Drogerien und Apotheken eine befristete Erlaubnis erteilt, während der Coronakrise rezeptfreie Arzneimittel auch Personen nach Hause zu liefern, die keine Stammkunden sind.

Etwas Ähnliches, nämlich der Onlineversand solcher Mittel, war der Frauenfelder Versandapotheke Zur Rose im Herbst 2015 bundesgerichtlich untersagt worden - auf Begehren des Apothekerverbandes Pharmasuisse.

«Ein klares Bedürfnis»

Dass nun Pharmasuisse und der Drogistenverband SDV erfolgreich für eine Hauslieferung durch ihre Klientel geweibelt haben, ruft Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli auf den Plan: Die beiden Lobbyverbände «bestätigen mit ihrem Vorstoss, dass eine rezeptfreie Lieferung von nicht rezeptpflichtigen Medikamenten nach Hause für die Schweizer Bevölkerung ein klares Bedürfnis ist».

Für Oberhänsli ist es nun umso notwendiger, dass das Bundesrecht angepasst wird. Konkret bezieht er sich auf Artikel 27 des Heilmittelgesetzes, das den Versand rezeptfreier Medikamente nur zulässt, wenn ein Arzt ein Rezept ausgestellt hat.

Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli liegt mit den Apotheken und Drogerien im Clinch.

Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli liegt mit den Apotheken und Drogerien im Clinch.

Bild: Donato Caspari

Apotheken und Drogerien werfen Beratung in die Waagschale

Solche Arzneimittel, etwa eine Hautsalbe oder ein Erkältungsmittel, können aber ohne Weiteres online im Ausland bestellt werden. Oder mir nichts dir nichts in einer Drogerie oder Apotheke gekauft werden, ohne vorgängigen Arztbesuch und ohne Rezept. Drogisten und Apothekerinnen haben stets damit argumentiert, sie könnten die Kunden beraten.

Diese Beratung wird auch beim jüngsten Entscheid ins Zentrum gerückt. Denn dem Hauslieferdienst rezeptfreier Medikamente auch für Nicht-Stammkunden muss eine «telefonische Fachberatung» vorangehen. Und, so Pharmasuisse und SDV, dank persönlicher Abgabe mit Abstand sei sichergestellt, «dass kein Medikamentenmissbrauch stattfindet».

Pharmasuisse will Oberhänsli strafrechtlich zur Verantwortung ziehen

Klar ist, der Streit geht weiter. Zumal die Thurgauer Staatsanwaltschaft vor kurzem Anklage erhoben hat gegen Oberhänsli. Er soll nach dem Willen von Pharmasuisse dafür bestraft werden, dass Zur Rose gegen das Heilmittelgesetz verstossen hatte. Und zwar von 2011 bis 2015, also in einer Zeit, bevor das Bundesgericht entschieden hatte und alle Vorinstanzen, inklusive Thurgauer Kantonsarzt, die Praxis der Zur Rose gebilligt hatten.

Apotheken und Drogerien werden sich vom Bestreben, ihre Konkurrentin Zur Rose zu bremsen, kaum abbringen lassen. Umgekehrt wird Zur Rose weiterhin versuchen, ihr Geschäftsmodell auszuweiten.

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Stefan Borkert