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Ob St.Gallen, Dornbirn oder Konstanz: Der heisse Sommer vermasselt Einkaufszentren den Umsatz

Es war kein einfaches Jahr für die Einkaufszentren in unserer Region. Selbst ennet der Grenze, wo der Einkaufstourismus blüht, galt es Schwierigkeiten zu meistern. So hat der lange, trockene und heisse Sommer das Modegeschäft vermasselt.
Thomas Griesser Kym
Die Sommerhitze hat die Lust auf Kleiderkäufe gedämpft, auch in der Shopping-Arena. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 14. Juni 2018))

Die Sommerhitze hat die Lust auf Kleiderkäufe gedämpft, auch in der Shopping-Arena. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 14. Juni 2018))

Der Schweizer Detailhandel steht seit geraumer Zeit unter Druck. Der Markt ist weitgehend gesättigt, das Wachstum der Zuwanderung, das zusätzlichen Konsum generiert, hat in jüngerer Zeit abgenommen, die Konkurrenz des Einkaufstourismus und des Onlinehandels setzen dem hiesigen stationären Handel zu.

Insgesamt sind die Umsätze des Schweizer Detailhandels, rund 92 Milliarden Franken, laut dem jüngsten «Markt-Monitor» des Forschungsinstituts GfK vergangenes Jahr um 0,4 Prozent gewachsen. Trotz ansehnlichen Wirtschaftswachstums, robusten Ar­beitsmarkts und gestiegener Beschäftigung sei aber «keine Konsumeuphorie» aufgekommen, urteilten vor kurzem die Ökonomen der Credit Suisse (CS) in ihrer Studie «Retail Outlook 2019».

Eine spezielle Stellung nehmen die Einkaufszentren ein. Einst als Konsumtempel bejubelt, unter deren Dach man bequem einen regnerischen Nachmittag zu verbringen, in verschiedensten Läden nach Lust und Laune einzukaufen und sich nebenbei in einem der Restaurants zu stärken pflegte, müssen sich Einkaufszentren heute neu erfinden. Immer mehr gefragt sind als Ergänzung und zur Diversifizierung auch neue Angebote, beispielsweise aus den Sparten Freizeit, Unterhaltung oder Gesundheit.

(Bild: Benjamin Manser)

(Bild: Benjamin Manser)

Wie der Schweizer Detailhandel generell leiden auch die Einkaufszentren unter dem Einkaufstourismus. Schätzungsweise neun Milliarden Franken geben Schweizer jährlich ennet der Landesgrenze aus. Profiteure sind Shopping-Center wie das Lago in Konstanz, das nicht von ungefähr als Einkaufszentrum mit der höchsten Flächenproduktivität ganz Deutschlands gilt, also dem grössten Umsatz pro Quadratmeter.

Wechselkurs und Preise entwickeln sich leicht vorteilhaft

Ein weiterer Magnet im grenznahen Ausland ist der Messepark in Dornbirn. Ein Viertel der Kunden stammt aus der Ostschweiz. Doch nun dies: Für 2018 rapportiert der Messepark ein Umsatzminus von 2 Prozent oder 4 Millionen Euro auf 193,5 Millionen Euro (220 Millionen Franken). Dies passt ins Bild der CS Studie, in der die Ökonomen schreiben: «Einkaufen im Ausland wird preislich weniger attraktiv.» Zum einen hat die Kaufkraft der Schweizer im Ausland das zweite Jahr in Folge abgenommen, weil der Franken gegenüber dem Euro erneut etwas nachgegeben hat. Zum anderen seien die Preise für Konsumgüter im Ausland tendenziell stärker gestiegen als in der Schweiz (siehe auch Grafik).

Messepark-Geschäftsführer Burkhard Dünser kontert. Er führt die Umsatzabnahme auf den «extrem langen Sommer von April bis Oktober» zurück, der zu Einbussen im Textil- und Schuhgeschäft geführt habe. Konkret: «Die Händler sind auf ihren Sommerjacken und Schuhen sitzen geblieben. Die Leute haben ja nur Flip-Flops gebraucht. Und sie haben viel Zeit draussen verbracht, beim Wandern, Baden oder in der Gartenbeiz.» Dünser räumt ein, der Messepark habe vergangenes Jahr auch etwas weniger Schweizer Kunden begrüsst, aber auch das wegen des Prachtsommers.

Der Franken sei immer noch stark und Einkaufen in Österreich für Schweizer «generell noch viel billiger» als in der Heimat.

Dass der letztjährige Sommer den Umsätzen «nicht förderlich» war, hat auch Marc Schäfer beobachtet, Centerleiter der Shopping-Arena in St.Gallen. Dennoch dürften die Umsätze, die das GfK für 2016 auf 215 Millionen Franken schätzt, in der Summe grosso modo stabil geblieben sein, und die Arena habe etwas höhere Kundenfrequenzen verzeichnet. Schäfer führt dies auch auf das 10-Jahr-Jubiläum zurück, das von vielen Aktivitäten und Promotionen begleitet wurde. Zudem habe man ein gutes Weihnachtsgeschäft verzeichnet, auch im Zusammenhang mit dem Black Friday.

«Hohe Temperaturen animieren erfahrungsgemäss nicht zum Einkaufen und Bummeln in den grösseren Centern.» Das sagt Natalie Brägger, Sprecherin der Migros Ostschweiz. Die Genossenschaft betreibt in der Region mehrere Einkaufszentren, darunter die Passage in Frauenfeld, den Pizolpark in Mels oder, hart an der Grenze zu Vorarlberg, den Rheinpark in St.Margrethen. Laut Brägger hat sich der Einkaufstourismus stabilisiert. Auch wenn heute nicht mehr so viele Schweizer im Ausland einkauften wie nach der Aufhebung des Euromindestkurses Anfang 2015, «so bleibt der Einkaufstourismus eine Herausforderung für die Läden in Grenznähe». Umsatzzahlen einzelner Standorte gibt die Migros nicht preis. Doch: Gut entwickelt hätten sich 2018 vor allem die kleineren Supermärkte. Im Umkehrschluss heisst das: Grössere Läden und Einkaufszentren haben zu beissen gehabt.

Modemarkt zieht Non-Food in die Tiefe

Bekleidung  Den negativen Einfluss des Sommers stützt auch das GfK: Laut dem Forschungsinstitut sind die Umsätze des Schweizer Detailhandels 2018 mit Lebensmitteln um 1,3 Prozent gestiegen, jene im Non-Food-Sektor aber um 1,3 Prozent gefallen, und dies einzig wegen der tristen Entwicklung im Bekleidungssektor. Denn, so schreibt das Institut: «Bis auf Fashion/Style erzielten alle von GfK erhobenen Non-Food-Märkte leichte Pluszahlen. Die anhaltende negative Entwicklung im Fashionmarkt hat sich auch im Jahr 2018 nicht entspannt. Der Einfluss des Wetters war eher negativ als absatzfördernd. Warme Temperaturen, wie im September 2018, konnten die Konsumenten nicht für einen Einkauf der neuen Herbst- und Winterware inspirieren.» Eine Besserung brachte erst der Kälteeinbruch ab November. Auch im Januar sind die Umsätze mit Artikeln für die kalte Jahreszeit gut gewesen; Natalie Brägger von der Migros Ostschweiz wie auch der Messepark-Chef Burkhard Dünser sprechen von einem gelungenen Jahresauftakt. Mittlerweile hat bereits der Ausverkauf eingesetzt. (T. G.)

Unterhaltung für das Publikum

Keine Zahlen legt auch das Lago offen, das Union Investment gehört, einem Immobilienfonds. Centermanager Peter Herrmann bezeichnet 2018 als «sehr uneinheitlich», aber «mit einem starken Jahresende». Dazu beigetragen hat auch der Winter mit viel Schnee und Kälte. Das bestätigt auch Brägger von der Migros Ostschweiz: Demnach profitierten die Einkaufszentren sowie die SportXX-Fachmärkte von hoher Nachfrage nach Winterkleidern und -sportausrüstung.

Im Konstanzer Lago kommen laut Herrmann 35 Prozent der Kunden aus der Schweiz, und zwar längst nicht mehr nur aus der Ostschweiz, sondern auch aus dem Aargau, aus Zürich und aus der Innerschweiz. «Die über sechs Millionen Tagestouristen, die Konstanz im Jahr besuchen», sind eine wesentliche Stütze für uns», sagt Herrmann. Schäfer von der Shopping-Arena hält fest:

«Früher konnte man ein Einkaufszentrum auf die grüne Wiese stellen und es 20 Jahre lang gleich lassen. Diese Zeiten sind vorbei.»

Die Shopping-Center müssen ständig an sich ar­beiten, ihren Mietermix optimieren, Einkaufen als Freizeiterlebnis gestalten. So hat die Shopping-Arena vor zwei Jahren einen Indoor-Spielplatz eröffnet, seit Herbst beherbergt man den Zolli-Bolli, und dieses Jahr löst die Import-Parfumerie Intimissimi ab. In Planung ist auch ­ei­ne brandneue Beleuchtung mit LED.

Derweil werden im Lago dieses Jahr just zum 15-Jahr-Jubiläum 4000 Quadratmeter oder ein Fünftel der Mietfläche umgebaut oder mit neuen Mietern belegt. Die Gastronomie wird erweitert und die Abendgastronomie intensiviert. Dünser wiederum kämpft seit Jahren dafür, den Messepark um 4700 Quadratmeter zu erweitern, allein «der politische Wille fehlt». Kritiker sagen, der Messepark grabe den Geschäften in der Dornbirner Innenstadt das Wasser ab. Dünser spricht von gegenseitiger Befruchtung.

Dass das Publikum unterhalten sein will, nimmt auch die Migros an. Brägger nennt die Fashion Week von Ende Monat im Rheinpark oder den Pizolpark, der Vereinen aus der Region Gastrecht gibt. Zudem böten alle Einkaufszentren Theater, Konzerte und Kinderbasteln an. Einig sind sich die Betreiber von Einkaufszentren sodann im Ausblick: 2019 dürfte wiederum herausfordernd werden.

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