Der Siegeszug der gerechten Banane begann im Thurgau

Die Mehrheit der Bananen in Schweizer Läden trägt heute ein Fairtrade-Label. Nun setzt Volg ganz auf Bananen aus fairem Handel.

Kaspar Enz
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Bananen mit dem Max-Havelaar-Label machen über 50 Prozent der in der Schweiz verkauften Bananen aus. (Bild: KY)

Bananen mit dem Max-Havelaar-Label machen über 50 Prozent der in der Schweiz verkauften Bananen aus. (Bild: KY)

Fairtrade-Bananen sind heute in jedem Früchtekorb zu finden: 53 Prozent aller in der Schweiz gekauften Bananen trugen 2018 das Max-Havelaar-Label. Letzte Woche konnte die Stiftung, die 1992 von Entwicklungsorganisationen gegründet wurde, einen weiteren Erfolg melden: Volg verkauft in seinen über 580 Läden nur noch Bananen mit dem Label. Ein logischer Schritt für Volg auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, sagte CEO Philipp Zgraggen.

Für Volg schliesst sich mit dem Entscheid auch ein Kreis. 1994 war er der erste Detailhändler weltweit, der ausschliesslich auf Fairtrade-Bananen setzte. Für die faire Banane ein wichtiger Meilenstein, dem jahrelange Aufbauarbeit vorausging. Und die fand hauptsächlich im Thurgau statt.

Hier hatte die Frauenfelderin Ursula Brunner und die «Bananenfrauen» bereits in den 1970er Jahren begonnen, die Arbeitsbedingungen auf den Bananenplantagen und unfaire Handelspraktiken anzuprangern. Und als in den 1980er-Jahren die USA die linksgerichtete Regierung in Nicaragua boykottierte, wurde daraus ein Handelsunternehmen.

Bananen auf der Suche nach Käufern

Schiffsladungen voller Bananen aus dem Zentralamerikanischen Land nahmen Kurs auf Europa. «Doch hier hatte niemand auf diese Bananen gewartet», sagt Beat Curau. Der Weinfelder hatte Brunner schon kennengerlernt, weil er sich bei der kirchlichen Jugendarbeit für Drittweltthemen engagierte. Nun half er mit, Bananen aus Nicaragua in der Schweiz zu verkaufen. Daraus wurde die «Gebana», die bald Bananen von unabhängigen Produzenten importierte. Der Preisaufschlag für die Bananen wurde in Projekte in der Herkunftsregion investiert.

Der Handel gestaltete sich aber noch recht schwierig. «Die unabhängigen Produzenten arbeiteten oft nahe am Konkurs. Der Nachschub war deshalb immer unsicher, genau so wie die Qualität», sagt Curau, heute Geschäftsführer der Curau AG.

In der Schweiz musste für die grün gepflückten Bananen eine Reiferei gefunden werden. «Diese hatten damals meistens Exklusivverträge mit Chiquita. Für uns war kaum Platz.» Zu den ersten Abnehmern gehörten Dorfläden und einzelne Volg-Filialen. «Dabei halfen uns Frauengruppen in den Regionen, die oft gezielt nach unseren Bananen fragten.»

Als sich für die Gebana die Chance eröffnete, Volg im grossen Stil zu beliefern, musste erst eine Reiferei gefunden werden. «Die beste der Schweiz stand in Basel. Ich hatte gehört, dass sie aus ihrem Exklusiv-Vertrag mit Chiquita heraus kamen.» Curau konnte den Besitzer überzeugen. «Dabei gestand er mir später: Er wollte mich eigentlich gleich wieder rausschmeissen. Er dachte da kommt so ein verlauster Alternativer.»

Die Lieferschwierigkeiten waren aber nicht gebannt, und Volg nahm die Gebana-Bananen später wieder aus dem Sortiment. Und als das Anfang der 1990er-Jahre Gegründete Max Havelaar-Label auch bei Bananen aktiv wurde, zog sich die Gebana aus dem Bananenhandel zurück. «Wir hatten unsere Arbeit getan», sagt Curau. Eine, die Früchte trug, meint Curau heute. Einerseits, weil Fairtrade-Früchte heute einen grossen Teil des Angebots im Detailhandel ausmachen. Andererseits hätten sich zumindest die schlimmsten Auswüchse der Situation auf den Bananenplantagen etwas verbessert. «Aber noch immer reichen die Löhne der kaum für ein gutes Leben.»

Eine Vielzahl von Labels stehen für Fairness

So ist Max Havelaar auch nicht mehr das einzige Label, das für fairen und nachhaltigen Handel steht. 1997 führte die Migros erstmals Max-Havelaar-Bananen. Diese machen bei der Migros Ostschweiz heute ein Drittel der Bananen aus. 57 Prozent tragen das WWF-Label, das nicht nur soziale, sondern auch ökologische Standards garantiert. Die restlichen neun Prozent sind Migros-Budget-Bananen, die von der Rainforest Alliance zertifiziert sind, sagt Sprecherin Natalie Brägger.