Der Schrecken der Banken

Carl Levin lehrt die Banken das Fürchten. Der US-Senator hat das Bankgeheimnis geknackt. Unterstützt von Präsident Barack Obama bekämpft Levin seit Jahren unermüdlich Steueroasen. Und er lässt nicht locker.

John Dyer
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Carl Levin US-Senator und Leiter des Untersuchungsausschusses (Bild: ap)

Carl Levin US-Senator und Leiter des Untersuchungsausschusses (Bild: ap)

BOSTON. Das Verhör ist der bisherige Höhepunkt des Kreuzzugs von Carl Levin. Brady Dougan, Chef der Credit Suisse (CS), stand dem Senator gestern Red und Antwort. Levins resolutes Vorgehen gegen Steueroasen hat die weltweite Bankenlandschaft verändert. Seit nunmehr 13 Jahren geht der Demokrat aus Michigan gegen reiche Amerikaner und gegen die Banker vor, die ihnen bei der Steuerflucht helfen. 100 Mrd. $ jährlich sollen auf Konten in der Schweiz, Liechtenstein, den Cayman-Inseln und anderen Steueroasen vor dem Zugriff der US-Steuerbehörde IRS versteckt worden sein.

Akribische Vorbereitung

Seit 1979 sitzt Levin im Senat. Ende Jahr geht der 78-Jährige in Pension. Die persönliche Konfrontation mit einem jener Topbanker, gegen die er seit Jahren vorgeht, ist für den Leiter des Untersuchungsausschusses eine persönliche Genugtuung. Levin ist bekannt dafür, sich tagelang auf Anhörungen vorzubereiten. Am Dienstag veröffentlichte sein Ausschuss einen 175seitigen Bericht, laut dem die CS für Amerikaner über 22 000 Konten mit Vermögen von 12 Mrd. $ geführt hat. Der Grossteil des Geldes sei zwischen 2001 und 2008 nicht dem IRS gemeldet worden.

CS räumt Fehlverhalten ein

«Der Fall der CS zeigt, wie eine Schweizer Bank die Steuerflucht aus den USA begünstigt hat», sagt Levin: «Nicht nur versteckt hinter dem Schweizer Bankgeheimnis, sondern auch auf US-Boden. Schweizer Banker eröffnen hier geheime Konten.» Der Bericht zeigt zudem, dass die CS einen eigenen Lift am Flughafen Zürich genutzt haben soll, um US-Kunden zu ihrer dortigen Geschäftsstelle zu lotsen.

Vergangene Woche räumte die CS bereits falsches Verhalten ein, beschuldigte aber einzelne, böse Banker. Sie erklärte sich zu einem Strafgeld von 196 Mio. $ bereit. Das soll die Zivilklage wegen Steuerdelikten ad acta legen.

Der Fall des Bankgeheimnisses

Levin hatte in 35 Jahren einige Posten inne. Doch seine Arbeit in dem Ausschuss gilt als wichtigste. Vor Jahren überzeugte Levin einen Ausschusskollegen, den damaligen Senator Obama, gegen Steuerflüchtige vorzugehen. Reiche Amerikaner hätten eine lasche Anwendung des Gesetzes ausgenutzt. Vom Weissen Haus aus unterstützte Obama später als Präsident Levins Pläne. UBS und Wegelin mussten schon zahlen. Inzwischen beteiligen sich gut 100 Schweizer Banken am US-Steuerprogramm. Und indem Obama den Informationsaustausch von Banken und ausländischen Steuerbehörden zum Standard gemacht hat, ist das Bankgeheimnis geknackt.

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