Der russische Rubel hat sich wieder gefangen

MOSKAU. Das postsowjetische Russland steckt in seiner dritten Finanzkrise. 1998 fiel der Wechselkurs der Landeswährung von 6 auf 21 Rubel pro Dollar – bei einer Inflation von 84,5%. 2008 fiel der Kurs von 23 auf 35 Rubel pro Dollar. Die Inflation hielt sich mit 13,3% im Rahmen.

Axel Eichholz
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MOSKAU. Das postsowjetische Russland steckt in seiner dritten Finanzkrise. 1998 fiel der Wechselkurs der Landeswährung von 6 auf 21 Rubel pro Dollar – bei einer Inflation von 84,5%. 2008 fiel der Kurs von 23 auf 35 Rubel pro Dollar. Die Inflation hielt sich mit 13,3% im Rahmen. Im Dezember 2014 vollzog sich die Krise bei einer Inflation von nur 9,5%. Dafür fiel der Kurs von 35 auf 68 Rubel pro Dollar. In allen drei Fällen wurde der Rubelzerfall von billigen Ölpreisen auf dem Weltmarkt begleitet.

Festigung seit Februar

Per 1. November 2014 gab die russische Zentralbank den Rubelkurs frei und stellte ihre Interventionen an den Devisenmärkten ein. In den Wochen davor hatte sie etwa 2 Mrd. $ täglich verkaufen müssen, um den Kurs zu stützen. Bei diesem Tempo wären die staatlichen Gold- und Devisenreserven binnen weniger Monate aufgebraucht gewesen.

Nach der Freigabe brach der Rubel ein, auch zwei Leitzinserhöhungen im Dezember verpufften wirkungslos. An manchen Tagen erreichte der Wechselkurs 100 Rubel pro Dollar. Mitte Januar pendelte er sich bei 80 Rubel ein. Private Anleger räumten ihre Konten leer. Als sich im Februar doch die ersten Anzeichen einer Festigung der Währung einstellten, prophezeiten Experten, sie werde nicht lange währen. Seither ging auch der Dollarkurs weiter zurück, und mittlerweile schwankt der Kurs um die Marke von 50 Rubel pro Dollar. Die Zentralbank hat gar angekündigt, sie werde auf dem Devisenmarkt 100 Mio. bis 200 Mio. $ täglich kaufen, um eine zu grosse Festigung des Rubels zu verhindern und die Devisenreserven aufzustocken.

Einfluss des Öls und der Ukraine

Die Devisenkäufe würden den Rubelkurs nicht entscheidend beeinflussen, sagte die Erste Vizevorsitzende der Zentralbank, Xenia Judajewa. Der wichtigste Einflussfaktor sei der Ölpreis. Dieser hat inzwischen wieder 50 bis 60 $ pro Fass erreicht – wesentlich weniger als bis vergangenen Sommer, als er 110 $ betrug, aber mehr als noch Anfang Jahr. Grössere Kursschwankungen werde es noch eine Zeitlang geben, die Lage werde sich aber im Sommer beruhigen.

Ähnlich äussert sich Dmitri Trawin, Professor an der Europäischen Universität in St. Petersburg. Der Rubel stehe und falle mit dem Ölpreis. Es gebe aber auch andere Einflüsse wie den Krieg in der Ostukraine und die Verschärfung oder Lockerung westlicher Sanktionen. Solange der Konflikt nicht eskaliere, lasse er den Rubel unberührt. Das Minsker Waffenstillstandsabkommen sei dem Rubel gut bekommen. Deshalb wolle Moskau den Krieg tatsächlich möglichst schnell einfrieren.