Der Preis des Erfolgs

Die ganz grossen Schweizer Finanzunternehmen müssen spezielle Regeln befolgen. Nun zählt auch die Postfinance dazu. Was das konkret heisst, wird ausgearbeitet – und hat auch Tücken.

Thorsten Fischer
Merken
Drucken
Teilen
Im Zahlungsverkehr und Einlagegeschäft omnipräsent: Wegen ihrer Grösse gilt die Postfinance neu als systemrelevant – und bekommt Auflagen. (Bild: ky/Urs Jaudas)

Im Zahlungsverkehr und Einlagegeschäft omnipräsent: Wegen ihrer Grösse gilt die Postfinance neu als systemrelevant – und bekommt Auflagen. (Bild: ky/Urs Jaudas)

BERN. Die Postfinance, Tochter der Schweizerischen Post, befindet sich punkto Relevanz nun offiziell auf derselben Ebene wie die Grossbanken UBS und Credit Suisse, die Raiffeisen Schweiz und die Zürcher Kantonalbank. Daran bestanden angesichts der Unternehmenszahlen kaum Zweifel – im 1. Halbjahr 2015 wickelte Postfinance rund 500 Millionen Finanztransaktionen ab.

Schon die vor einem Jahr gestartete Überprüfung durch die Schweizerische Nationalbank (SNB), ob Postfinance künftig als «Too big to fail» («zu gross, um unterzugehen») gelten soll, deutete in diese Richtung. Gestern hat die SNB nun das Ergebnis bekanntgegeben. Postfinance habe ebenfalls eine besondere Bedeutung für den Finanzmarkt. Das klingt zwar ehrenvoll, bringt aber vor allem neue Pflichten mit sich. Die «Too big to fail»-Debatte ist schliesslich aus der Finanzkrise der Jahre 2007/08 entstanden, als die damals bedrohliche Lage der UBS die Finanzwelt und die Gesellschaft in Atem hielt. Heute hat die wiedererstarkte Grossbank nicht zuletzt durch ihre Struktur vorgesorgt.

Auf mehreren Ebenen ansetzen

Das entspricht der Strategie, welche die Eidg. Finanzmarktaufsicht Finma für die Grossen der Branche verfolgt. Zum einen sollen Strukturen entflochten werden – etwa mit separat geführtem Schweizer Geschäft – damit im Ernstfall nur gewisse Teile betroffen sind und eine geordnete Abwicklung möglich ist.

Zum Ernstfall sollte es aber gar nicht erst kommen. Neben dem Notfallplan für Krisensituationen müssen systemrelevante Banken auf weitere Art vorsorgen – zum Beispiel über höhere Eigenmittel und strengere Anforderungen bezüglich Liquidität und Risikomanagement. Wie genau die Massnahmen aussehen, wird mit den Unternehmen jeweils direkt besprochen. Auch die Postfinance wird nun besondere, noch zu definierende Auflagen erfüllen müssen. Der nächste Schritt besteht laut Postfinance darin, mit der Finanzmarktaufsicht die Umsetzung anzugehen.

«Der Entscheid trifft uns nicht unvorbereitet», sagte denn auch Postfinance-Chef Hansruedi Köng gestern laut Agentur SDA. Die Postfinance – sie ist eine Aktiengesellschaft, aber weiterhin im Besitz des Bundes – begrüsste den SNB-Entscheid: Die Einstufung unterstreiche die Wichtigkeit von Postfinance für den Schweizer Finanzmarkt und trage zu dessen Stabilität bei.

Laut Bericht ist Postfinance die Nummer eins im Schweizer Zahlungsverkehr. Gemäss Bankengesetz ist das eine systemrelevante Funktion. Auch im systemrelevanten Einlagegeschäft nimmt die Postfinance eine bedeutende Stellung ein. Seit Ende Juni 2013 ist die Post-Tochter im Besitz einer Banklizenz.

Nach den heutigen Regeln sei die Postfinance genügend kapitalisiert, hiess es laut SDA. Sie übertreffe sowohl bezüglich Mindestkapitalquote als auch Höchstverschuldung die gesetzlichen Anforderungen.

Eine besondere Frage

Ein offener Punkt ist laut Köng, zu wessen Lasten die Notfallpläne gehen. Vorgesehen zum Einspringen sind grundsätzlich die Eigentümer, um die Steuerzahler nicht zu behelligen. Doch gehört die Postfinance als Post-Tochter dem Steuerzahler. Ausserdem stelle sich die Frage, auf welche Funktionen die Postfinance im Krisenfall allenfalls verzichten könnte, sagte der Postfinance-Chef.