Der Poker hat ein Ende

Das dritte Bayer-Angebot über 66 Milliarden Dollar konnte der US-Konzern Monsanto nicht mehr ausschlagen. Bayer steigt zur Nummer eins auf den Märkten für Saatgut und Pflanzenschutz auf.

Christoph Reichmuth/Berlin
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Es ist die grösste Übernahme, die ein deutsches Unternehmen je getätigt hat: Der Leverkusener Chemieriese Bayer kauft den US-Saatguthersteller Monsanto für knapp 66 Mrd. $ (59 Mrd. €). Bayer hat sein Übernahmeangebot insgesamt dreimal verbessert, nun findet der Poker sein Ende. Bei den ersten Übernahmeverhandlungen im Mai bewerteten Experten Monsanto mit rund 42 Mrd. $. Die Monsanto-Führung rund um Konzernchef Hugh Grant wies ein erstes Bayer-Angebot von 62 Mrd. $ zunächst zurück.

Durch den Deal, dem die Monsanto-Aktionäre und die Kartellbehörde noch zustimmen müssen, steigt Bayer zum weltweit führenden Konzern im Geschäft mit Agrarchemie auf. Die Zustimmung der Aktionäre gilt als wahrscheinlich. Das Bayer-Angebot bewertet den Monsanto-Aktienkurs um 44% höher als vor Bekanntwerden der Bayer-Übernahmepläne. Auch die Kartellbehörden dürften nach Ansicht von Experten den Deal kaum wegen drohender Monopolstellung des neuen Mega-Konzerns gefährden, da Monsanto vor allem in den USA, Bayer in Europa und Asien stark vertreten ist.

Chance durch Klimaerwärmung

Experten gehen davon aus, dass die Monsanto-Führung bis zuletzt darauf spekuliert hatte, sich mit einem zweiten Fusionsangebot für die Basler Syngenta aus der Umklammerung von Bayer zu lösen. Doch die Übernahme des Schweizer Agrochemie-Konzerns durch den chinesischen Staatskonzern Chem China für 43 Mrd. $ ist so gut wie unter Dach und Fach, zumal auch das Komitee für Auslandinvestitionen in Amerika der geplanten Übernahme die Freigabe erteilt hat. Monsanto scheiterte im letzten Jahr beim Versuch, die Schweizer Syngenta zu schlucken.

Obschon die gesamte Chemiebranche wegen der niedrigen Preise für Agrarrohstoffe und Saatgut sowie instabiler Märkte in den Schwellenländern unter Druck steht, sieht Bayer-Chef Werner Baumann den hohen Kaufpreis für Monsanto gerechtfertigt. Wegen der rasch wachsenden Weltbevölkerung sieht Baumann im Agrarbereich gute Wachstumschancen, laut Statistiken müssen bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Ausserdem haben Landwirte rund um den Globus mit den Folgen der Klimaerwärmung zu kämpfen. Bayer will mit neuen Technologien für Saatgut und Unkrautbekämpfung auf dieses Phänomen reagieren. Durch die Übernahme Monsantos sichert sich Bayer viel Know-how in der Biotechnologie.

Der Deal ist allerdings auch höchst umstritten. Monsanto geniesst in der Branche den Ruf des «Bösewichts». Weltweit steht der US-Konzern wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Ausserdem vertreibt der Konzern den weltweit meist genutzten Unkraut-Vernichter «Roundup». Das Produkt enthält den Wirkstoff Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Die EU hat erst im Juni dieses Jahres den Einsatz des umstrittenen Mittels für weitere eineinhalb Jahre verlängert. «Monsanto steht für viele der Missstände der Agroindustrie», moniert Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter gegenüber dem «Handelsblatt». «Gentechnik und Pestizide sind keine Zukunfts-, sondern Risikotechnologien. Während die Skepsis der Menschen gegenüber der Agroindustrie zunimmt, will Bayer ausgerechnet in diese verbraucher- und umweltfeindliche Richtung investieren.» Umweltverbände kritisieren ausserdem die dominierende Marktposition des fusionierten Riesen. Bauer und Verbraucher gerieten in Abhängigkeit des Mega-Konzerns, heisst es. Sollten die Kartellbehörden dem Deal doch nicht zustimmen, hat sich Bayer mit Monsanto auf eine Zahlung von 2 Mrd. $ verständigt. Sollte die Behörde grünes Licht zum Deal geben, rechnen die Konzerne mit dem Abschluss der Transaktion bis Ende 2017.