Silicon Valley

Der Paypal-Gründer hat als einziger Donald Trump unterstützt – so zahlt sich das aus

Der Paypal-Gründer gehört zu den gefragtesten Investoren im Silicon Valley und hat als Einziger Donald Trump unterstützt. Diese Investition zahlt sich jetzt aus

Patrick Züst, Silicon Valley
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Kühler Stratege oder Visionär? Peter Thiel gibt der Tech- Branche Rätsel auf.

Kühler Stratege oder Visionär? Peter Thiel gibt der Tech- Branche Rätsel auf.

KEYSTONE

Er hatte mal wieder Recht. Peter Thiel hat gezockt und gewonnen – wie so oft. Sein Gespür für gesellschaftliche Veränderungen und seine Bereitschaft zu riskanten Investitionen haben den Amerikaner zum Multimilliardär gemacht, und gleichzeitig zu einer der prägendsten Figuren im Silicon Valley. Vor zwei Jahrzehnten gründete der 49-Jährige die Firma PayPal, heute ist er Unternehmer, Visionär und gefragter Investor. Jeder kennt ihn, jeder will ein Treffen mit ihm.

Normalerweise investiert er in junge Start-up-Gründer. Im vergangenen Juli hat er aber – entgegen seinem üblichen Muster – auf einen 70-jährigen Politiker gesetzt: Donald Trump. Wieso der homosexuelle Thiel einen konservativen Republikaner unterstützt, das konnte damals niemand verstehen. Im Silicon Valley wird nämlich fast ausnahmslos demokratisch gewählt.

Macht statt Geld

Vor rund vier Monaten hatten sich 145 Persönlichkeiten aus der Technologie-Branche in einem offenen Brief gegen «Wut, Bigotterie, Angst vor neuen Ideen und neuen Leuten» ausgesprochen, vor allem aber gegen den Präsidentschaftsanwärter Donald Trump.

Deshalb ging ein kollektiver Aufschrei durch das Silicon Valley, als Thiel nur eine Woche später am republikanischen Parteitag verkündete, dass er Präsidentschaftskandidat Trump unterstütze: «Ich bin kein Politiker. Aber Donald Trump ist es auch nicht. Er ist ein Erbauer, und es ist Zeit, Amerika wieder aufzubauen», hatte Thiel damals gesagt und 1,25 Millionen Dollar für Trumps Kampagne gespendet. Viele hatten daraufhin Thiels Entlassung aus den diversen Verwaltungsräten gefordert, in denen er mitwirkt. Einige Unternehmen beendeten gar die Zusammenarbeit mit seinen Firmen.

Sein wichtigster Schachzug

Nur drei Tage nach der Wahl von Donald Trump wurde bekannt, dass Thiel Teil des präsidialen Übergangsteams ist. Er verbindet das Weisse Haus mit dem Silicon Valley. Es war offensichtlich, dass er es sein würde, der diese eminent wichtige Rolle einnimmt. Denn alle anderen Investoren im Silicon Valley hatten sich früh von Trump distanziert. Für sie war der Republikaner eine tickende Zeitbombe, ein zum Scheitern verurteiltes Unternehmen. Für Peter Thiel hingegen war Donald Trump ein kalkulierbares Risiko. Eine Investition, für die er mit seinem Ruf und seinem Geld bezahlt, die ihm aber mit wenig Aufwand viel Macht bringt. Diese weiss Thiel zu nutzen: Vergangene Woche wurde bekannt, dass mit Trae Stephens ein enger Vertrauter ebenfalls zum Übergangs-Team von Donald Trump gehören wird.

Peter Thiel ist ein berechnendes Genie. Das war er schon immer: Als Kind gehörte er zu den besten Schachspielern der Vereinigten Staaten, hat bei nationalen Mathematik-Wettbewerben immer wieder mit Spitzenresultaten brilliert. Dennoch studierte er in der Elite-Universität Stanford nicht Mathematik oder Informatik, sondern Philosophie und Jura. Eine Zeitverschwendung sei das gewesen, sagt er heute. Denn nach dem Studium ist Peter Thiel dem Ruf des Geldes ins Silicon Valley gefolgt, hat dort den Online-Bezahldienst PayPal gegründet. Das hat ihn zum Millionär gemacht. Jenes Geld hat Thiel klug angelegt, unter anderem war er einer der ersten Investoren bei Facebook.

Vom Schach zum Strippenziehen?

Schon vor seiner Allianz mit Donald Trump war Peter Thiel im Silicon Valley als Querdenker bekannt. Seine Ideen polarisieren: Thiel will riesige Plattformen auf offener See bauen, wo ganze Städte entstehen sollen und wo unabhängig von jeglicher Regierung gewirkt wird. Thiel will ausserdem ewig leben – oder zumindest länger, als es die Biologie erlaubt. Er unterstützt dabei diverse Forscher, welche das Alter künstlich aufhalten wollen. Thiel will den Stellenwert von Universitäten schwächen und bezahlt jungen Unternehmern viel Geld, damit sie ihr Studium abbrechen.

Und jetzt will Thiel also auch noch die amerikanische Politik aufmischen. Er, der Libertäre, der eigentlich von Natur aus jede Form von staatlicher Regulierung ablehnt. Aber Thiel wird sich nicht im politischen Filz verfangen. Er wird im Silicon Valley bleiben, diesem Biotop für Visionäre, Futuristen und verschrobene Programmierer. Hier fühle er sich wohl, sagt Thiel immer wieder. Welche Position er in Donald Trumps Administration einnehmen wird, darüber rätselt derzeit das ganze Silicon Valley. Einige sehen in ihm den hinterlistigen Strippenzieher, der Trump als Marionette für seine eigenen Interessen missbrauchen wird: Thiel sei auf der Kurzwahltaste des designierten Präsidenten, erzählt man sich – er wolle der «CEO der USA» werden, schreibt ein Blogger. Und gar über einen Präsidentschaftskandidaten Thiel wird hinter hervorgehaltener Hand immer wieder spekuliert.

Es ist einfach, in Thiel einen durchtriebenen Bösewicht zu sehen, einen machtversessenen Taktiker: Das Schachgenie, das erwachsen geworden ist, und verschiebt jetzt nicht mehr König und Dame, sondern Präsident und First Lady. Aber das greift zu kurz. Peter Thiel ist ein Visionär, der die Welt verbessern will – so wie fast alle im Silicon Valley.

Thiel übertrumpft Trump

Thiel ist aber auch der Junge, der schweigend in der hintersten Schulbank sitzt, nie etwas sagt und seinen Mitschülern trotzdem meilenweit überlegen ist.

Thiel wird entweder offiziell oder inoffiziell einen wichtigen Posten in Trumps Regierungsteam einnehmen. Damit ist er momentan sowohl die grosse Hoffnung als auch die grosse Sorge des Silicon Valley. Das ist berechtigt. Denn seine intellektuelle Überlegenheit gegenüber Donald Trump und dem Rest des Übergangsteams ist unbestritten. Wie er diesen Trumpf gegenüber Trump nutzen wird, das weiss niemand so genau. Denn obwohl Thiel ein berechnendes Genie ist, ist er selber komplett unberechenbar.