Der Ölpreis soll wieder steigen

Der Öl- und Gaspreisverfall soll bald wieder Geschichte sein, hoffen die Förderunternehmen. Auf längere Sicht sei gar mit Preisen über 100 Dollar zu rechnen. Doch an erneuerbaren Energien und Energieeffizienz führt kein Weg mehr vorbei.

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Der Öl- und Gaspreisverfall soll bald wieder Geschichte sein, hoffen die Förderunternehmen. Auf längere Sicht sei gar mit Preisen über 100 Dollar zu rechnen. Doch an erneuerbaren Energien und Energieeffizienz führt kein Weg mehr vorbei.

Zeitalter der Koexistenz

Die Zeiten, als der Ölpreis das Wohl und Weh ganzer Volkswirtschaften bestimmte, sind vorbei. Viele erneuerbare Energien sind heute auch bei tiefen Ölpreisen konkurrenzfähig. «Wir stehen vor einem Zeitalter der Koexistenz verschiedener Energieträger.» Ulrich Spiesshofer, Chef des Energieausrüsters ABB, zitierte am Weltwirtschaftsforum nicht etwa einen Protagonisten erneuerbarer Energien, sondern den Energieminister einer Ölmacht des Mittleren Ostens. Der Energiesektor erlebt gerade eine der grössten Umwälzungen seiner Geschichte. Sie wird getragen von technologischen Neuerungen in der Öl- und Gasförderung, verbesserter Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Kaum jemand zweifelt indes daran, dass nichterneuerbare Energien die Energieversorgung noch über Jahrzehnte dominieren werden. Mit den aktuell tiefen Öl- und Gaspreisen hat dies allerdings nur am Rande zu tun.

Patrick Pouyanne, Chef des französischen Ölkonzerns Total, spricht von einer normalen zyklischen Erscheinung, getrieben von den sehr hohen Ölpreisen. Diese hätten wiederum Fördermethoden rentabel gemacht, die zuvor nicht wirtschaftlich waren.

Das habe zu einer Überproduktion geführt, die ausschliesslich von Nicht-Opec-Staaten komme, wie Opec-Generalsekretär Abdallah Salam al-Badri betont. «Die Opec-Förderung ist seit zehn Jahren konstant.» Der Preisverfall sei allerdings nicht überraschend, fügt Khalid A. al- Falih hinzu. Ihn habe einzig überrascht, dass alle so überrascht gewesen seien vom vorhersehbaren Preisverfall, so der Direktor des Ölförderers Saudi Aramco. Er rechne mit einer steigenden Nachfrage bei sinkenden Investitionen in zu teure Fördermethoden. «Bis Ende Jahr werden die Preise wieder steigen», prognostiziert auch Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur.

Gas wird wichtiger

Nicht ausgeschlossen sei, dass bei der erwartet steigenden Nachfrage und gleichzeitig sinkenden Investitionen die Ölpreise schon bald wieder weit über 100 Dollar pro Fass steigen könnten, befürchtet Claudio Descalzi, CEO des italienischen Ölmultis ENI. Auf lange Sicht, so die mehrheitliche Überzeugung der Vertreter der Öl- und Gasindustrie am Weltwirtschaftsforum, werde Gas angesichts unaufhaltsam schrumpfender Ölreserven beträchtlich an Bedeutung gewinnen. (uf)