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Der neue Mobilfunkstandard 5G könnte der Glasfaser das Wasser abgraben

Mit dem ultraschnellen Mobilfunknetz 5G stellt sich die Frage, wieso es überhaupt noch erdgebundene Glasfasernetze für den Internetanschluss braucht. Es droht eine Investitionsruine – finanziert durch den Steuerzahler.
Roger Braun
Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel. (Bild: Carlo Reguzzi/Ti-Press, Bellinzona, 10. Februar 2015)

Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel. (Bild: Carlo Reguzzi/Ti-Press, Bellinzona, 10. Februar 2015)

5G ist die Zukunft, da sind sich alle einig. Mit dem neuen Mobilfunkstandard werden Internetgeschwindigkeiten von mehreren Gigabit pro Sekunde möglich: Das Herunterladen eines Filmes wird nur noch wenige Sekunden dauern. Für die Konsumenten ist das ein Grund zur Freude. Anders sieht es bei den Anbietern von Festnetzinternet aus. Wenn die Mobilfunkverbindung so rasend schnell ist: Wieso soll man zu Hause überhaupt noch einen Kabelanschluss für das Internet haben, mögen sich viele fragen.

In Kanada und den USA verzichtet bereits jeder fünfte Haushalt auf ein Festnetz und nutzt stattdessen die Funkverbindung, um ins Internet zu gehen. Die Beratungsfirma Deloitte sieht diesen Anteil in den nächsten drei Jahren auf rund einen Drittel wachsen. Für die Schweiz hat Deloitte keine Zahlen erhoben, doch klar ist: Mit der Einführung der fünften Mobilfunkgeneration 5G wird die hiesige Festnetzbranche arg durchgeschüttelt werden.

Milliardeninvestitionen stehen auf dem Spiel

Besonders exponiert sind die teuren Glasfasernetze. Die städtischen Elektrizitätswerke haben in Zusammenarbeit mit der Swisscom die vergangenen Jahre rund eine Million Haushalte an das schnelle Netz angeschlossen. Daneben gibt es auch Kleinstgemeinden, die sich auf eigene Kosten für die Zukunft gerüstet haben. Strassen wurden aufgerissen, Kabel versenkt und bis in die Haushalte gezogen. Die genaue Übersicht hat niemand, doch die Gesamtkosten für den Bau des verästelten Glasfasernetzes gehen in die Milliarden. Die Hoffnung der Anbieter: Über die Nutzungsdauer von etwa 30 Jahren sollen die Konsumenten für Abonnemente genügend Gebühren bezahlen, um die Investitionen zu amortisieren.

«Ob diese Rechnung aufgehen wird, ist zweifelhaft», sagt der Telekomexperte vom Online-Vergleichsdienst Comparis, Jean-Claude Frick. Mit 5G erreiche eine Funkverbindung das erste Mal die Geschwindigkeit einer Glasfaser, sagt er. «Mit dem entscheidenden Unterschied, dass es viel günstiger ist, eine Funkantenne aufzustellen als eine Glasfaser in eine Wohnung zu ziehen.» Frick ist überzeugt, dass künftig viel weniger Glasfasernetze verlegt werden. «Denn in spätestens zehn Jahren wird der 5G-Empfang so gut sein, dass in einem Haushalt zur selben Zeit Filme geschaut, Videospiele gespielt und gesurft werden kann.»

Swisscom verlässt sinkendes Schiff

Die Swisscom hat bereits einen Gang zurückgeschaltet. Propagierte der Schweizer Marktführer vor einigen Jahren noch Glasfasernetze bis in die Haushalte, begnügt sie sich inzwischen damit, die Quartiere anzuschliessen. Die Feinverteilung erfolgt über das bestehende Kupferkabel mit einer neuen Beschleunigungstechnologie namens Vectoring. Damit werden Geschwindigkeiten bis zu 500 Megabit pro Sekunde möglich, was rund der Hälfte der heutigen Glasfaserkapazität entspricht.

Illustrativ ist der Fall Freiburg. Im Jahr 2012 einigte sich die Swisscom mit dem Kanton Freiburg und dem regionalen Energieversorger Groupe E darauf, in den kommenden 15 Jahren 90 Prozent der Freiburger Haushalte ans Glasfasernetz anzuschliessen. Die budgetierten Kosten dafür: 500 bis 600 Millionen Franken. Doch vor zwei Jahren stieg die Swisscom, die mehrheitlich im Besitz des Bundes ist, plötzlich aus. Stattdessen setzt sie auch im Kanton Freiburg auf das Kupferkabel auf der letzten Meile – und tritt damit in Konkurrenz zum öffentlich finanzierten Glasfasernetz. «Die Swisscom ist aus Kostengründen vom weit verästelten Glasfasernetz abgerückt», sagt Frick. «Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass sie die Investitionen angesichts von 5G gefährdet sieht.»

Energieversorger verbreiten unverdrossen Optimismus

Bei den regionalen Elektrizitätswerken geht derweil die Angst vor millionenschweren Abschreibern um. Vergangenes Jahr hat Swiss Fibre Net – ein Zusammenschluss städtischer Energieversorger rund um Bern, Luzern und St. Gallen – eine Studie in Auftrag gegeben um abzuklären, ob die Glasfasernetze mit dem Aufkommen von 5G bald überflüssig werden.

Swiss Fibre Net versucht Entwarnung zu geben. «Die Glasfasernetze werden von der Einführung von 5G-Netzen profitieren», lautet der Titel der Medienmitteilung vom Dezember. Die Studie selbst bleibt derweil unter Verschluss, da sie vertraulich sei. Swiss Fibre Net weist darauf hin, dass 5G-Funkantennen ebenfalls an ein Glasfasernetz angeschlossen werden müssen, um ihr Potenzial entfalten zu können. Damit profitierten auch die Elektrizitätswerke, so das Argument. Allerdings: Ein grobmaschiges Glasfasernetz besteht in der Schweiz seit Jahrzehnten. Vielmehr stellt sich heute die Frage, ob es sinnvoll ist, die Glasfaser bis in die Haushalte zu verlegen, so wie es viele Energieversorger tun.

Telekomexperte Ralf Beyeler stützt teilweise die Sicht von Swiss Fibre Net. «Ich glaube nicht, dass 5G jemals eine ebenbürtige Alternative zu einem Glasfaseranschluss werden wird», sagt er. Beyeler hat Zweifel, dass es die Telekomfirmen schaffen werden, genügend 5G-Antennen aufzustellen, um eine konstant schnelle Internetverbindung für den Heimgebrauch sicherzustellen. «Wenn abends zum Beispiel alle gleichzeitig ein Fussballspiel schauen möchten, würde das Mobilfunknetz zusammenbrechen», prophezeit der Experte vom Online-Vergleichsdienst moneyland.ch.

Strahlenschutz könnte Glasfaser zupass kommen

Für einen flächendeckenden 5G-Empfang braucht es in der Tat Tausende neuer Antennen, denn die neue Technologie benötigt mehr Sendemasten als das heutige 4G-Netz. Die Telekomanbieter haben jüngst versucht, den Strahlenschutz zu lockern, um weniger neue Antennen bauen zu müssen. Doch nachdem sich das Parlament zweimal quer gestellt hat, ist die Abkürzung zu einem schnelleren Mobilfunknetz versperrt. Für Frick ist es indes nur eine Frage der Zeit, bis sich der neue Mobilfunkstandard auch für den Heimgebrauch durchsetzt – gerade auch weil das Internet der Dinge davon abhängt.

Diese Aussicht zeitigt bereits heute Folgen. Das Elektrizitätswerk Zürich musste bereits 90 Millionen Franken abschreiben. Auch die Energieversorger in Genf, Basel und Luzern nahmen Wertberichtigungen von gegen 150 Millionen Franken vor, weil sie die Einnahmen überschätzt hatten. Eine aktualisierte Übersicht über die Abschreiber zu Lasten der öffentlichen Hand gibt es nicht. Viele Elektrizitätswerke geizen auch mit Detailangaben zum wirtschaftlichen Erfolg der Glasfasernetze. Klar ist: Je schneller sich 5G in der Schweiz durchsetzt, desto grösser werden die Abschreibungen zu Lasten des Steuerzahlers.

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