Der neue Grüne im Weissen Haus

Ende Jahr findet die UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen statt. Der ehemalige US-Vizepräsident Gore traut Amerika mit dem neuen Präsidenten Obama eine Führungsrolle in Klimafragen zu.

Nicole Tesar
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Davos. Neben der Finanz- und Wirtschaftskrise haben es andere Themen schwer auf der Agenda des Davoser Weltwirtschaftsforums (WEF). Umweltfragen seien ein zentrales Thema 2009, hatte zwar Gründer Klaus Schwab angekündigt. Doch die Veranstaltungen halten sich in Grenzen.

Höhepunkt aus klimapolitischer Sicht dieses Jahr ist der UNO-Klimagipfel. Als entscheidend für den Erfolg gilt die Haltung der neuen US-Regierung. An einer der wenigen WEF-Veranstaltungen zum Thema Klima zeigte sich der frühere Vizepräsident Al Gore optimistisch: Der neue US-Präsident Barak Obama sei «die grünste Person» im Weissen Haus. Friedensnobelpreisträger Gore sagte dies mit Blick auf den relativ grossen Anteil, den die Ausgaben für grüne Energien in Obamas milliardenschwerem Konjunkturpaket ausmachen. Die neue Regierung sei bereit, eine Führungsrolle in Umweltfragen einzunehmen.

Ehrgeizige CO2-Reduktion

Obamas Vorgänger George W. Bush hatte mit seiner Weigerung, internationale Abkommen zur Reduktion von Treibhausgasen zu unterzeichnen, in vielen Ländern Enttäuschung hervorgerufen. In Kopenhagen werden die Teilnehmer ein neues Klimaschutzabkommen anstreben. Ziel ist es, sich auf ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zu einigen, das Ende 2012 ausläuft.

«Das Wichtigste in Kopenhagen wird sein, sich auf Ziele zu einigen», sagte der dänische Premier Anders Rasmussen. Industrieländer sollen ihre CO2-Emissionen bis 2050 um 80% reduzieren – bezogen auf den Ausstoss von 1990. Für die Entwicklungsländer seien die Reduktionsziele mit 15% bis 30% weniger ambitiös.

Emissionshandel vernetzen

Die Festlegung der CO2-Reduktionsziele sei eine Voraussetzung, damit ein funktionierender Markt entstehe, sagte Rasmussen. Dem pflichtete Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain bei. Bei den Zielen betonte er: «Diese müssen mit den wissenschaftlichen Tatsachen übereinstimmen.» Mit einem Markt kämen auch die Investitionen in neue Technologien. Denn vier Fünftel aller Investitionen würden aus privater Hand finanziert. Anders gesagt: «Wenn die Spielregeln klar sind, wird sich die Wirtschaft anpassen.»

«Man muss den CO2-Emissionen einen Preis geben», ergänzte Shell-Chef Jeroen van der Veer. Wer CO2 einspare, müsse dafür auch belohnt werden. Im Vordergrund stehe ein effektiver CO2-Zertifikatehandel. Die EU-Kommission setzt einen Schwerpunkt auf den Handel mit Verschmutzungsrechten. Sie schlägt eine Vernetzung der Emissionshandelssysteme aller 30 Industriestaaten der OECD bis 2015 vor. Wichtig sei aber auch der Einbezug der grossen Entwicklungs- und Schwellenländer.

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