Der Möchtegern-Milliardär

Wilbur Ross soll falsche Angaben über sein Vermögen gemacht haben. Das behauptet «Forbes», das den Handelsminister zu den reichsten Amerikanern gezählt hatte.

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Es war eine harte Woche für Wilbur Ross. Zuerst musste sich der US-Handelsminister mit Enthüllungen herumschlagen, wonach er indirekt Geschäftsbeziehungen mit Russen getätigt habe, die auf den Sanktionslisten des Finanzministeriums stehen. Dann schrieb das Magazin «Forbes», Ross habe die Redaktion jahrelang angelogen. Der 79-Jährige habe fälschlicherweise behauptet, er sei Milliardär. Laut einer offiziellen Vermögensdeklaration, die er den Behörden vorlegen musste, besitze Ross aber weniger als 700 Millionen Dollar.

Die Kontroverse gibt einen seltenen Einblick in den Prozess, an dessen Ende eine der exklusivsten Listen Amerikas herauskommt – «Forbes 400», die seit 1982 publizierte Zusammenstellung der 400 reichsten Amerikaner. Ross steht seit 2004 auf der Liste, die aktuell von Bill Gates (89 Milliarden Dollar) angeführt wird. Im Vergleich dazu ist Ross ein kleiner Fisch, mit zuletzt 2,9 Milliarden auf der letztjährigen Liste. Diese Zahl beruhe aber auf Berechnungsfehlern und Lügen, wie «Forbes» nun einräumt.

Das kam so: Ross machte sich 2002 einen Namen, als er den bankrotten Stahlhersteller LTV kaufte, die International Steel Group (ISG) gründete und diese an die Börse brachte. Ross hatte Glück: Einige Tage nachdem er seine Wette auf US-Stahl ab­geschlossen hatte, verhängte der damalige Präsident George W. Bush Strafzölle auf Stahlimporte. Die ISG war deshalb nach dem Börsengang plötzlich 1 Milliarde Dollar wert – und Ross ein Kandidat für «Forbes 400». Als das Magazin damals mit Ross sprach, habe dieser sehr bescheiden gewirkt. Als ihm eröffnet worden sei, dass «Forbes» sein Vermögen für 2004 auf 1 Milliarde Dollar schätzen werde, soll er gesagt haben: «Gut, danke schön.»

Doch tatsächlich betrug das Vermögen des Ministers damals nur 250 Millionen Dollar. Der Denkfehler des «Forbes»-Redaktors: Er war der Meinung, Ross sei Hauptinvestor der ISG. Doch das Geld für den Kauf des Stahlherstellers stammte vom Inder Lakshmi Mittal, einem echten Milliardär. Ross habe nie versucht, diesen Fehler zu korrigieren, beklagt das Magazin. Auf der «Forbes 400» 2005 wog Ross schon 1,7 Milliarden Dollar. Und so ging es munter weiter – wobei sich Ross’ angebliche Bescheidenheit immer mehr ins Gegenteil verkehrte. So schrieb er 2014 an «Forbes»: «3,1 (Milliarden) ist niedrig, aber ich verstehe, warum Sie konservativ sein wollen.»

Ross erklärt die Diskrepanz zwischen seinen Behauptungen und seiner offiziellen Vermögensdeklaration mit einem angeblichen, neu gegründeten Trust. In diesen habe er vor seinem Antritt als Minister am 28. Februar 2017 2 Milliarden Dollar transferiert, zu Gunsten seiner Kinder. Einen Nachweis für die Existenz dieses Trusts verweigert Ross, mit dem Hinweis auf seine Privatsphäre.

Renzo Ruf, Washington