Der «Milchrebell» vom Untersee

Er ist der Lieblingsfeind jener Milchbauern, die zurück zur Milchkontingentierung wollen. Roland Werner aus Wäldi sieht aber keinen Grund, zur «Heidiland-Landwirtschaft» zurückzukehren.

Lieselotte Schiesser
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Roland Werner (Bild: Lieselotte Schiesser)

Roland Werner (Bild: Lieselotte Schiesser)

WÄLDI. Roland Werner ist Milchbauer auf dem Waldhof in Wäldi und Mitbegründer des Thur Milch Rings (TMR). Heute hat der TMR mit mehreren Grossbetrieben Lieferverträge. Der TMR hält nichts von der Milchkontingentierung, die bis Ende 2008 jedem Milchbauern die Menge Milch vorschrieb, die er produzieren durfte.

Raus aus dem Korsett

Sobald dies 2006 möglich wurde, stiegen die Milch Ring-Bauern aus der Kontingentierung aus. Seither dürfen sie mehr Milch produzieren und an einen Verarbeiter zu einem tieferen Preis verkaufen, wenn dieser die Mehrproduktion exportiert. Werner ist «froh über die Liberalisierung». Viele Bauern hätten den «Schritt zur Produktionserhöhung gemacht, weil sie sich nur noch am Absatz» orientierten und damit gut fahren würden. Ihr Widerstand flammte deshalb sofort auf, als 2010 der Berner SVP-Nationalrat Andreas Aebi wieder eine zentrale Steuerung der Milchmenge forderte. Roland Werner und andere «Freimelker» zogen mit der «Plattform Milchwirtschaft (PMW)» in den Kampf gegen die Rückkehr zum alten Regime. Dessen Befürworter bezeichnen die Gegner der Kontingentierung als «Querulanten». Mit ihrer Orientierung am Milchabsatz öffneten sie für die Abnehmer Tür und Tor, den Milchpreis zu drücken.

Markt- statt Planwirtschaft

Dagegen behauptet Roland Werner, die Kontingentierung mache aus der Schweizer Land- eine Planwirtschaft. Besser wäre es, eine «soziale Marktwirtschaft» aufzubauen, bei der sich die Produktion zuerst am Markt orientiere. Soziale Härten sollten während einer Übergangsfrist abgefedert werden. So sollte ein älterer Landwirt, der die Milchwirtschaft wegen der Umstellung aufgeben müsse, bis zum AHV-Alter eine Ausgleichszahlung bekommen. Dessen Nachfolger müsse sich dann aber neu orientieren. Ähnliches habe man von Handwerkern auch erwartet, deren Gewerbe vom Markt verschwunden seien. Zudem sollten gesellschaftlich erwünschte Leistungen wie die Ökologie durch Direktzahlungen abgegolten werden, wenn sie nicht einem Marktbedürfnis entsprächen.

Abschottung ist Illusion

«Ich finde es schlimm, dass man nicht den Mut hat, die Wahrheit zu sagen, dass nämlich die Zahl der Bauernbetriebe zurückgehen wird,» sagt Werner. Das werde aber auf jeden Fall geschehen. Betriebe mit einer jährlichen Produktion bis 100 000 Kilo seien nicht mehr überlebensfähig. Die Abschottung der Schweizer Landwirtschaft sei eine Illusion. Milchprodukte müssten sich preislich auch auf ausländischen Märkten behaupten können. Dazu müsse man aber auch die Vorstellung einer «Heidiland-Landwirtschaft» aufgeben. Denn trotz hehren Bekenntnissen kaufe der Konsument auch so ein: Bevorzugt werde günstige Butter, Rahm und Käse im nahen Ausland oder das günstigste Produkt im Regal des heimischen Supermarktes.

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