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Ostschweizer Banken wollen nicht auf Boni verzichten

Mit der Abschaffung der Boni steht die Migros Bank momentan allein auf weiter Flur. Andere Geldinstitute lässt dieser Schritt kalt. Sie sehen variable Vergütungsbestandteile als einen zentralen Baustein ihres Geschäftserfolgs.
Thomas Griesser Kym
Boni sind ein zentraler Bestandteil in den Vergütungssystemen von Banken. (Bild: Corinne Glanzmann (18. Januar 2018))

Boni sind ein zentraler Bestandteil in den Vergütungssystemen von Banken. (Bild: Corinne Glanzmann (18. Januar 2018))

Über Boni lässt sich trefflich streiten. Und sie sind geeignet, dass die Öffentlichkeit ihrer Entrüstung freien Lauf lässt. Dann vor allem, wenn die Boni im Gegensatz stehen zum Geschäftserfolg. So wie etwa vor rund zehn Jahren. Damals wies die UBS für das Jahr 2008, in dem die Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers einen ersten Höhepunkt erreichte, einen Rekordverlust von 20 Milliarden Franken aus, und die Grossbank war von der Eidgenossenschaft und der Schweizerischen Nationalbank vor dem Kollaps gerettet worden. Gleichwohl schüttete die UBS variable Lohnbestandteile von 2,2 Milliarden Franken an ihre Belegschaft aus. Für SP-Präsident Christian Levrat herrschte in der UBS «weiterhin die Kultur der fetten Jahre», und auch von rechts bekam die Bank ihr Fett ab. So forderte der damalige SVP-Sprecher Alain Hauert, bei Verlusten dürfe es keinen Bonus geben. UBS-Chef Marcel Rohner dagegen verteidigte das Vergütungsmodell, das einen vergleichsweise niedrigen fixen Grundlohn mit einem ­hohen variablen Anteil verband. Allerdings: Etwa 1 Milliarde der ausbezahlten 2,2 Milliarden variablen Komponenten waren vertraglich zugesichert.

Boni gehören noch immer zu den Vergütungssystemen der Banken, aber die Finanzkrise, politische Vorstösse, die Stigmatisierung von Bankern als Abzocker, der Ruf nach besserer Corporate Governance usw. haben mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit gebracht. Doch nun erachtet gar ein Institut Boni als «nicht mehr zeitgemäss»: Am Montag kündigte die Migros Bank an, den Bonus auf das kommende Geschäftsjahr 2019 hin abzuschaffen. Im Gegenzug wird jenen Mitarbeitenden, die bisher einen Bonus erhalten haben – die Mitglieder der Geschäftsleitung (ausser deren Vorsitzender), der Direktion und des Kaders –, der Fixlohn einmalig erhöht.

Thurgauer Kantonalbank: «Keine Fehlanreize»

Einen Dominoeffekt hat die Migros Bank nicht ausgelöst. Das zeigen auch Reaktionen von Instituten in der Ostschweiz, die von dieser Zeitung angefragt worden sind. «Die Abschaffung der variablen Vergütung ist derzeit kein Thema», sagt Anita Schweizer, Sprecherin der Thurgauer Kan­tonalbank (TKB). Deren Vergütungssystem sei «im Branchenvergleich moderat ausgestaltet». Es basiere auf dem operativen Geschäftsergebnis der Bank und enthalte «keine Fehlanreize». Am Erfolg der TKB können laut Schweizer «alle Mitarbeitenden der Bank, auch Lernende», durch die variable Vergütung teilhaben, und man könne in deren Rahmen ausserordentliche Leistungen von Mitarbeitenden honorieren.

«Eine variable Lohnkomponente eröffnet zudem die nötige unternehmerische Flexibilität, um auf schwankende Geschäftsergebnisse zu reagieren», sagt Schweizer. Das sieht auch Vergütungsexperte Urs Klinger so. Wie er zu «20 Minuten» sagte, haben Firmen ohne Bonussystem oft den Nachteil, dass sie in wirtschaftlich schlechteren Zeiten rascher Personal entlassen als Betriebe mit variabler Vergütung.

Bei der TKB gilt zudem: Bei Mitgliedern der Direktion und des Kaders ist der variable Anteil der Gesamtvergütung höher als bei den unterstellten Mitarbeitenden. Und: «Fällt das Ergebnis unter eine bestimmte Marke, schütten wir keine variable ­Vergütung aus», sagt Schweizer. Noch detaillierter ist die variable Vergütung für die Mitglieder der Geschäftsleitung definiert. Deren variable Vergütung kann maximal 80 Prozent des Fixlohns ­erreichen und teilt sich in eine variable Jahresvergütung, die sich nach dem Geschäftsverlauf der Bank und der individuellen Leistung bemisst, sowie eine variable Strategievergütung, die sich an der Erreichung der strategischen Ziele orientiert und für alle Geschäftsleitungsmitglieder gleich hoch ist. Fällt der bereinigte Geschäftserfolg unter 70 Millionen Franken, entfällt die variable Strategievergütung. Vergangenes Jahr betrug der Geschäftserfolg der TKB 158,7 Millionen. Bankchef Heinz Huber beispielsweise wurde brutto wie folgt entlöhnt: 550000 Franken Fixlohn plus 264900 Franken variable Jahresvergütung plus 33900 Franken variable Strategievergütung.

Raiffeisen Schweiz setzt für die Angestellten auf eine «marktgerechte feste Vergütung» und eine «massvolle variable Vergütung». Diese basiere auf dem Gruppenerfolg und der Leistung der einzelnen Mitarbeitenden. Für 2017 zahlte die Raiffeisen-Gruppe 1,1 Milliarden Franken an Gesamtvergütungen aus. Davon waren 120 Millionen oder 11 Prozent variable Bestandteile.

St. Galler Kantonalbank: «Unternehmerisch denken»

Auch die St. Galler Kantonalbank (SGKB) hält an ihrem Vergütungssystem fest. «Es ist gut ausgestaltet und hat sich bewährt», sagt SGKB-Sprecher Adrian Kunz. Die variable Komponente des Lohns hängt ab vom Jahresergebnis der Bank. Auf dessen Basis legt der Verwaltungsrat im Januar des Folgejahres auf Antrag der Geschäftsleitung die gesamte Bonussumme fest. Diese wird dann nach unten verteilt, in die einzelnen Unternehmensbereiche, Abteilungen, Niederlassungen, Teams bis zum einzelnen Mitarbeitenden. Die Höhe des ­untindividuellen Bonus hängt dann auch ab von der Erreichung individueller Ziele. «Grundsätzlich erhalten alle Mitarbeitenden einen variablen Lohnbestandteil, ausser die Lernenden», sagt Kunz. Auf Stufe Direktion und Kader müssen die Mitarbeitenden einen Teil (20 bis 35 Prozent) des Bonus in Aktien der SGKB beziehen, auf unteren Stufen dürfen sie (bis zu 15 Prozent in Aktien). Natürlich erhalten auch die Mitglieder der Geschäftsleitung ne­ben dem Fixlohn einen variablen Vergütungsanteil. Diese wird je hälftig in bar und in für drei Jahre gesperrten Aktien ausbezahlt. Das ganze Lohnmodell mit variablem Vergütungsteil und Aktienkomponente zielt laut Kunz darauf ab, «das unternehmerische Denken der Mitarbeitenden zu fördern».

Die Migros Bank hingegen will mit der Abschaffung des Bonus einer Gefahr begegnen, «dass sich Mitarbeitende vor ­allem auf ihre eigene bonusrelevante Tätigkeit konzentrieren – und dabei den Blick aufs Ganze verlieren». Klinger sieht das ­anders: Wenn das Geld in Form höherer Fixlöhne schon vor der erbrachten Leistung ausbezahlt werden, müsse sich der Arbeitnehmende ja gar nicht mehr ­anstrengen. Das Interesse, sich weiterzuentwickeln und mehr zu leisten, falle weg. Klingler: «Firmen mit variablen Vergütungen sind wirtschaftlicher und agiler.»

Auch Unzufriedenheit kann sich breitmachen

Überdies beobachtet Klinger in den vergangenen Jahren bei den Banken eine «Professionalisierung der Boni». Will heissen, die Geldhäuser passten die Boni nicht mehr einfach nur der individuellen Leistung an, sondern vermehrt der Leistung der ganzen Firma. Auch die Migros Bank wirft dieses Argument in die Waagschale: So sei die Betreuung und Entwicklung der Kunden und damit der Unternehmenserfolg «vom Zusammenspiel vieler Akteure an der Front und in zentralen Bereichen abhängig», und dies team-, standort- und vertriebskanalübergreifend. Allerdings kann dieses Modell – Bonus stärker gewichtet nach der Kollektivleistung – auch zu missmutigen Verlierern führen. So ­beklagt sich ein Teamleiter in der Schweizer Ländergesellschaft eines ausländischen Versicherers, dass die Boni seiner Abteilung trotz deren Spitzenleistung wegen der deutlich schlechteren Leistung der zehnmal grösseren Abteilung des Stammhauses in die Tiefe gezogen werden.

Der Verwaltungsrat erhält sowohl bei den beiden Kantonalbanken wie auch bei Raiffeisen keine variable Vergütung, sondern ein Fixhonorar. Die SGKB zahlt dieses zu 70 Prozent in bar und zu 30 Prozent als drei Jahre gesperrte Aktien aus. Die Sperre soll wie auch bei der Geschäftsleitung die langfristige Bindung zum Unternehmen erhöhen. Der Raiffeisen-Verwaltungsrat beschwor einen Shitstorm herauf, weil er sich, wie mitten in der Affäre Vincenz bekannt wurde, seine Vergütung mit Gültigkeit ab 2017 um 43,5 Prozent zünftig erhöht hatte. Nun ist das Vergütungsmodell des Verwaltungsrats überarbeitet worden.

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