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Der letzte Stricker

Längst lassen die Schweizer Textilunternehmen den grössten Teil ihrer Waren im Ausland produzieren. Die Traxler AG aber strickt weiter Pullover in Bichelsee. Eben hat sie das Basler Modelabel «Erfolg» übernommen.
Kaspar Enz
Rolf Traxler hat vor zehn Jahren seinen Maschinenpark erneuert. (Bild: ken)

Rolf Traxler hat vor zehn Jahren seinen Maschinenpark erneuert. (Bild: ken)

BICHELSEE. «Eine Etikette anzunähen ist bei uns teurer, als einen ganzen Pullover in Bangladesh zu nähen», sagt Rolf Traxler. «Eine abstruse Situation.» Und ein Grund, warum kaum noch ein Pullover in der Schweiz gestrickt wird. Rolf Traxler tut es trotzdem. 1909 wurde die Traxler AG in Bichelsee als Stickerei gegründet. 1934 stellte sie auf Strickwaren um – und ist bis heute dabei geblieben. Auch wenn sie damit fast alleine ist. «Stricker werden in der Schweiz keine mehr ausgebildet», sagt er. Sucht er einen, findet er ihn am ehesten in Ostdeutschland. «Dort gab es einmal eine Strickindustrie.»

Maschinen machen es möglich

Dass es diese in Bichelsee immer noch gibt, hat mit den Maschinen zu tun. In Reih und Glied stehen sie und rattern kaum beaufsichtigt vor sich hin, rollen das Garn ab und lassen die Nadeln fliegen. Unten erscheint Zentimeter um Zentimeter ein Pullover. Nahtlos. «Die Technologie des nahtlosen Strickens hat einen enormen Produktivitätsvorteil», sagt Rolf Traxler. Die Maschinen stricken quasi einen Schlauch. «Das Zusammenfügen der Teile entfällt – das macht drei Viertel der Handarbeit aus.» Zehn Jahre alt ist die Technologie. Damals investierte Traxler vier Millionen, rüstete den grössten Teil des Maschinenparks um. «Die Produktivität ist rund siebenmal höher als die der herkömmlichen Methode.»

Diese Maschinen können aber nicht alles. So können sie keine zweiflächigen Gestricke nahtlos stricken – die müssten immer noch zusammengefügt werden. Deshalb behielt er einige herkömmliche Maschinen. Für grössere Aufträge in der traditionellen Herstellung arbeitet er mit Partnerfirmen in Litauen zusammen.

Gross ist die Traxler AG nicht. 30 Mitarbeitende sind hier beschäftigt, ein grosser Teil in der Näherei. Rund sechs Millionen Franken setzte das Unternehmen noch vor zwei Jahren um. «Das erreichen wir im Moment aber nicht mehr», sagt Rolf Traxler. Seit der Eurokrise ist der Export-Anteil eingebrochen, von 40 auf noch 10 Prozent. Dafür bleiben ihm Kunden, die ebenso Wert auf Nachhaltigkeit legen wie er – Traxler hat sein Unternehmen in den letzten Jahren zur «Carbon free Company» umgebaut, zum emissionsfreien Unternehmen. Ein wichtiges Standbein ist Einheitsbekleidung, Pullover für die Zürcher Stadtpolizei zum Beispiel. «Die öffentliche Hand legt Wert auf Nachhaltigkeit und Qualität.» Aus Bio-Baumwolle strickt die Traxler AG Pullover für «Coop Naturaline». Einen dritten Kunden hat Traxler eben übernommen: Das Basler Modelabel «Erfolg».

«Sie sind schon ewig unser Kunde», sagt Rolf Traxler. Kein Wunder, denn das Label setzt auf T-Shirts und Strickwaren aus Schweizer Herstellung. Vor drei Jahren expandierte es, neben dem Laden in Basel eröffnete es Filialen in Zürich und Bern. Zum falschen Zeitpunkt, sagt Traxler, während Eurokrise und Einkaufstourismus. Gleichzeitig war das Basler Stammhaus von einer Baustelle zugestellt. So wurde es eng für «Erfolg». Für Traxler aber kein Grund, etwas zu ändern. «<Erfolg> bleibt eine eigene Firma. Eine Änderung des Filialnetzes ist nicht vorgesehen», sagt er. Er glaubt an die Zukunft des Labels. «<Erfolg> hat eine unerhört treue Kundschaft.»

Ein Ostschweizer T-Shirt

Ein Resultat der Zusammenarbeit mit «Erfolg» ist auch das «Ostschweizer T-Shirt». Nur die Bio-Baumwolle stammt aus Indien. Beim Gestrick arbeitet die Traxler AG mit der zweiten Strickerei zusammen, die in der Schweiz verblieben ist, der Aldo Naegeli AG in Ermatingen. Gefärbt wird es bei Schellenberg in Fehraltorf, zugeschnitten bei der ISA in Amriswil, die Kompass Arbeitsintegration in Bischofszell näht es.

Rolf Traxler ist nun 63 Jahre alt. Er ist dabei, die Nachfolge zu regeln, die Verhandlungen seien im Gange. Eines ist aber klar: Traxler wird der künftige Chef in Bichelsee nicht heissen. «Es gibt eine externe Lösung», sagt Traxler.

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