Der letzte Biss in den sauren Apfel

Die einstige Traditionsfirma Thurella verabschiedet sich endgültig aus dem Mostbusiness. Die Mosterei Möhl AG übernimmt das Geschäft mit dem Apfelsaftkonzentrat in Egnach. Die Thurella AG als Holding bleibt bestehen.

Stefan Borkert
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Clemens Rüttimann setzt auf Biotta. (Bild: Reto Martin)

Clemens Rüttimann setzt auf Biotta. (Bild: Reto Martin)

EGNACH/TÄGERWILEN. Die Fallhöhe der Thurella war hoch. Standorte wie Eglisau, und Bischofszell wurden geschlossen. Einst erfolgreiche Marken wie Rittergold wurden beerdigt. Die zunächst von der Thurella gekaufte Tägerwiler Biotta AG war es schliesslich, die zur Rettung antreten musste. Harte Einschnitte, neues Management und eine komplette Neuausrichtung waren die Folge. Eine Neuausrichtung auf Bio-, Frische- und Gemüsesäfte. Und diese Strategie wird konsequent weiterverfolgt.

Vom Most zum Gemüse

So konsequent, dass Thurella nun gänzlich aus ihrem ehemaligen Kerngeschäft ausgestiegen ist. Der einstige Konkurrent, die Mosterei Möhl AG Arbon, übernimmt Produktion, Lager und Kunden der Obstsafthalbfabrikate, genauer die Thurella Mosterei in Egnach. Das war der letzte Biss in den sauren Apfel der Abwicklung des Mostgeschäfts der Thurella. Künftig existiert die Thurella AG noch als Namen und Holding mit den Töchtern Biotta AG, der deutschen Gemüsesaftherstellerin Gesa GmbH und der Traktor Getränke AG. Wobei Letztere 100 Prozent zur Biotta gehören und die Traktorgetränke bereits unter dem Dach der Biotta in Tägerwilen produziert werden.

Keine Entlassungen

Clemens Rüttimann, CEO von Thurella und Biotta betont, dass man nach einigen Bereinigungen die rein schweizerischen Geschäftsaktivitäten der Thurella mit den Obstsafthalbfabrikaten auf Anfang 2014 Möhl übergebe. Damit habe man eine gute Thurgauer und Ostschweizer Lösung gefunden. Es werde keine Entlassungen auf den zehn Stellen in Egnach geben. Die Leute würden bei Möhl oder Biotta weiterbeschäftigt. Und Möhl übernehme nicht nur das Geschäft, sondern auch die Kunden der Thurella, darunter die Migros als Hauptabnehmerin. Liegenschaft und Gebäude verbleiben im Besitz der Thurella AG. Diese würden von Möhl angemietet, bis in Stachen die Um- und Neubauten fertig seien. Die Ernte 2013 werde noch von Möhl und der Thurella zusammen abgenommen.

Die Biotta AG ist bereits in 35 Ländern aktiv. Mit der Trennung von der Mostproduktion könne man sich nun ganz auf den Ausbau der Biotta-Aktivitäten und die Positionierung auf dem Markt mit Bio- und Frischesäften konzentrieren.

Mosterei Möhl baut aus

Mit der Übernahme des Egnacher Mostgeschäftes stärkt das Familienunternehmen Möhl seine Position am Markt gegenüber der Ramseier AG, die bei diesem Deal nicht zum Zug gekommen ist. Ernst Möhl sagt, dass man ab 2014 dann mit der Ramseier Mosterei Oberaach auf Augenhöhe sei. Man habe sowieso schon Investitionen im Sinn gehabt. «Jetzt werden es eben etwas mehr.» Aber bei der Mosterei Möhl AG denke man langfristig und nachhaltig. Er habe die kommenden 30 Jahre im Blick. Kurzfristiges Gewinnstreben sei da fehl am Platz. Möhl sei gut aufgestellt. Die nächste Generation stehe schon bereit. Immerhin werde man insgesamt gut 7,5 Millionen Franken investieren. Unter anderem werden das Tanklager ausgebaut und eine weitere Apfelmühle eingerichtet. Damit habe Möhl dann die modernste Mostpresse in ganz Europa.

Zentrale Lage

Auch Ernst Möhl ist der Ansicht, dass die jetzt mit der Thurella gefundene Lösung eine gute und tragfähige sei. Gott sei Dank sei es diesmal anders als damals in Bischofszell gelaufen, sagt er. Und für die Lieferanten hat er ein Trostpflaster parat. Sicher sei es für den einen oder anderen schwierig, zum früheren Konkurrenten zu fahren, wirft Clemens Rüttimann ein. «Aber im Grunde liegen wir in Stachen zentraler, wenn man mal das Einzugsgebiet betrachtet», so Ernst Möhl.