Der kleinste Nenner reicht

Je weiter man sich vom Bodensee entfernt, desto mehr erscheint er als Ganzes. In der Region selbst sind die Grenzen noch immer ein Problem. Am Thurgauer Tourismusforum sind die Grenzen aber auch als Chance gesehen worden.

Stefan Borkert
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Tourismus-Talk mit (v. l.): Ruth Bader (Konzilstadt Konstanz), Jürgen Ammann (IBT), Apfelkönigin Stephanie König, Rolf Müller (Thurgau Tourismus) und Werner Fritschi (Thurbo). (Bild: Reto Martin)

Tourismus-Talk mit (v. l.): Ruth Bader (Konzilstadt Konstanz), Jürgen Ammann (IBT), Apfelkönigin Stephanie König, Rolf Müller (Thurgau Tourismus) und Werner Fritschi (Thurbo). (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. Es gibt noch Luft nach oben in der Zusammenarbeit der touristischen Organisationen der Länder rund um den Bodensee. Jürgen Ammann weiss, wovon er spricht. Er ist Geschäftsführer der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT). Zusammen mit weiteren Tourismusfachleuten thematisierte er die Grenzproblematik am Bodensee. Stephan Tobler, Präsident des Veranstalters Thurgau Tourismus, bestätigt: «Das Thema Grenze ist im Thurgau so alt wie aktuell.»

Grenze als Chance

Also waren Referenten geladen worden, die sich mit der Grenze aus touristischer Sicht befasst haben. Karsten Palme etwa von der Compass GmbH Köln, der Mut machte. Grenzen seien auch Chancen, Grenzen machten Unterschiede deutlich. Von einem grauen Einheitsbrei in einer Mehrländerregion hält er gar nichts. Vielmehr spricht er sich für einfache, klare Organisationsstrukturen aus. Gleichzeitig sollen Vielfalt und die Eigenheiten berücksichtigt werden. Für ihn reicht es, wenn man sich auf den kleinsten Nenner einigt. Und im Fokus sollte immer der Nutzen für den Gast stehen.

Wie schwer und teils auch langwierig eine solche Arbeit sein kann, davon kann Ann Müller von Basel Tourismus ein Lied singen. So dauerte es gut eineinhalb Jahre, bis man zusammen mit den französischen und deutschen Nachbarn überhaupt erst einen Namen für die Tourismusregion im Dreiländereck gefunden hatte. Schliesslich wurde «Upper Rhine Valley» gewählt. Eine Name, der nicht nur international, sondern auch noch in der Region selbst verankert werden muss. Gewählt wurde die englische Version, weil man gezielt Gäste unter anderem aus den USA, Kanada, China, Japan und Indien in die Region holen will.

Ob das ein grosser Wachstumsmarkt auch für den gesamten Bodenseeraum sein könnte, da war man doch eher skeptisch. Werner Fritschi, stellvertretender Geschäftsführer der Regionalbahn Thurbo AG, setzt eher auf die Gäste aus der Nähe. Auch Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus, will lieber die Saison in den Frühling und in den Herbst, vielleicht sogar Winter ausweiten. Regionale Projekte und Themen sind auch Schwerpunkt von Ruth Bader, die sich in Konstanz um das Konziljubiläum kümmert. Und die Thurgauer Apfelkönigin Stephanie König hat bei ihrem Messeauftritt in Stuttgart ein grosses Interesse an der Destination Thurgau festgestellt. Die Marke Bodensee und die darin enthaltene Vielfalt will IBT-Chef Jürgen Ammann weiter entwickeln. Es seien Schritte gemacht worden, auch für einen gemeinsamen Auftritt der Vierländerregion. Aber manchmal mangelt es an der richtigen Kommunikation. So verwies zum Beispiel Werner Fritschi auf das grenzübergreifende Angebot der Tageskarte, das aber noch viel zu wenig bekannt sei.

Internet wird immer wichtiger

Alexander Fritsch von der I-con Unternehmensberatung Bregenz zeigte auf, dass Gäste für die Buchung ihres Feriendomizils immer mehr auf das Internet und Buchungsportale setzen. Auch die Bewertungen seien ein wichtiger Entscheidungsfaktor. Hotels mit einer aktuellen Website, über die man auch günstig buchen könne, seien im Vorteil.