Der kleine Bio-Riese

Heute legt der Lebensmittelkonzern Hügli mit Hauptsitz in Steinach seine Geschäftszahlen vor. Ein Wachstumstreiber ist das Geschäft mit biologischen Artikeln – ertragsstark, aber organisatorisch anspruchsvoll.

Maurice Labhart
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Anlieferung von Bio-Rohstoffen am Produktionsstandort Steinach. Mehrmals pro Woche stellt Hügli Produktserien mit rein biologischen Inhaltsstoffen her. (Bild: Hügli)

Anlieferung von Bio-Rohstoffen am Produktionsstandort Steinach. Mehrmals pro Woche stellt Hügli Produktserien mit rein biologischen Inhaltsstoffen her. (Bild: Hügli)

STEINACH. Bereits seit Mitte der 90er-Jahre setzt der Nahrungsmittelhersteller Hügli auf Bioprodukte. Lebensmittel mit rein biologischen Inhaltsstoffen sind beim Steinacher Unternehmen ein strategischer Pfeiler. «Bio ist bei uns kein Nebenaspekt», sagt Finanzchef Andreas Seibold. Mittlerweile ist denn auch ein Grossteil des Sortiments der börsenkotierten Firma zusätzlich in einer Bio-Ausführung erhältlich.

In der Division Consumer Brands, in welcher Hügli-eigene Marken wie Natur Compagnie, Erntesegen oder Cenovis an den Fachhandel verkauft werden, schätzt Seibold den Anteil biologischer Produkte auf «deutlich über 50 Prozent». Von den rund tausend Rezepturen, die am Standort Steinach verarbeitet werden, besteht ungefähr ein Viertel ausschliesslich aus Biostoffen. Die Fokussierung auf Bioprodukte schlägt sich laut Seibold in den Finanzzahlen positiv nieder.

Bio als Wachstumstreiber

Zwar zeigt das Unternehmen keine gesonderten Zahlen für Bioartikel, doch wiesen diese überdurchschnittliche Wachstumsraten auf und steuerten einen immer grösseren Anteil zum Umsatz bei. Seibold schätzt die Position von Hügli im Markt für biologische Trockenmischprodukte nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa als führend ein.

Der Erfolg im Geschäft mit Bioprodukten ist aber auch mit grossem Aufwand verbunden. Da in Steinach in denselben Räumlichkeiten Bio- und konventionelle Produkte hergestellt werden, müssen die Anlagen zeitweise mehrmals pro Woche vollumfänglich gereinigt werden. «Nur so kann garantiert werden, dass bei Bioproduktionen keine konventionellen Rohstoffe mit verarbeitet werden», sagt die Leiterin der Qualitätssicherung, Karin Reich. Neben den standardmässigen Hygienevorschriften ist die Beschaffung der biologischen Rohstoffe eine besondere Herausforderung.

Spezielle interne Prozesse

Hügli bezieht die Biostoffe fast ausschliesslich von Lieferanten aus der Schweiz und aus Deutschland. Reich bezeichnet ein ausgeklügeltes Lieferantenmanagement als absolut zentral in der Biobranche. «Die Rückverfolgbarkeit der gelieferten Güter ist das A und O», sagt die Qualitätsverantwortliche. Eine Biozertifizierung der Zulieferer ist die Grundvoraussetzung für eine Zusammenarbeit mit Hügli im Biosegment.

Zudem wird aber auch jede Lieferung kontrolliert. Die einzelnen Verpackungsmaterialien müssen mit der Nummer der Bio-Zertifizierungsstelle versehen sein, andernfalls kann der Inhalt nicht in der Bioproduktion verwendet werden. Hügli hat intern Prozesse etabliert, um garantieren zu können, dass keine Vermischung von Bio- mit konventionellen Zutaten stattfinden kann. So hat der jeweilige Mitarbeiter bei der Warenannahme unter anderem die Lieferungen sowie den Lieferschein zu prüfen und die Prüfungshandlungen auf einer Bio-Checkliste zu vermerken. Anschliessend werden die Stoffe im Labor geprüft, wobei dieser Schritt sowohl bei Bio- als auch bei konventionellen Lieferungen vorgenommen wird.

Jährliche externe Prüfung

Die Bioverpackungen sind im gesamten Prozess mit einem entsprechenden Zettel gekennzeichnet, der bis zur Verwertung der Materialien an der Verpackung angeheftet bleibt. «Wir erfüllen im Biobereich alles, was nötig ist», versichert Reich. Selbstverständlich seien nicht nur die Lieferanten, sondern auch der ganze Standort Bio-zertifiziert.

Einmal pro Jahr erhält Hügli zwei Tage lang Besuch von Experten der Bio-Zertifizierungsstelle, die alle Abläufe und Gegebenheiten am Standort akribisch untersuchen. Neue Bioprodukte bedürfen ebenfalls einer Zertifizierung. Dabei müssen jeweils die Rezeptur sowie die gesamte mit dem Produkt zusammenhängende Lieferkette der Prüfstelle offengelegt werden.

Ob Hügli derzeit neue Bioprodukte in der Pipeline hat, verrät Reich nicht. Gegenüber grösseren Konzernen sieht sie Hügli aber insofern im Vorteil, als dass «auch kleinere Mengen Bioartikel in verhältnismässig kurzer Zeit gemäss Kundenwunsch produziert werden können».

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