Per Videoanruf im Laden: «Der Händler kann den Kunden auch überraschen»

Wie können sich kleine Detailhändler Online gegen die grossen durchsetzen? Die Appenzeller Efach AG hat eine Idee.

Kaspar Enz
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Mit dem Tool  der Efach  AG können Käseläden wie Buchhändler ihre Kunden auch über Videoanruf beraten. (Bild: PD)

Mit dem Tool  der Efach  AG können Käseläden wie Buchhändler ihre Kunden auch über Videoanruf beraten. (Bild: PD)

Der Einkauf im Netz könnte dem analogen Einkauf beim Detaillisten noch näher kommen, findet Stefan Manser. Bei seinem Beratungsunternehmen Efach AG geistert die Idee schon bald zwei Jahre umher. Dank Corona hat er sie umgesetzt. Im Appenzeller Chäslade seiner Frau ist der Einkauf per Video seit kurzem möglich. Nun will er 50 Lizenzen für die Technologie für sechs Monate an kleine Läden verschenken.

Das Coronavirus gab den Anlass, um das Tool fertigzustellen. Doch woher kam die Idee ursprünglich?

Stefan Manser: Damals wollten wir Detailhändlern, für die Beratung sehr wichtig ist, eine einfache Lösung zur Verfügung stellen, mit der sie auch online wahrgenommen werden. Dazu wollten wir eine einfache Videofunktion nutzen.

Stefan Manser, Unternehmer, Efach AG.

Stefan Manser, Unternehmer, Efach AG.

Bild: PD

Im Internet muss doch alles schnell und günstig sein.

Wenn es um austauschbare Standardprodukte geht, ist das so. Aber ein kleiner Detailhändler kann sich durch Beratung und ausgesuchte Dienstleistungen relativ gut abheben: Er kann zum Beispiel Kombinationen von Lebensmitteln empfehlen, die den Kunden auch mal überraschen, ihm Dinge zeigen, die er nicht erwartet hat. Und für den Händler ist unser Tool durchaus günstig, denn wir sind unabhängig von den grossen Konzernen. Im Chäslade nutzen wir eine Brille von Epson, aber man kann es auch einfacher mit einem Smartphone umsetzen.

Ein Onlineshop ist für den kleinen Händler eine logistische Herausforderung.

Das Tool kann man auch ohne Onlineshop nutzen. So kann der Kunde sich unterwegs beraten lassen und das Gewünschte beim Vorbeigehen abholen. Das hat für beide Seiten Vorteile: Im Chäslade entstehen zum Beispiel oft Schlangen, wenn es um frische Fonduemischungen oder Raclette geht. Es muss darum gehen, die Vorteile von analoger und digitaler Welt zu kombinieren. Ich sage dem «Digitale Vernunft».

Nach der Coronakrise kommt die Rückkehr zum Analogen?

Die jetzige Situation macht nicht nur die Vor-, sondern auch die Nachteile der Digitalisierung sichtbarer. Aber ich glaube, der Trend zur digitalen Vernunft zeichnet sich schon länger ab. Die Abhängigkeit von der digitalen Technik ist schon sehr gross. Diese digitale Abhängigkeit wird vor allem auch innerhalb der Unternehmen durch die steigende Komplexität sichtbar.

Haben Sie schon Bestellungen für Ihr Tool?

Ja, erste Interessenten meldeten sich schon bald, nachdem unser Beispiel im Chäslade bekannt wurde. Nun habe ich bereits einige Interessenten für die 50 Lizenzen.

Aus welchen Branchen kommen die Interessenten denn?

Verschiedene. Es sind bis jetzt Bücherläden, Modegeschäfte. Eine Anfrage habe ich sogar bereits aus den USA.