«Der Glaube ist entscheidend»

Die europäische Wirtschaft schleppt sich dahin, doch Börsen haussieren. Erklärungen von Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank.

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Caroline Hilb Paraskevopoulos Leiterin Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank (Bild: pd)

Caroline Hilb Paraskevopoulos Leiterin Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank (Bild: pd)

Die europäische Wirtschaft schleppt sich dahin, doch Börsen haussieren. Erklärungen von Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank.

Diese Woche hat der Swiss Market Index (SMI) erstmals seit Oktober 2007 die Marke von 9000 Punkten genommen. Auch die Wall Street haussiert. Wie kommt's?

Dahinter stehen drei Treiber: erstens der Optimismus bezüglich der US-amerikanischen Wirtschaft; zweitens die guten Gewinnausweise der Unternehmen, die Hoffnung auf mehr machen; drittens liegen die Zentralbanken im Fahrplan.

Wie passen die Höhenflüge an den Börsen mit der fragilen Entwicklung der Wirtschaft in weiten Teilen der Eurozone zusammen?

Im Oktober haben die Börsen auf die schlechten Nachrichten aus der Eurozone reagiert und nach unten korrigiert. Auch ist der Deutsche Aktienindex vergleichsweise weniger hoch als der SMI. Der Schweizer Markt wird derzeit getrieben von der US-Wirtschaft, und der erstarkte Dollar hilft den Schweizer Exporteuren.

Inwieweit wird die Börsenentwicklung gestützt von der Flut billigen Geldes der Zentralbanken?

Das ist ein wichtiger Treiber. Und die Geldpolitik wird noch eine ganze Weile sehr expansiv bleiben. Entscheidend ist, dass die Marktteilnehmer glauben, dass die Geldpolitik der Realwirtschaft hilft.

Tut sie das?

Ja. Die Zentralbanken haben einen wichtigen Beitrag geleistet, dass die Industrieländer mit einem blauen Auge aus der Finanzkrise gekommen sind.

Ökonomen wie Janus-Fondsmanager Bill Gross argumentieren, um die Wirtschaft anzukurbeln, brauche es, ungeachtet der Schuldenberge, auch höhere Staatsausgaben.

Das meine ich auch. Die Geldpolitik ist kein Allheilmittel. Staatsausgaben sind ein wichtiger Stimulus und können eine positive Spirale in Gang setzen.

Oft ist die Rede von Deflationsgefahr. Zu Recht?

Die Inflation ist sehr tief, und es besteht die Gefahr negativer Inflationsraten. Aber Deflationsgefahr sehe ich nicht. Zudem ist die Schweizerische Nationalbank sehr aktiv und wachsam.

Was raten Sie Anlegern?

Zu Aktien gibt es momentan keine attraktive Alternative. Wer Aktien hat, soll sie behalten. Wer Bargeld hat und starke Nerven, kann Aktien kaufen, bevorzugt von Unternehmen mit sehr guter Dividendenrendite. (T. G.)

SG - Thema Businesslunch Besteck Gabel Serviette gedeckter Tisch bei Nett Restaurant Schützengarten (Bild: Ralph Ribi)

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