Der Franken lässt Industrie und Handel aufatmen

Daniel Zulauf
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Wechselkurs Schweizer Exporteure, Hoteliers und nicht zuletzt die Detailhändler in den Grenzregionen können aufatmen. Die im Mai, unmittelbar nach den französischen Präsidentschaftswahlen zunächst nur zaghaft in Gang gekommene Aufwertung des Euro kommt in Fahrt. Gestern hat die Gemeinschaftswährung die wichtige Marke von 1.20 Dollar überschritten und gezeigt, dass sie derzeit international eine der begehrtesten Währungen ist. Auch der Franken profitiert von der Eurostärke: Am Freitag kostete ein Euro zeitweise mehr als 1.162 Franken. Die Differenz zum einstigen Euromindestkurs von 1.20 Franken, den die Nationalbank 2015 unter dem Druck der Märkte aufgegeben hatte, wird fast täglich kleiner.

Die Entwicklung an der Wechselkursfront ist ein Segen für die Schweizer Wirtschaft, und sie kommt keinen Moment zu früh. Die Industrie hat seit der Aufhebung des Euromindestkurses gegen 20000 Arbeitsplätze verloren. Das ist ein harter Schlag für diesen wichtigen Sektor, der mit seiner sprichwörtlichen Exportstärke viel zum Wohlstand im Land beiträgt.

Landauf landab atmen die Blaukrägen in den Werkstätten und Produktionshallen auf. Jeder Rappen, den der Franken zum Euro verliert, macht den hiesigen Werkplatz im internationalen Geschäft wettbewerbsstärker. Auch im Detailhandel herrscht Erleichterung. Hunderttausende haben in den letzten Jahren gelernt, dass sich in Zeiten des harten Frankens mit Einkaufen jenseits der Grenze Geld sparen lässt. 15 Milliarden Franken jährlich sind so dem Schweizer Handel verloren gegangen. Auch hier, oftmals auf Kosten von Arbeitsplätzen.

Man fragt sich, ob die Aufwertung des Euro weitergehen kann. Daniel Trum, Devisenspezialist der UBS, hat seine Zweifel: «Zurzeit erleben wir ein Überschiessen des Euro-Franken-Kurses. Es gibt eine Kombination aus positiver Stimmung am Markt und einem Überangebot an Franken, das die Nationalbank durch ihre Devisenmarktinterventionen verursacht hat», sagt der Analyst. «Auf längere Sicht dürfte die Euroaufwertung wieder ­abflachen, weil die Europäische Zentralbank keine allzu starke Aufwertung der eigenen Währung insbesondere zum Dollar zulassen möchte», glaubt er. Immerhin sieht er den Eurokurs auch in zwölf Monaten noch bei 1.16 Franken.

Daniel Zulauf