Der Euro sägt an den Gewinnen

Waldbesitzer und Sägewerke spüren die Schliessung des grössten Schweizer Sägewerks in Domat/Ems kaum oder gar nicht. Der schwache Euro und die rückläufige Ernte beim Nadelrundholz, trotz gutem Preis, macht mehr zu schaffen.

Stefan Borkert
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Balterswil. Die grösste Sägerei der Schweiz ist verkauft. In Domat/Ems wird kein Baum mehr durch die Sägen getrieben. Die Sägewerke, Waldbesitzer und Holzverarbeiter in der Ostschweiz reagieren gelassen. «Das betrifft uns nicht,» heisst es meist lapidar. August Brühwiler, Chef der gleichnamigen grössten Thurgauer Sägerei in Balterswil, sagt, dass der schwache Euro der Grosssägerei den Rest gegeben habe. Wobei die Sägerei von vorneherein eben auch zu gross konzipiert gewesen sei. Auswirkungen auf den Ostschweizer oder Thurgauer Holzmarkt sieht auch er kaum. Brühwiler ist Mitglied der Ostschweizer Sektion des Verbandes Holzindustrie Schweiz.

Import ist auch ein Problem

Er betont, dass derzeit immer nur vom Export geredet werde. Die Holzindustrie habe aber auch Probleme beim Import. Weiter würden Sägereien, die in der EU in strukturschwachen Gebieten stünden oder gebaut werden, stark subventioniert, bis zu 48 Prozent. Da könnten die Schweizer bei der Massenproduktion einfach nicht mithalten. Zumal Holzindustrie Schweiz Subventionen, wie sie auch im Fall Donat/Ems gewährt wurden, klar ablehnt. Brühwiler setzt auf höchste Qualität und Flexibilität. «Wir können auch noch Kleinaufträge und Spezielles annehmen.» Das und Nischenprodukte seien für Grosssägereien nicht möglich. Für die Bündner Kollegen hält er Trost bereit: «Bündner Holz wird seinen Weg schon finden.»

Die Auswirkungen der Schliessung selber beziehungsweise des Nachfragerückgangs werden für die Waldbesitzer kaum zu spüren sein. Diese Auskunft gibt Hansruedi Streiff, Direktor von Holzindustrie Schweiz, der Dachorganisation der Schweizer Säger und verwandter Betriebe. Trotz guten Preisen sei nämlich die Ernte von Nadel-Rundholz in den letzten drei Jahren gesunken, von 3,3 Millionen Kubikmeter in den Jahren 2006 und 2007 auf nur noch 2,6 bis 2,7 Mio. m³ in den letzten beiden Jahren.

Scharfe Rückgänge

«Gerade in der Ostschweiz beklagen wir 2010 sehr scharfe Rückgänge.» In den Kantonen Thurgau und Zürich würden diese 30 Prozent betragen. Aber auch im Kanton St. Gallen stelle man eine Abschwächung von minus acht Prozent fest und das jeweils trotz einem guten Preisniveau. «Da muss noch Ursachenforschung betrieben werden», so Streiff.

«In der Summe kann man sagen, dass die Ostschweiz ihr Holz problemlos lokal absetzen kann, währenddem aus Graubünden etwas mehr exportiert werden muss.» Das Sägewerk in Domat/Ems habe zur Preisstützung beigetragen, solange es gelaufen sei. «Aber die Preise wurden vom Werk bekanntlich nicht verkraftet.» Falls die Fortführung mit den gewünschten Zehnjahreslieferverträgen geklappt hätte, wäre von Domat/Ems sogar ein Preissenkungssignal ausgegangen. Durch den Ernterückgang sei Nadelholz sehr knapp geworden. Doch die Preise seien trotz Stillstand in Domat/Ems in den letzten Monaten hoch geblieben. Das Niveau müsse korrigiert werden, «weil wir durch die Frankenstärke die hohen Rundholzpreise auf dem Markt nicht mehr umsetzen können», sagt Streiff. Die Importe würden massiv erleichtert und die ausländische Konkurrenz gewinne Marktanteile ohne Mehrleistung, quasi im Schlaf. Der Importdruck erschwere oder verunmögliche Preiserhöhungen beim Schnittholz. «Unsere Exporte, die zum Teil aus Qualitätsgründen nötig sind, müssen immer billiger abgesetzt werden.» Es gebe wenig Entlastungsmöglichkeiten durch Einkäufe von Rundholz im Euro-Raum.

Angespannte Margensituation

Dieser Punkt unterscheide die Holzindustrie von anderen Industrien, die sich dort Luft verschaffen können, sagt Streiff. So sei die Margensituation für alle Sägewerke, mit und ohne Exportanteil, sehr angespannt. «Mit der Euro-Herausforderung haben wir in dieser Schärfe nicht gerechnet.» Die Branche habe in den letzten Jahren ihre Wettbewerbsfähigkeit bewiesen. Nun sei die Wettbewerbsfähigkeit via Frankenaufwertung innert weniger Monate um viele Prozente verschlechtert worden. «Trotzdem halten wir an unserer liberalen Position fest, dass der Staat nicht in den Holzmarkt eingreifen soll.»

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