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Der erfolgreiche Zuckerbäcker

Der Sohn eines Thurgauers aus Romanshorn am Bodensee hat die finnische Identität mitgeprägt: Karl Fazer ist in Skandinavien seit 120 Jahren ein Markenzeichen für Süsswaren aller Art. Heute arbeiten bei Fazer 16 573 Personen.
Urs Oskar Keller
Wo alles begann: Seit 1891 an der Kluuvistrasse 3 in Helsinki: die Konditorei Fazer. (Bild: Urs Oskar Keller)

Wo alles begann: Seit 1891 an der Kluuvistrasse 3 in Helsinki: die Konditorei Fazer. (Bild: Urs Oskar Keller)

Helsinki. Der 17. September 1891 war für den 25-jährigen Konditor Karl Fazer mit Thurgauer Wurzeln der wichtigste Tag seines Lebens. Seine Ausbildung in St. Petersburg, Paris und Berlin hatte er abgeschlossen. Mit dem Kapital seines fachlichen Könnens eröffnete er vor 120 Jahren sein eigenes Unternehmen, eine französisch-russische Konditorei im Zentrum der finnischen Hauptstadt Helsinki. Das war der Start zum heutigen Süsswaren-Imperium des Zuckerbäckers.

Karl Fazers Vater, Peter Eduard Fatzer, Kürschnergeselle aus Romanshorn, verliess 1843 das damals 1350 Einwohner zählende Bodenseedorf, um im Ausland sein Glück zu suchen. Im deutschen Ostseehafen Travemünde bestieg er 1844 die Fähre nach Helsinki, wo ihm eine Arbeit bei Schneidermeister Ernst Henrik Flohr angeboten war.

Von Fatzer zu Fazer

Bereits fünf Jahre später erhielt er das finnische Bürgerrecht, änderte seinen Familiennamen von Fatzer in Fazer und gründete 1856 an der Kluuvistrasse im Herzen Helsinkis, dort wo sich heute noch das bekannte Café-Restaurant befindet, ein eigenes Unternehmen. Zusammen mit seiner aus St. Gallen stammenden Frau Anna Dorothea Hanhart hatte er acht Kinder. Der jüngste Sohn, Karl Otto, kam am 16. August 1866 in Helsinki zur Welt.

Am Schneiderberuf seines Vaters zeigte Karl Otto wenig Interesse. Autodidaktisch eignete er sich das Handwerk des Zuckerbäckers an. Da es damals in Finnland keine solchen Lehrstellen gab, verbrachte er seine Gesellenzeit unter anderem beim Schweizer Schokoladenfabrikanten Conradi sowie bei den Süsswarenherstellern Berrin und George Bormann in St. Petersburg und vervollständigte die Ausbildung in Berlin und Paris. Das berühmte Schokoladenland Schweiz war ironischerweise nicht auf seiner Agenda. Der finnische Süsswarenmarkt war damals von den Russen beherrscht. Im Herbst 1891 eröffnete Karl Fazer sein eigenes Geschäft, eine Konditorei in Helsinki. Neben der Konditorei befand sich hinter einem Samtvorhang das Fazer Café, das schon bald zu einem beliebten Treffpunkt wurde. Die wohlhabenden Damen machten es sich zur Gewohnheit, auf ihrem Einkaufsbummel hier einen Kaffeehalt einzuschalten. Kommerzienrat Karl Fazer, seit 1894 mit Berta Louisa Blomqvist verheiratet und Vater von vier Kindern, starb 1932 auf der Jagd im südfinnischen Jokioinen an einem Herzinfarkt. Er war 66 Jahre alt geworden.

Aus Karl Fazers kleinem Unternehmen ist in 120 Jahren eine Unternehmensgruppe mit 16 573 Beschäftigten in acht Ländern und einem Jahresumsatz (2010) von 1,513 Milliarden Euro geworden. Der Gewinn liegt bei 58,5 Millionen Euro. Bereits 1894 hatte Fazer mit der Fertigung von Schokoladetafeln und Konfekt begonnen, wofür die Konditorei bald zu klein war. Es wurde ein Gebäude erworben, in dem alsbald die industrielle Süsswarenproduktion in Finnland ihren Anfang nahm. Fazer ist ein finnisches Unternehmen, dessen Name in ganz Skandinavien, aber auch in den baltischen Ländern, Polen sowie Russland eine bekannte Marke für Tafelschokolade, Schokoriegel, Pralinen, Brot und andere Nahrungsmittel ist. Vor allem die seit 1922 gefertigte klassische Schokolade «Fazerin Sininen» (Fazers Blaue) ist in Finnland seit Jahrzehnten beliebt. «Sie gehört einfach zur finnischen Identität so wie die Salmiakpastillen <Salmiakki>», sagt Heini Auvinen aus Helsinki. Fazers erstes Süsswarenprodukt, eine Mischung von gefüllten Bonbons mit vier verschiedenen Geschmacksrichtungen, erhielt den Namen «Keisarin Sekoitus» (Kaiser-Mischung).

Fazer-Museum

Im Fazer-Museum befindet sich eine umfangreiche Sammlung von Schachteln und Hüllen der alten Fazer-Produkte. Bei der Zusammenstellung dieser Sammlung erhielt Fazer Hilfe und Unterstützung von privaten Sammlern. Einen gewichtigen Teil stellen die zahlreichen Auszeichnungen für das Unternehmen dar, unter anderem die Goldmedaille der Pariser Weltausstellung von 1905. Die Fazer-Gruppe ist bis heute ein Familienunternehmen geblieben.

Familienbetrieb: Zuckerfiguren von Peter Fazers Tochter Majlen. (Bild: Urs Oskar Keller)

Familienbetrieb: Zuckerfiguren von Peter Fazers Tochter Majlen. (Bild: Urs Oskar Keller)

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