Der Energie auf der Spur

Von Kühlgeräten, Staubsaugern bis zu Kaffeemaschinen: Die Energieetikette gibt Auskunft über den Stromverbrauch. Doch das System ist umstritten. Nun soll es reformiert werden.

Maurizio Minetti
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Perfekt gekühlt: Es bleibt die Frage, wie viel Energie der Kühlschrank verbraucht, um das gewünschte Resultat zu erzielen. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Perfekt gekühlt: Es bleibt die Frage, wie viel Energie der Kühlschrank verbraucht, um das gewünschte Resultat zu erzielen. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Samstagmorgen im Elektronikshop: Kurz vor dem Badibesuch noch schnell eine Kaffeemaschine kaufen, denn die alte hat noch vor dem Frühstück den Geist aufgegeben. Stromsparend sollte sie sein, doch muss es unbedingt die dunkelgrüne Kategorie A sein? Oder reicht auch die Kategorie B? Der Student mit tiefem Budget schaut sich vielleicht gar nach einer Maschine um, deren Energieeffizienz in den roten Bereich zeigt – dafür kostet sie nur halb so viel.

Bussen tun nicht weh

Auf den meisten Elektrogeräten prangt eine Energieetikette. Sie gibt Auskunft darüber, wie viel Strom das jeweilige Gerät verbraucht. Die Idee der Energieetikette stammt aus der EU, die Schweiz hat sie 2002 übernommen und laufend adaptiert. In den letzten Jahren wurde aber immer wieder Kritik am Etikettensystem laut. Nicht selten kommt es vor, dass Hersteller B- oder C-Geräte nicht korrekt deklarieren. Die Kontrollen und die Konsequenzen seien zu lasch, tönt es von Seiten der Konsumentenschützer.

Tatsache ist, dass dem Importeur oder dem Hersteller eines Geräts eine Busse von bis zu 40 000 Fr. droht, wenn nachgewiesen werden kann, dass er Konsumenten absichtlich und wiederholt getäuscht hat. In der Praxis werden aber nur Bussen in der Grössenordnung von rund 2000 Fr. ausgesprochen. Konzerne wie Siemens, Philips oder Miele zahlen solche Beträge aus der Portokasse.

Das Bundesamt für Energie (BFE) ist für die Kontrolle der Angaben auf der Etikette verantwortlich. Der jüngste Jahresbericht dazu zeigt unter anderem, dass bei mehr als der Hälfte aller geprüften Haushalt-Grossgeräte (Waschmaschinen, Tumbler usw.) die Angaben nicht korrekt waren. Der Anteil der mangelhaften Angaben steigt zum zweitenmal in Folge.

Kontrolle per Stichprobe

Mihaela Grigorie, Fachspezialistin Geräte beim BFE, hat eine Erklärung dafür, dass der Anteil der mangelhaften Geräte in den letzten Jahren gestiegen ist. «Wir kontrollieren nicht flächendeckend, sondern stichprobenartig dort, wo Fehler vermutet werden», sagt sie. So hatte man im Jahr 2015 etwa besonders Weinkühlschränke im Fokus: Gewisse Hersteller müssen hierzulande Effizienzvorschriften einhalten, in der EU aber nicht.

Während Hersteller in Deutschland bei Weinkühlschränken deklarieren können, dass sie gewerblich genutzt werden, und damit keine Vorgaben erfüllen müssen, geht das in der Schweiz nicht. «Es ist oft so, dass wir in der Schweiz strengere Vorschriften haben als sonst in Europa», sagt Mihaela Grigorie.

Konsequenz: Mehr Kontrollen

Während also europaweit tätige Hersteller immer wieder mit schärferen Schweizer Vorschriften zu kämpfen haben, wird in der Schweiz die hohe Zahl der mangelhaften Deklarationen kritisiert. In diesem Dilemma hat sich das BFE für mehr Kontrollen entschieden. «Wir werden künftig etwa Werbeprospekte sowie Onlineshops verstärkt unter die Lupe nehmen», sagt Grigorie. Das sei auch nötig, weil immer mehr Geräte unter die Etikettenpflicht fallen. Neu sind zum Beispiel auch Boiler oder Lüftungsgeräte hinzugekommen.

Laut dem Eidg. Starkstrominspektorat (Esti), das im Auftrag des BFE die Kontrollen durchführt, werden dieses Jahr wohl mehr als 600 Geräte stichprobenartig erfasst und deren Etiketten kontrolliert. Davon werden bei 160 die technischen Unterlagen geprüft, und aus diesen dürften heuer wohl an die hundert Geräte in einem externen Labor geprüft werden. Tatsächlich im Labor getestet werden jeweils nur wenige Dutzend Geräte. Letztes Jahr waren es 57, ein Jahr zuvor aber nur 26.

«Endlich Klarheit schaffen»

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, begrüsst die Bemühungen um mehr Kontrolle. Für Konsumenten sei es aber nach wie vor verwirrend, wenn für Waschmaschinen, Kühlgeräte oder Geschirrspüler die Klassierungen A+++ bis D existieren, für Dunstabzugshauben, Fernseher und Kaffeemaschinen jedoch die Unterscheidung von A bis G gemacht wird.

«Hier muss endlich Klarheit geschaffen werden», fordert Stalder. Eine Vereinfachung der Abstufungen, wie sie etwa die Betreiber der Website Topten.ch fordern (siehe Text unten), sei sinnvoll.