«Der Einkaufstourismus blüht»

Die Messe Friedrichshafen brummt. Motorradwelt, Pferd und Fruchtwelt schafften 2016 bereits Höchstmarken. Geschäftsführer Klaus Wellmann führt aber Veranstaltungen nicht um jeden Preis durch.

Stefan Borkert
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Klaus Wellmann Geschäftsführer der Messe Friedrichshafen (Bild: pd)

Klaus Wellmann Geschäftsführer der Messe Friedrichshafen (Bild: pd)

Herr Wellmann, Sie sind im internationalen Geschäft tätig. Wird der Brexit Auswirkungen auf die Messe Friedrichshafen haben?

Klaus Wellmann: Wir bedauern diesen Austritt natürlich sehr, können aber über die weiteren Auswirkungen dieses Beschlusses noch nichts sagen.

Und noch eine Frage mit ähnlicher Stossrichtung. Machen Sie sich Sorgen wegen der Probleme, die der Flughafen Friedrichshafen hat, oder ist er für die Messe nicht so wichtig?

Wellmann: Der Flughafen Friedrichshafen ist für uns sehr wichtig. Mit Hochdruck sucht das Flughafen-Management nach einem Ersatz für die Tagesrandverbindungen innerhalb von Deutschland. Die Angebote mit der Lufthansa nach Frankfurt und mit Turkish Airlines von Friedrichshafen nach Istanbul sind für die Messe Friedrichshafen ebenfalls wichtige funktionierende Verbindungen. Auch das internationale Drehkreuz Zürich ist für uns nach wie vor bedeutend. Hier richten wir bei unseren grossen internationalen Messen einen direkten Bus-Shuttle zum Messegelände ein.

Verschiedene Messen boomen und legen Rekorde um Rekorde hin. Steigen auch die Aussteller- und Besucherzahlen aus der Schweiz beziehungsweise Ostschweiz an?

Wellmann: Die Ausstellerzahlen aus der Schweiz und speziell aus der Ostschweiz liegen seit Jahren auf einem hohen Niveau und entwickeln sich erfreulich stabil. Die Besucherzahlen sind vor allem bei unseren Special-Interest-Messen gleichbleibend hoch und je nach Thema sogar steigend.

Der Umsatz der Messe bewegt sich seit ein paar Jahren um die 34 Millionen Euro. Haben Sie eine Strategie, um die 40-Millionen-Marke knacken zu können oder stehen dem Ziel die hohen Mietzahlungen von 11 Millionen Euro im Weg?

Wellmann: Wir haben in den vergangenen zwei Jahren einen Umsatz von über 34 Millionen Euro erzielt. Bei der Messe Friedrichshafen geht es als Unternehmen natürlich auch, aber selbstverständlich nicht ausschliesslich nur um Umsatz. Wir arbeiten betriebswirtschaftlich sehr erfolgreich, daher führen wir eigene Veranstaltungen nicht um jeden Preis durch. Dies gilt auch für die Akquisition von Gastveranstaltungen.

Der harte Franken ist gerade in der Grenzregion Ostschweiz seit der Aufhebung des Mindestkurses ein Dauerthema. Spüren Sie das bei Anfragen oder Absagen von Schweizer Ausstellern?

Wellmann: Im Austausch mit Ausstellern aus der Schweiz ist das Devisenthema für die Kunden wichtig, die sehr stark exportorientiert sind. Dies hat aber glücklicherweise bisher noch nicht zu Absagen geführt.

Der Wechselkurs ist auch wichtig seitens der Schweizer Kunden. Blüht an den Messen der Einkaufstourismus aus der Schweiz auf?

Wellmann: Der Einkaufstourismus blüht selbstverständlich, vor allem stellen wir gerade bei unseren Special-Interest-Messen eine erhöhte Ausgabenbereitschaft fest.

Im ersten Semester 2016 ist die Messe Friedrichshafen ja sehr gut unterwegs. Teils haben Messen neue Rekordwerte erzielt. Wo sollte dennoch an der Strategie geschraubt werden?

Wellmann: Wir optimieren unsere Strategie stets bei jedem Thema und das regelmässig. In den jeweiligen Branchen wollen wir immer up to date oder auch ein Stück voraus sein.

Ein Blick in die Zukunft: Welche neuen Messen darf man in den nächsten Jahren in Friedrichshafen erwarten, die auch auf Schweizer Seite interessant sind?

Wellmann: Nun, mit der Dreherfachmesse Turning Days findet im kommenden Jahr 2017 eine weitere Industriefachmesse neu in Friedrichshafen statt.