Künstliche Intelligenz: Der digitale Buchhalter steht am Start

Das St.Galler Softwareunternehmen Abacus hat zusammen mit der Cornèr Bank und Arcanite die automatisierte Buchhaltung vorgestellt.

Stefan Borkert
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Der Hauptsitz der Abacus Research AG in Wittenbach.

Der Hauptsitz der Abacus Research AG in Wittenbach.

Benjamin Manser

Lange wird es nicht mehr dauern und die Buchhaltung sieht ganz anders aus. Davon zeigt sich Claudio Hintermann, Chef der Wittenbacher Softwareentwicklerin Abacus, überzeugt. Eben hat er in Zürich zusammen mit den Partnern Cornèrcard und Arcanite eine neue Buchhaltungssoftware vorgestellt, die seiner Meinung nach die Buchhaltungsprozesse revolutioniert. «Wer auf diesen Zug nicht aufspringt, wird abgehängt», äussert sich Produktmanager Raffaelle Griffo von Abacus überzeugt.

Partner, vor allem eine Bank zu finden, sei schwierig gewesen, sagt Hintermann. Alle grossen Banken hätten abgewinkt. Schliesslich ist er im Tessin bei der Cornèr Bank fündig geworden. Maurizio Bolghiani, Chef der dortigen Geschäftsentwicklung, sagt: «Wir hatten sofort ein offenes Ohr.» Schliesslich verfüge die Bank bereits über zehn Jahre Erfahrung in Sachen Digitalisierung des Zahlungsverkehrs.

500 Jahre alte Buchführung wird revolutioniert

Abacus-Chef Claudio Hintermann.

Abacus-Chef Claudio Hintermann.

Hanspeter Schiess

Hintermann äussert sich überzeugt, dass die herkömmliche Buchhaltung im Rahmen der digitalen Entwicklung bald Geschichte sein wird. Was 500 Jahre gegolten habe, werde nun neu aufgebaut. Damit sprach er den venezianischen Franziskanermönch Luca Pacioli an. Der hatte 1494 das erste Lehrbuch der Buchführung «Summa de arithmetica!» verfasst, dessen Prinzipien heute noch unverändert gelten.

Cornèrcard, Abacus und Arcanite haben nun verkündet, dass in der Schweiz Kauf- und Verkaufsprozesse dank des Einsatzes von künstlicher Intelligenz ab Frühjahr 2020 direkt und meist in Echtzeit in ein Buchungssystem überführt werden können. Das bedeute eine substanzielle Steigerung der Effizienz, von welcher insbesondere die Schweizer KMU profitieren werden können.

Küchenbauer Herzog ist bereit

Heute hätten die Buchhaltungsprozesse viele Kommunikations- und Medienbrüche zwischen Lieferanten, Banken, Herausgebern von Kreditkarten, Unternehmen und Treuhändern. Diese aufwendigen Prozesse kosteten viel Geld und Zeit. Die Software A.L.A. (Autonomous Live Accounting), ausgestattet unter anderem mit künstlicher Intelligenz, so dass sie hinzulernen könne, reduziere wiederholende, manuelle Arbeiten und steigere damit die Effizienz von Unternehmen, Start-ups oder Organisationen, gleich welcher Grösse.

Raphael Herzog, Verwaltungsrat der Ostschweizer Herzog Küchen AG, ist bereit für den nächsten Schritt zur Digitalisierung seines Unternehmens. «Wir werden dieses Programm einsetzen», kündigte er an.