Der CS-Tanker ist trotz Verlust auf Kurs

Zur Sache

Maurizio Minetti
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Für die Credit Suisse war 2016 ein Jahr zum Abhaken. Sie schrieb abermals einen Verlust von über zwei Milliarden Franken. Hauptgrund: Die Grossbank musste Ende Jahr zwei Milliarden Dollar für ihre Fehler im Umgang mit amerikanischen Hypotheken zurückstellen. Hinzu kommen hohe Kosten für den Umbau der Bank und ein allgemein schwaches Ergebnis im Handelsgeschäft. Heute steht die CS im Vergleich zur Rivalin UBS – die ihrerseits wohlgemerkt für 2016 eine Halbierung ihres Gewinns hinnehmen musste – wesentlich schlechter da. Das war vor zehn Jahren noch anders. Die UBS wurde von der Hypotheken- und Finanzkrise voll erfasst, die CS kam vergleichsweise glimpflich davon. Während sich die UBS gesundschrumpfen musste, setzte dieser Prozess bei der CS erst später ein. Unter dieser Verzögerung leidet die CS noch heute.

Tidjane Thiam, der im Sommer 2015 den CEO-Posten bei der CS von Brady Dougan übernahm, musste das Steuer sofort herumreissen. Er baut jetzt die geerbten Altlasten gezielt ab. Mit dem geplanten Börsengang der Schweizer Einheit will sich Thiam zusätzliches Kapital beschaffen. Und er schreckt nicht davor zurück, ehemalige Vorzeigebereiche wie das Investmentbanking drastisch zu redimensionieren. Vor allem aber hat er beim Personal angesetzt, was die unbeliebteste aller Sparmassnahmen ist. Mit Blick in die Zukunft macht Thiam das, was man von einem umsichtigen Kapitän erwartet. Er schaut zum Horizont und steuert das Schiff in ruhigere Gewässer. Auf dem Weg dorthin muss er einige Klippen umschiffen und Ballast abwerfen. Die Richtung aber stimmt. Vor allem, weil kein Weg zurückführt. Seite 25