Der Corona-Lockdown gab ihr den Rest: Die Schuhkette Pasito ist passato - 69 Angestellte sind betroffen

Zuerst der Einkaufstourismus und die Onlinekonkurrenz, zuletzt die behördlich angeordnete Schliessung der Geschäfte. Das war für den Schuhändler Pasito-Fricker zu viel. Und auch die Banken spielten am Schluss eine Rolle. 

Benjamin Weinmann
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Die Corona bedingte Schliessung der Geschäfte brach der Pasito-Fricker AG das Genick.

Die Corona bedingte Schliessung der Geschäfte brach der Pasito-Fricker AG das Genick.

Benjamin Manser

Bei Pasito-Fricker fällt der Vorhang. Die Schuhkette mit Sitz in Spreitenbach AG musste die Bilanz deponieren. Verwaltungsratspräsident John Ammann bestätigt auf Anfrage eine entsprechende Anzeige im Amtsblatt des Kantons Aargau. Pasito ist somit passato – Vergangenheit.

Bei der Firma standen die Dinge seit längerem nicht zum Guten, so wie auch bei anderen Schweizer Schuhhändlern, die unter dem Einkaufstourismus und der grossen Onlinekonkurrenz leiden. Erst 2018 sah sich Vögele Shoes gezwungen, die Mehrheit an seinem Geschäft an die polnische Kette CCC zu verkaufen.

«Die mehrwöchige Schliessung der Filialen im Zuge der Corona-Pandemie hat die Situation nochmals drastisch verschärft», sagt Ammann. Pasito-Fricker habe über Wochen keine Umsätze erzielen können und trotz Bemühungen keinen Überbrückungskredit bei den Banken erhalten. Die Überschuldung wurde somit Tatsache.

Auch der schillernde Unternehmer konnte nicht helfen

«Wir sind betrübt und bedauern diesen Schritt zutiefst, die aktuelle Wirtschaftskrise lässt jedoch keine andere Wahl zu», sagt Ammann. Die Restrukturierungen in den vergangenen Jahren seien durch den Stillstand in den letzten zwei Monaten zunichte gemacht worden.

Die 23 Filialen der Pasito-Fricker AG wurden am 15. Mai geschlossen. 69 Mitarbeitende sind betroffen. Für sie bedeute dieser Entscheid in einer ohnehin schon problematischen Zeit eine äusserst schwierige Situation und grosse Unsicherheit, sagt Ammann. «Wir prüfen momentan, wie wir sie bestmöglich unterstützen können.»

Pasito hatte zuletzt eine turbulente Vergangenheit. 2014 kaufte der schillernde Immobilien-Unternehmer Guido Fluri das Unternehmen. Der Multi-Millionär war zeitweise Inhaber der Miss-Schweiz-Organisation und lancierte 2014 die Volksinitiative «Wiedergutmachung für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen». In den folgenden beiden Jahren resultierten jedoch weiterhin Millionenverluste. 2018 verkaufte er die Firma an eine ausländische Beteiligungsgesellschaft.

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