Der bittere Geschmack der Schokolade

Lebensmittel Nestlé verbessert die Bedingungen auf Kakaoplantagen. Der Konzern will dazu die Kinderarbeit weiter eindämmen und die Ausbildung der Bauern forcieren.

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In Anbetracht der Kinder, die in Westafrika auf Kakaoplantagen arbeiten, nimmt Schokolade ­einen bitteren Geschmack an. Nestlé hat Massnahmen ergriffen, um gegen diese Missstände anzukämpfen. Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie Stop the Traffik begrüssen dieses Bestreben zwar, sehen aber noch Verbesserungsbedarf.

Gemäss der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind weltweit rund 168 Mio. Minderjährige von Kinderarbeit betroffen. Mehr als die Hälfte davon, rund 98 Mio. Kinder, arbeiten in der Landwirtschaft. Auf Plantagen der Elfenbeinküste und Ghana werden fast 2 Mio. Kinder ausgebeutet. Die beiden Länder produzieren 70% aller Kakaobohnen für den Weltmarkt. Die Lebensbedingungen von Kleinbauern zu verbessern, würde zu einem Rückgang von Kinderarbeit führen, sagen Nichtregierungsorganisationen (NGO). Gemäss dem Kakao-Barometer, das von zehn NGO und europäischen Gewerkschaften herausgegeben wird, müsste eine Familie viermal mehr verdienen, um die Armutsgrenze von 2 $ pro Tag und Person zu erreichen.

Stop the Traffik stellt in ihrem jüngsten Bericht die Programme von sechs grossen internationalen Gesellschaften vor, darunter auch der Nestlé-Konzern, dessen Anteil am Weltmarkt 8,8% beträgt. Das Unternehmen erhält eine gute Bewertung.

Millionen in den Kakao-Plan investiert

Mit seinem Kakao-Plan wird Nestlé in Sachen Kinderarbeit als die transparenteste Gesellschaft angesehen. Der Nahrungsmittelkonzern hat 110 Mio. Fr. in den Kakao-Plan investiert, welcher 2009 lanciert wurde und seit 2012 auf Kinderarbeit angewendet wird, wie Christian Frutiger, Verantwortlicher für öffentliche Angelegenheiten bei Nestlé, sagt. Ziel sei es, gleichzeitig den Kakao und die Arbeit in den lokalen Kommunen zu zertifizieren, um die Lebensbedingungen und die Produktionsqualität zu verbessern. Derzeit beziehe Nestlé 34% der Kakaobohnen über den Kakao-Plan. Bis 2020 sollen es 50% der Bohnen sein, sagt Frutiger.

Stop the Traffik hebt die multinationalen Konzerne Mars, Hershey, Ferrero sowie den Zürcher Konzern Lindt & Sprüngli hervor, welche bis 2020 100% ihrer Kakaobohnen zertifiziert haben wollen. Nestlé verfolge dasselbe Ziel, gebe aber keine Frist an, bedauert die NGO. Nestlé erklärt, der Kakao-Plan gehe über Zertifizierungen hinaus und beanspruche mehr Zeit.

Dorine Kouyoumdjian (SDA)