«Der Bauch sagt, es gehe bergauf»

Die Credit Suisse sagt für dieses Jahr ein Exportwachstum voraus – dies würde dem Rheintal als Ostschweizer Exportschwergewicht in die Hände spielen. Auch unter den Gästen des Wirtschaftsforums ist die Stimmung positiv.

Raphael Stieger/Janique Weder
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Christoph Jansen

Christoph Jansen

WIDNAU. Das Rheintal ist die Ostschweizer Exportregion schlechthin, über die Hälfte der Beschäftigten arbeiten im industriellen Sektor. Doch zahlenmässig verlief das vergangene Jahr alles andere als gut. Nun streut die Credit Suisse neue Hoffnung: Laut ihrer Regionalstudie werden die Exporte 2013 um rund vier Prozent zulegen.

«Ohne Export keine Innovation»

Christoph Jansen, Mitglied der Gruppenleitung der Jansen AG, ist skeptisch: «Um dies zu beurteilen, ist das Jahr noch zu jung.» Jansen setzt rund drei Viertel ihrer Produkte im Ausland ab. Damit die Oberrieter Firma künftig wieder «optimistischere Investitionspläne» machen könne, hofft Jansen auf eine positive Entwicklung des Euro. Sein Bauchgefühl sage ihm aber, dass es bergauf gehe. «Die Rheintaler Unternehmen hätten es verdient, wieder einmal aufatmen zu dürfen», so Christoph Jansen weiter.

Grund für eine positive Einstellung hat auch Detlef Fischer von der Bezema AG. «Vergleichen wir die Exportzahlen mit denen vor einem Jahr, haben wir rund fünf Prozent dazugewonnen», sagt der Geschäftsleiter sichtlich zufrieden. Für Fischer sind gute Absatzzahlen dringend notwendig: «Ohne Exportumsätze gibt es keine Innovation.»

Auch die in Winkeln ansässige Steinemann Technology AG muss sich momentan keine Sorgen machen – bis Mitte Jahr ist sie mit Aufträgen ausgebucht. «Das deutet tatsächlich auf Wachstum hin», sagt Max Büchler. Damit die Firma auch in der zweiten Jahreshälfte Erfolg habe, sei man momentan darum bemüht, Folgeaufträge an Land zu ziehen. An das vergangene Jahr denkt der Logistiker jedoch nicht gerne: «Wegen des hohen Euro mussten wir unseren Kunden im Ausland hohe Rabatte gewähren.» Er sei froh, dass es jetzt wieder aufwärts- gehe, «wenn auch sehr langsam».

Stefan Lüchinger, Geschäftsführer der Lüchinger Metallbau AG, blickt noch etwas entspannter in die Zukunft: «Für dieses Jahr bin ich sehr zuversichtlich. Es wird mindestens gleich gut wie 2012.» Zwar würden die Preise stagnieren, doch die Industrie werde mehr Aufträge als im Vorjahr bekommen. Stefan Lüchingers Firma sei, anders als ein Grossteil der Rheintaler Unternehmen, nicht so stark vom Export abhängig. «Aber selbst wir sind froh, wenn der Euro wieder an Stärke gewinnt.»

Anpassung wird zum Vorteil

Auch in der Wissenschaft blickt man 2013 positiv entgegen. Sigmar Willi, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule St. Gallen, glaubt an ein Exportwachstum: «Die Rheintaler Exportunternehmen haben sich in den vergangenen zwei Jahren auf schwere Zeiten eingestellt.» Viele hätten sich in dieser Zeit neu positioniert, andere Beschaffungswege eingeschlagen oder Prozesse verschlankt. Dies verschaffe ihnen nun einen Wettbewerbsvorteil. «Wenn der Euro weitersteigt, werden diese notwendigen Anpassungen zu vielversprechenden Erfolgsfaktoren.»

Sigmar Willi sieht im Export aber auch Herausforderungen: «Die isolierte Stellung, die die Schweiz gegenüber der EU hat, ist langfristig nicht haltbar.» Gehe es so weiter wie bis anhin, werde der Druck auf Exportregionen wie das Rheintal immer stärker.

Detlef Fischer

Detlef Fischer

Max Büchler

Max Büchler

Stefan Lüchinger

Stefan Lüchinger

Sigmar Willi (Bilder: ras/jmw)

Sigmar Willi (Bilder: ras/jmw)

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