Der Bau vor einem heissen Winter

Nach neun Monaten sind die Verhandlungen über einen neuen Landesmantelvertrag im Bauhauptgewerbe gescheitert. Jetzt stehen ein vertragsloser Zustand und Streiks vor der Tür.

Thomas Griesser Kym
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ZÜRICH/BERN. Alle Jahre wieder liegen sich Baumeister und Gewerkschaften in den Haaren. Mal geht es um die Löhne, mal um die Frühpensionierung, mal um die Arbeitsbedingungen. Jetzt geht es um das Gesamtpaket, den Landesmantelvertrag (LMV). Dieser läuft per Ende Jahr aus, und die Verhandlungen über ein neues Vertragswerk sind festgefahren. Damit dürfte ab 1. Januar ein vertragsloser Zustand gelten, und die Gewerkschaften Syna und Unia bauen vorsorglich eine Drohkulisse auf, indem sie Kampfmassnahmen vorbereiten, sprich: Streiks.

Für die Blockade schieben sich die Parteien die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Die Gewerkschaften werfen dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) Wortbruch vor, nachdem dieser die bisherigen Verhandlungsresultate zurückgewiesen hat – und dies, obwohl Syna und Unia «in den meisten Fällen auf die Entwürfe des SBV eingegangen sind».

Was Bauarbeiter verdienen

So wolle dieser die Minimallöhne nur um 1% erhöhen, statt wie bisher versprochen um mindestens 2,2%. «Skandalös» nennen Syna und Unia zudem das Angebot des SBV, die effektiven Löhne generell um 0,8% zu erhöhen und für individuelle Erhöhungen 0,7% bereitzustellen («zur willkürlichen Verteilung» im Urteil der Gewerkschaften).

Der SBV kontert, er habe seine ursprüngliche Offerte von 1% auf 1,5% mehr Lohn erhöht, wogegen die Gewerkschaften kein Jota von ihrer Maximalforderung abgewichen seien. Punkto Mindestlöhne lägen jene auf dem Bau – 5400 Fr. für einen gelernten Maurer, 5375 Fr. für einen Chauffeur oder 4400 Fr. für einen Hilfsarbeiter – «deutlich über jenen in den anderen handwerklichen Berufen».

«Das macht die Leute kaputt»

Insgesamt sei der SBV den Gewerkschaften in gut einem halben Dutzend Punkten entgegengekommen; umgekehrt die Gewerkschaften dem SBV nur in einem, kritisiert dessen Präsident Werner Messmer. Um einen vertragslosen Zustand abzuwenden und mehr Zeit zu gewinnen, hat der SBV angeboten, den auslaufenden LMV um ein halbes Jahr zu verlängern – was die Gewerkschaften ablehnen. Unia-Sprecher Nico Lutz sagt warum: Wegen des Baubooms, gepaart mit Kosten- und Preisdruck, leisten immer weniger Bauarbeiter immer mehr Arbeit. «Das macht die Leute kaputt», sagt Lutz und verlangt Verbesserungen punkto Lohnfortzahlung bei Krankheit, Unfall und Schlechtwetter, punkto Kündigungsschutz sowie Massnahmen gegen Lohndumping und Schwarzarbeit.

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