«Der Batzen war gross genug» – 5 Antworten auf Fragen zu Roger Federers Beteiligung beim Sportschuhhersteller On

Der Schweizer Tennis-Star Roger Federer ist seit neuestem Unternehmer. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, ist der 20-fache Grand-Slam-Gewinner bei der Zürcher Sportschuhmarke On beteiligt. Bereits im nächsten Jahr bringt On Federer-Produkte auf den Markt.

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Roger Federer ist jetzt Miteigentümer der Firma On. (Bild: pd)

Roger Federer ist jetzt Miteigentümer der Firma On. (Bild: pd)

(mim/watson) Bedeutet dieser Schritt ins Unternehmertum nun Federers Karriere-Ende? Hier die Antworten auf diese und weitere Fragen rund um Federers neuestem Streich.

1. Wer genau ist On?

On ist die Idee von Olivier Bernhard. Der 51-Jährige rannte sein Leben lang, unter anderem als Spitzensportler. Neben etlichen Ironman-Siegen war Bernhard auch Duathlon-Weltmeister. Während seiner gesamten Karriere probierte er etliche Schuhe verschiedenster Marken aus – ohne jemals voll und ganz zufrieden zu sein. Aus diesem Grund beschloss er, selbst einen Schuh zu entwickeln. Als er endlich einen Prototypen seines Schuhs mit spezieller Dämpfung – dem sogenannte Cloud-System – entwickelt hatte, konnte er David Allemann und Caspar Coppetti an Board holen.

Das war im Jahr 2010. Ihr Produkt war gut, aber die drei Unternehmer hatten wenig Ahnung von Handel oder dem Sportbekleidungs-Markt. Hinzu kam eine enorm starke Konkurrenz mit Marken wie Nike oder Asics. Doch die Schweizer hatten einen Vorteil: Sie sind Marketing-Experten und wussten, dass ein gutes Marketing der Schlüssel zum Erfolg sein konnte.

«Wir verdoppeln unsere Anzahl Mitarbeiter etwa alle 18 Monate.»

Der Durchbruch gelang ihnen und sie sind mittlerweile Schweizer Marktführer im Bereich Laufschuhe. Doch auch über die Landesgrenzen hinaus läuft es für das Unternehmen sehr gut: Es ist die am schnellsten wachsende Laufschuh-Marke der Welt.

Operiert wird hauptsächlich vom Hauptsitz in Zürich-West aus. 250 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, weitere 250 sind in sechs weiteren Büros auf der Welt verteilt. Doch das Unternehmen wächst rasant weiter, wie Bernhard gegenüber der «NZZ am Sonntag» berichtet: «Wir verdoppeln unsere Anzahl Mitarbeiter etwa alle 18 Monate»

2. Wie kam es zu dieser Beteiligung?

Gemäss David Allemann legte den Grundstein für die Zusammenarbeit Federer selbst – indem er Fotos veröffentlichte, die ihn mit On-Schuhen zeigten. So erfuhren die drei Unternehmer, dass Federer Gefallen an der Marke gefunden hatte. Das war Anfangs 2018. In dieser Zeit lief gerade der Vertrag mit Nike aus. Die Marke war langjähriger Ausstatter des Tennisprofis. Aus diesem Grund suchten die On-Gründer den Kontakt zum Tennis-Ass.

Im Spätsommer 2018 traf sich Federer mit den Unternehmern zum Abendessen in Zürich. Die Chemie stimmte und es kam zu weiteren Treffen, unter anderem an Tennis-Turnieren. Nachdem Federer das Entwicklungs-Labor des Sportschuh-Herstellers in Zürich besuchte, kam er mit der Frage, wie er sich bei On beteiligen könne.

3. Wieso ausgerechnet On?

Nun ist Federer also offiziell Miteigentümer der Marke. Wie hoch seine Beteiligung genau ist, bleibt ein Geheimnis. Genauso wie die Frage, ob noch weitere Personen an der Aktiengesellschaft beteiligt sind.

Bernhard betont, dass sich nicht lediglich um ein Sponsoring handelt, sondern sich die Zusammenarbeit für beide Seiten als substanzielles Investment erweist. «Der Batzen war gross genug, dass ich mir das gut überlegen musste», wie Federer gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagte.

«Es reizt mich, mit einem jungen Schweizer Unternehmen zusammenarbeiten zu können, das auf dem Sprung ist»

Der Tennis-Profi scheint grosses Vertrauen in das Unternehmen zu haben. Auf der einen Seite ist Federer als Patriot bekannt, da half es sicher, dass On eine Schweizer Marke ist. Zudem interessiert er sich für die Technologie hinter den Schuhen – eines ihrer Erfolgsrezepte.

Doch auch die Zahlen des Unternehmens sprechen für sich: So soll der Jahres-Umsatz gemäss Expertenschätzungen zwischen 100 Mio. und 200 Mio. Franken liegen. Stolz ist man bei On auch darauf, dass die Firma Gewinn abwirft. Damit und mit Hilfe von Fremdkapital wird das Wachstum finanziert.

4. Was ist Federers Aufgabe?

Roger Federer sieht sich nicht in einer bestimmten Position innerhalb des Unternehmens, wie er im Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagt: «Ich sehe mich als Partner. Die Leute bei On sollen mir sagen, wo ich ihnen am besten zur Seite stehen kann.» Sein Know-How aus Sicht eines Athleten ist für die Marke sicherlich von grossem Vorteil. Federer weiss, wie ein Schuh für einen Spitzensportler sein muss. Aus diesem Grund und weil er zudem grosses Interesse an Produkt-Design mitbringt, wird Federer bei der Produktentwicklung involviert.

2020 sollen bereits erste Produkte auf den Markt kommen, die in Zusammenarbeit mit dem Tennis-Profi entstanden sind. Doch neben der Produktentwicklung soll Federer klar auch als Botschafter der Marke fungieren, mögliche Kollaborationen aufgleisen und ihr zu noch grösserem Wachstum verhelfen. Federers Bekanntheit und sein Netzwerk sind für die Firma Gold wert.

5. Bedeutet das Federers Karriere-Ende?

Es stellt sich die Frage, ob Federer nun eine zweite Karriere als Unternehmer anstrebt und aus diesem Grund dem Tennis endgültig den Rücken kehrt? Auf diese Frage will er gegenüber der «NZZ am Sonntag» keine richtige Antwort geben: «Ich will nicht zu viel darüber nachdenken, was nach der Tennis-Karriere kommt. Denn je mehr ich darüber nachdenke, desto näher fühle ich mich am Ende.»

Die Antwort lässt vermuten, dass der Tennis-Maestro noch nicht ans Aufhören denkt. Er werde jedoch viel in das Unternehmen stecken, so viel wie der Spitzensport es zulässt. Dass seine Beteiligung jedoch auch mit der Zukunfts-Planung (nach Karriere-Ende) zu tun hat, ist für Federer klar.

Die Marke On und Federer passen gut zusammen: Beide schafften es in ihrem Bereich ganz nach oben – mit den möglichen Synergien aus dieser Partnerschaft wird die On-Erfolgsstory wohl auch noch weitergehen.