«Den Wechsel mit der Digitalisierung gut gemeistert»

Migros-Chef Herbert Bolliger blickt auf ein erfolgreiches 2016 zurück. Er sieht den Detailhandelsriesen im Zeitalter des wachsenden Onlinehandels gut aufgestellt. Veränderungen kämen auf die Einkaufscenter zu.

Ernst Meier
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Herbert Bolliger (63) an seiner letzten Bilanzmedienkonferenz als Migros-Chef. (Bild: Melanie Duchene/EQ)

Herbert Bolliger (63) an seiner letzten Bilanzmedienkonferenz als Migros-Chef. (Bild: Melanie Duchene/EQ)

Interview: Ernst Meier

Herbert Bolliger, die Migros hat im Jahr 2016 mehr Umsatz erzielt und den Marktanteil erhöht, der Gewinn ist jedoch gesunken. Weshalb sinkt die Rendite?

Der Gewinnrückgang ist auf Wertkorrekturen zurückzuführen. Konkret haben wir in unseren Büchern die Werthaltigkeit der Non-Food-Formate – wie Ex-Libris, Interio oder Schild – angeschaut. Dabei sind wir zur Einsicht gekommen, dass wir hier Korrekturen vornehmen müssen – auch im Hinblick auf die künftige Entwicklung. Das stark wachsende Onlinegeschäft wirkt sich massiv auf unsere stationären Formate aus.

Wie hoch sind mittlerweile die Onlineumsätze bei Mi­gros-Formaten wie Ex-Libris oder Melectronics?

Die Onlineumsätze unserer klassischen Filialformate sind sehr unterschiedlich hoch. Bei Ex-Libris wird heute teilweise mehr als 50 Prozent des Umsatzes online erzielt. Bei Melectronics ist der Anteil viel kleiner, hier wird weiter gut in den Filialen eingekauft. Das hat auch damit zu tun, dass für Elektronik und Haushaltsapparate unsere Onlinekanäle in erster Linie Digitec.ch und Galaxus.ch sind. Bei Melectronics ist es uns gelungen, durch eine Verkleinerung der Verkaufsfläche und minimen Veränderungen im Angebot die Kostenstruktur anzupassen und die Umsätze relativ gut zu halten.

Die Entwicklung geht dahin, dass im Detailhandel grosse Flächen frei werden, weil Schweizerinnen und Schweizer vermehrt online, aber auch im Ausland einkaufen – Amazon, Zalando und Co. lassen grüssen. Das hat grosse Veränderungen zur Folge für Einkaufszonen in Innenstädten, aber auch für Supermärkte und Einkaufszentren.

Ich rechne vor allem mit grossen Veränderungen in den Einkaufszentren und gehe davon aus, dass dies ähnlich erfolgen wird, wie wir es in anderen Ländern beobachten. Einkaufscenter an zweit- und drittklassigen Lagen und solche mit einem schlechten Mietermix werden es schwerer haben. Sie werden unter Druck kommen, weil sie ihre Flächen nicht mehr entsprechend vermieten können. Es wird auch zu Umschichtungen innerhalb der Einkaufscenter kommen, so dass ein grosser Teil der Flächen künftig für Dienstleistungen genutzt wird.

Was können das für Dienstleistungsangebote sein?

Man kann zum Beispiel mehr auf Gastronomie-, Freizeit- und Unterhaltungsangebote setzen. Diesen Weg geht das Einkaufscenter Stücki in Basel, wo Detailhandelsflächen verschwinden und ein Megaplex-Kino entsteht. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir mit der Migros das Gesundheits- und Fitnessangebot in den Einkaufscentern ausbauen. Unsere Angebote Medbase oder Santé-Med eignen sich bestens auch für Einkaufscenter; die gute Lage, Erreichbarkeit und die vorhandenen Parkplätze sind da ein Vorteil.

Sie bauen den Bereich Gesundheit stark aus. So wurden die Gesundheitszentren Medbase und SantéMed übernommen. 2016 lancierten Sie die digitale Gesundheitsplattform Impuls. Wird die Migros zum Hausarzt und gar zum Spital?

Wir bieten ambulante Behandlungen an und bilden Gemeinschaftspraxen, auch mit Fach­ärzten. Unser Angebot soll möglichst breit sein – vom Gesundheits-Check-up über Prävention und Rehabilitation bis zu leichten Behandlungen. Wir haben jedoch keine Absichten, auch im stationären Bereich tätig zu werden.

Nach 12 Jahren an der Migros-Spitze gehen Sie Ende Jahr in Pension. Was für eine Bilanz ziehen Sie?

Uns ist es gelungen, in den letzten Jahren erfolgreich den Marktanteil der Migros-Gruppe in der Schweiz deutlich zu erhöhen: 2012 lag er noch unter 20 Prozent, heute sind wir bei nahezu 22 Prozent. Dies alles geschah trotz neuen Mitbewerbern und wachsenden Umsätzen des Auslandshoppings, dessen Teil vom Kuchen mittlerweile 11 Milliarden Franken ausmacht. Weiter haben wir die Nachhaltigkeit und die Reputationsthemen ziemlich gut aufgegleist. Ich denke, wir haben auch den Wechsel mit der Digitalisierung und dem Onlinehandel gut gemeistert.