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Den Neurentnern bleibt die volle Wahl

Die Mehrheit der Schweizer will beim Rentenantritt weiterhin selber entscheiden, ob sie sich das volle Kapital von ihrer Pensionskasse auszahlen lassen will. Alles deutet darauf hin, dass die Wahl zwischen Kapital und Rente bleibt.
Rainer Rickenbach
Soll das Geld aus der Pensionskasse als Kapital ausbezahlt werden? (Bild: Philipp Schmidli)

Soll das Geld aus der Pensionskasse als Kapital ausbezahlt werden? (Bild: Philipp Schmidli)

Kapital oder Rente? Die grosse Mehrheit der Schweizer findet, wer in Rente geht, soll weiterhin frei darüber entscheiden können, in welcher Form er sein in der Pensionskasse angespartes Geld erhalten will. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, welche die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften für das Vorsorgebarometer der Raiffeisen-Gruppe organisiert hat.

53 Prozent der über tausend Befragten finden, wer aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausscheidet, solle weiterhin einen Teil seiner Ersparnisse als Kapital beziehen dürfen. Gut ein Viertel ist der Meinung, wer es so will, müsse sogar frei sein, das ganze Sparvermögen aus der zweiten Säule abzuzügeln. Und nur 14 Prozent vertreten die Ansicht, das gesamte eigene Vermögen bei der Vorsorgeeinrichtung habe bis ans Lebensende als monatliche Rente den Weg zu den Pensionierten zu finden. Die Zahlen geben auch die Lösungen wider, welche die Neurentner treffen. Zwar gibt es keine zuverlässigen Zahlen, doch gemäss den Pensionskassen entscheiden sich die meisten für eine Mischlösung: Einen Teil ihres Sparkapitals belassen sie bei den Kassen und beziehen davon Rente. Den andern Teil lassen sie sich auf ihr Bankkonto überweisen.

Grundsätzlich ist es heute den Versicherten erlaubt, sich bei der Pensionierung ihr gesamtes Guthaben auszahlen zu lassen. Ein Teil der Pensionskassen hat jedoch Beschränkungen in den Statuten eingebaut.

Einschränkung ist politisch chancenlos

Die Umfrage platzt mitten in eine politische Diskussion, die freilich bereits vorentschieden ist. Der Bundesrat hatte nämlich vorgeschlagen, dass künftig für alle neuen Ruheständler nur noch ein Teil der Pensionsgelder als Kapital ausbezahlt werden darf. Das Spargeld aus dem sogenannten obligatorischen Alterskapital (Lohnbestandteile bis 84 600 Franken) aber gäbe es nur noch als Rente. Er verspricht sich davon, das rapide Kostenwachstum bei den Ergänzungsleistungen einzudämmen. Nach einem Hickhack auf Kommissionsebene in Bundesbern mit einem abschliessenden Nein hat sich die Idee des Bundesrats aber so gut wie erledigt. Es ist höchst ­unwahrscheinlich, dass National- und Ständeräte doch noch auf dessen Linie einschwenken. Allerdings geht aus der Umfrage nicht hervor, ob die Mehrheit der Befragten das Ansinnen von Bundesrat Alain Berset ablehnt. Denn er wollte den Kapitalbezug nicht vollständig, sondern nur teilweise unterbinden. Die grosse Mehrheit sprach sich ebenfalls für eine solche Variante aus.

Wie immer die Umfrage zu deuten ist: Aufschnaufen können vorab die Pensionskassen, auch wenn sie ihre Freude gegen aussen hin verbergen. Denn jeder Kapitalbezüger stellt ein versicherungstechnisches Langleberisiko weniger dar. Egal, welches Alter er erreicht, die Kassen sind mit der Kapitalauszahlung von jeglicher Rentenpflicht ihm gegenüber entbunden. Auch bei Versicherungen und Banken dürfte man sich die Hände reiben, denn die meisten Kapitalbezüger legen ihr Geld aus der zweiten Säule bei ihnen an. Doch auch bei zahlreichen angehenden Rentnern dürfte Erleichterung herrschen. «Wir stellen einen klaren Trend zur kompletten Kapitalauszahlung fest,» sagte am Donnerstag Michael Auer, Leiter Privat- und Anlagekunden bei der Raiffeisen-Gruppe.

Sinkende Renten: Talfahrt dürfte sich fortsetzen

Er ortet dafür zwei Ursachen: Zum einen sinken die Umwandlungssätze der Kassen in geradezu atemberaubendem Tempo, was für die Neupensionierten tiefere Renten mit sich bringt. Konnte ein frisch gebackener Ruheständler vor zehn Jahren noch mit jährlich etwa 6400 Franken auf einen Kapitalteil von 100 000 Franken rechnen, sind es heute teilweise weniger als 5000 Franken. Nach der gescheiterten Rentenreform deutet alles darauf hin, dass sich diese Talfahrt fortsetzt. Auer: «Vor allem die Ledigen, für die die Partnerrente keine Rolle spielt, entscheiden sich vermehrt für die Auszahlung des gesamten Kapitals.» Zum andern nutzen Partner, die beide BVG-versichert sind, die Möglichkeit der Fünfer-und-Weggli-Option: Der eine lässt sich das Kapital auszahlen, die andere bezieht Rente.

Die vom Bundesrat vorgeschlagene Bezugseinschränkung weckte aber auch Zweifel, ob sie wirklich dazu taugt, Ergänzungsleistungen zu sparen. Swiss-Life-Schweiz-CEO Markus Leib­undgut sagte im Frühling in einem Interview mit unserer Zeitung: «Es besteht kein erwiesener Zusammenhang zwischen Kapitalbezug und Sozialhilfe im Alter. Bei Kapitalbezügern, die später auf Ergänzungshilfe angewiesen sind, handelt es sich meistens um Personen, die aufgrund ihrer Erwerbsbiografie nur ein paar zehntausend Franken in der zweiten Säule angespart hatten. Sie würden eine Jahresrente von ein paar hundert Franken erhalten. Die hätten sie nicht vor Ergänzungsleistungen bewahrt.»

Die meisten würden in Teilzeit weiterarbeiten

Drei von vier Schweizern sind bereit, über das gesetzliche Rentenalter hinaus berufstätig zu bleiben. «Aber nur in Teilzeitstellen», sagt Daniel Greber von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die die Umfrage für das Vorsorgebarometer der Raiffeisen-Gruppe organisiert hat. Das Problem sei, genügend passende Stellen für Teilzeitler im Seniorenalter zu schaffen und in den Betrieb zu integrieren, ergänzte Michael Auer von der Raiffeisen-Gruppe.

Hauptgründe für die Bereitschaft, im Pensionsalter weiter zu arbeiten, sind gemäss der Umfrage Freude an der Arbeit und Geldnot. Für einen Fünftel der Befragten kommt eine Weiterbeschäftigung nicht in Frage, und nur 3 Prozent wären bereit, mit vollem Pensum in der Arbeitswelt auszuharren. Die Umfrage macht darüber hinaus deutlich, dass die meisten Schweizer das Vorsorgesystem für zu kompliziert und nur schwer durchschaubar halten. Am meisten Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit geniesst die dritte Säule mit dem eigenverantwortlichen, leicht verständlichen Vorsorgesparen (45 Prozent). Die Pensionskassen (17 Prozent) und die AHV (15 Prozent) schneiden deutlich schlechter ab. (rr)

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