Den Markt der Zukunft ermittelt

Für das Elektrizitätswerk Jona-Rapperswil AG lohnt sich der Bau eines Glasfasernetzes nicht – das fand ein Team aus Studierenden der FHS St. Gallen in einem Praxisprojekt für das Elektrizitätswerk heraus.

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Ernst Gossweiler, Geschäftsführer der EWJR, mit den FHS-Studierenden. (Bild: pd)

Ernst Gossweiler, Geschäftsführer der EWJR, mit den FHS-Studierenden. (Bild: pd)

«Wir sind sehr stolz darauf, für den WTT Young Leader Award nominiert zu sein», sagt Raphael Hefti, Student an der FHS St. Gallen. Zusammen mit Eveline Forrer, Cornel Muentener und Gilles Walz untersuchten die Studierenden im Rahmen eines Praxisprojektes an der FHS die Marktchancen eines Glasfaserinternets im Marktgebiet des Elektrizitätswerks Jona-Rapperswil (EWJR). Trotz grosser Nachfrage nach Glasfasertechnologie eruierten die Studierenden, dass für das EWJR keine Marktchancen bestehen. «Dieses Resultat ermittelten wir anhand einer ausführlichen Umfrage, bei der wir 3000 Haushalte und 700 KMU angeschrieben haben», erklärt Raphael Hefti.

Mit ihrer Bedürfnisabklärung leisteten die Studierenden den marktseitigen Teil an den Businessplan der EW Jona-Rapperswil AG. «Wir brauchten die Bedürfnisabklärung, um die Studie abzuschliessen. Wir hatten aber weder das Know-how noch die Kapazitäten dafür. Und hätten wir diese selber machen müssen, wären Daten in viel kleinerem Umfang entstanden und wir hätten viele wertvolle Erkenntnisse nicht erhalten», ist Ernst Gossweiler, Geschäftsführer des privatwirtschaftlich organisierten Elektrizitätswerks, sicher.

Ein Blick in die Zukunft

«Die grösste Herausforderung war es, den Befragten die einzelnen Zukunftsszenarien schriftlich zu erklären», sagt Raphael Hefti. Die Umfrage ermittelte, an welchen Internetdienstleistungen Haushalte und Unternehmen bis 2020 Interesse haben könnten: Cloud Computing, Fernsehen im Internet, 3D-TV ohne Brille. Das Team hat ermittelt, dass nur bei 20 Prozent der EWJR-Strom-Kunden die Chance besteht, dass diese auf ein Glasfasernetz des EWJR wechseln würden. Und dies, obschon die Haushalte und Unternehmen in Rapperswil-Jona überdurchschnittlich technikaffin sind. Die anderen 80 Prozent haben aus heutiger Sicht entweder kein Bedürfnis nach dem schnellen Internet oder würden sich gegenüber ihren jetzigen Anbietern loyal verhalten.

Unterschiede bei Quartieren

Anhand dieser Umfrageresultate konnten wichtige Entscheide getroffen werden. Die grösste Überraschung, so meint Ernst Gossweiler, seien für ihn die Unterschiede beim Interesse unter den Quartieren. «Sollten wir in der Zukunft dennoch ein Glasfasernetz bauen, zum Beispiel im Falle einer Teilfinanzierung durch die Stadt Rapperswil-Jona, dann wissen wir nun, in welchen Quartieren wir mit dem Bau beginnen.»

Cornel Muentener unterstrich die Bedeutung, die diese Praxisprojekte für die Studierenden haben: «Für unsere Auftraggeberin sind die Ergebnisse und deren Qualität immens wichtig.» Gerade deswegen sei sie auch für die Studierenden interessant: «Unsere Arbeit hat einen konkreten Zweck für die Auftraggeberin.» Das gewonnene Praxiswissen ist für dieses Team besonders wichtig: Sie absolvieren ihr Studium berufsbegleitend. (fhs)