Den Anschluss gefunden

Die Geschäfte der Ostschweizer Klein- und Mittelunternehmen laufen wieder gut. Doch mit der grossen Kelle richten sie noch nicht an. Viele Firmen investieren laut Ernst & Young nur vorsichtig.

Thorsten Fischer
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St. Gallen. Auch wenn der Aufschwung noch so breit ist: Es wird immer Firmen geben, die wegen ihrer individuellen Ausgangslage nicht davon profitieren können. Doch mittlerweile ist es nur noch eine Minderheit (6%), die eine Verschlechterung der Situation erwartet. Das zeigt die Sommerumfrage des KMU-Barometers 2010 von Ernst & Young. Ganze 38% der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) in der Ostschweiz sind sich sicher, dass die Geschäftslage besser wird.

Dabei stehen die hiesigen Firmen bereits komfortabel da: Zwei von drei KMU (67%) machen derzeit gute Geschäfte. Die Geschäftslage der KMU in der Ostschweiz ist im landesweiten Vergleich sogar am besten, wie die Studie des Prüf- und Beratungsunternehmens ergibt. Zur Region Ostschweiz werden dabei die Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Glarus, Graubünden, St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau gezählt. Hier wurden 100 Unternehmen befragt.

Beflügelt durch Jahresbeginn

«Die mittelständischen Unternehmen sind der Meinung, dass sich die gute Geschäftsentwicklung aus dem ersten Quartal fortsetzt», hält Markus Oppliger fest, Partner und Sitz-Leiter St. Gallen bei Ernst & Young. Noch positiver beurteilen die KMU in der Ostschweiz die allgemeinen Konjunkturaussichten: 46% der Unternehmer sagen eine Verbesserung der Wirtschaftslage in der Schweiz voraus. Mit einem Abschwung rechnen nur 10% der Befragten. Diese Zuversicht löst aber keine Flut neuer Investitionen aus.

Hier geben sich die Ostschweizer KMU relativ zurückhaltend, stellt Ernst & Young fest. Gerade einmal 22% der Unternehmen wollen im laufenden Jahr die Ausgaben für neue Maschinen, Immobilien usw. steigern. 9% wollen sie hingegen reduzieren. Damit gehören die mittelständischen Unternehmen in der Ostschweiz nicht zu den investitionsfreudigsten, kommt die Analyse zum Schluss. Ein weiterer Investitionsrückgang wird aber als unwahrscheinlich eingestuft.

Personalbestand aufstocken

Nicht auf der Bremse stehen die Firmen in der Region, wenn es um den Personalbestand geht. Jedes vierte mittelständische Unternehmen (25%) will zusätzliche Mitarbeitende einstellen. Nur 1% der KMU wollen die Belegschaft reduzieren. Per saldo ist daher mit einem Anstieg der Beschäftigung zu rechnen. Im Vergleich der Regionen ist die Ostschweiz damit eines der führenden Gebiete – nur in der Nordwestschweiz ist eine noch stärkere Zunahme der Beschäftigung zu erwarten.

Gewachsen ist auch der Mut, Neues zu wagen: Fast jedes fünfte mittelständische Unternehmen in der Ostschweiz (19%) überlegt sich, verstärkt in den Bric-Ländern Brasilien, Russland, Indien und China zu geschäften (siehe Kasten).

Die Aufbruchstimmung stellt Ernst & Young schweizweit fest. Praktisch jedes zweite mittelständische Unternehmen sehe für die zweite Jahreshälfte 2010 eine Verbesserung der Wirtschaftslage in der Schweiz. Die Zahl der Optimisten sei heute so gross wie seit 2008 nicht mehr.

Besonders zuversichtlich sind die Industrie und der Handel.