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Kommentar

Dem Chef entgleitet die Hoheit über die «Fakten»

Analyse zum Stellenabbau beim deutschen Chemieriesen Bayer.
Daniel Zulauf

12000 Stellen will Bayer in den nächsten drei Jahren streichen. Mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz opfert der deutsche Chemiekonzern einem rigorosen Kostensparprogramm. Ganze Sortimentslinien und Unternehmensbereiche werden zum Verkauf ins Schaufenster gestellt – darunter die Division «Animal Health», die bei dem Multi immerhin eine 99-jährige Geschichte hat. Doch von einem Abstossen des Tiermedizin-Geschäfts verspricht man sich in Leverkusen einen erklecklichen Erlös.

Novartis hatte das eigene Tiermedizin-Geschäft 2015 für über fünf Milliarden Dollar veräussert. Bayer wird sich kaum weniger erhoffen. Sind das alles Spätfolgen der ultrateuren Monsanto-Akquisition? 63 Milliarden Dollar hat das einst wertvollste Unternehmen an der Frankfurter Börse für den verrufenen US-Agrochemiekonzern bereits auf den Tisch gelegt – der höchste Betrag, den eine deutsche Firma je für einen Zukauf zu zahlen wagte.

Damit hätten die Entscheidungen über die Restrukturierung rein gar nichts zu tun, stellte Bayer-Chef Werner Baumann auf der Medienkonferenz vom vergangen Donnerstag klar, noch bevor ihn die Journalisten überhaupt danach fragen konnten. Und erst recht gäbe es keinen Zusammenhang zu den hängigen Glyphosat-Klagen in den USA, die Bayer je nach Prozessverlauf noch sehr viel Geld kosten könnten. Der CEO unterlegte seine Behauptung mit allerlei Argumenten, die dem tiefen Eingriff den Sinn eines vorwärtsgerichteten Transformationsprozesses verleihen: Nach Baumanns Darstellung wird Bayer am Ende des Grossumbaus ein innovativeres, produktiveres, effizienteres und fokussierteres Unternehmen sein.

«Der Glaube versetzt Berge», sagt der Volksmund, und auch Krisenmanager wissen, dass sie zur Erreichung ihrer Ziele eine treue Gefolgschaft brauchen. Eine zwingende Voraussetzung dafür ist aber, dass die Manager die Deutungshoheit über die Fakten behalten. Anders ausgedrückt: Was wäre Baumanns Umbauplan noch wert, wenn seine Mitarbeiter, die Aktionäre und die breite Öffentlichkeit den gegenteiligen Beteuerungen des Chefs zum Trotz zur Überzeugung gelangten, die Übung sei doch nur dazu da, die Fehler des Monsanto-Kaufes auszubügeln? Die Frage ist rhetorisch gemeint. Natürlich hätte er unter diesen Voraussetzungen ausgedient.

Und der 56-Jährige, der seine ganze berufliche Karriere bei Bayer absolvierte, steht an einem heiklen Punkt. Bedrängt durch die über 9000 Kläger, die sich als Opfer des Glyphosat-basierten Monsanto-Unkrautvernichters Roundup sehen und auf Entschädigungen in Millionenhöhe hoffen, hat Baumann sein eigenes Credo in das auf «wissenschaftlichen Fakten» basierten Geschäftsmodells ins Wanken gebracht. Glyphosat erzeuge keinen Krebs, widersprach er immer wieder trotzig dem Urteil eines kalifornischen Gerichtes, das zum gegenteiligen Schluss gelangte und dem Opfer Widergutmachungsleistungen in Höhe von 78 Millionen Dollar zusprach. Baumann untermauerte seine Behauptung wiederholt mit 800 Studien, welche die Krebstheorie widerlegten. Die grosse Zahl hätte jeden Zweifel aus dem Weg räumen sollen. Erreicht hat sie das Gegenteil. «Als Laie sollte man sich vielleicht fragen, weshalb eine scheinbar so bewährte und sichere Substanz wie Glyphosat so viel akademisches Interesse auf sich zieht», war schon im August in diesen Spalten zu lesen. Die Berliner «tageszeitung» ist der Frage weiter nachgegangen und hat die – auch in Geschäftsberichten – nachlesbare Darstellung von Bayer als irreführend entlarvt.

Dabei hat doch die Glaubwürdigkeit eines Managers gerade in Krisenzeiten einen besonders hohen Wert. Dass dieser bei Baumann geschmolzen ist, zeigt der Verlauf des Börsenkurses: Seit Anfang 2017 haben die Titel rund 40 Prozent verloren. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Befürchtung der Investoren, dass alles doch anders und vor allem viel schlimmer ist als Baumann sagt. Besonders bitter wäre dies für die 12 000 Angestellten, die demnächst ihren Job verlieren. Viele von ihnen hegten schon beim Monsanto-Kauf ihre persönlichen Bedenken. Mit der Aussicht, im Nachhinein doch noch recht zu bekommen, ist ihnen allerdings nicht geholfen.

Daniel Zulauf.

Daniel Zulauf.

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