Déjà-vu in Frankfurt

Der Absturz der Deutschen Bank erinnert an dunkle UBS-Zeiten. Doch nicht alles ist gleich, was ähnlich aussieht.

Daniel Zulauf
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Hat turbulente Börsentage hinter sich: die Deutsche Bank mit Hauptsitz in Frankfurt. (Bild: Frank Rumpenhorst/EPA (Frankfurt, 29. Januar 2014))

Hat turbulente Börsentage hinter sich: die Deutsche Bank mit Hauptsitz in Frankfurt. (Bild: Frank Rumpenhorst/EPA (Frankfurt, 29. Januar 2014))

«Wenn CEOs in Zeitungen mit grossen Buchstaben und Bildern Interviews zur Lage geben und obendrein betonen, diese sei besser, als sie aussehe, wenn ungewöhnlich viele Dementis über die Bildschirme irrlichtern und wenn Banalitäten zu Nachrichten gerinnen, dann Vorsicht auf der Bahnsteigkante!»

Unwohl mit den Entwicklungen rund um die Deutsche Bank war es vergangene Woche nicht nur dem Kommentator der Frankfurter «Börsen-Zeitung». Es war, als hätte ganz Deutschland gebannt zugesehen, wie ein offensichtliches Problem von allen berufenen Stellen schöngeredet wurde. Doch die amtlichen und halbamtlichen Beruhigungspillen erzeugten offensichtlich nicht nur bei kritischen Journalisten eine kontraproduktive Wirkung. Die Aktien der «Blauen», wie unsere Nachbarn das meistbewunderte und meistgehasste Kredithaus in ihrem Land zu nennen pflegen, erlebten eine der schlimmsten Wochen ihrer Geschichte. Erst gegen Wochenschluss sorgten Gerüchte über eine einvernehmliche Lösung mit der US-Justizbehörde im milliardenschweren Hypothekenstreit für die dringend benötigte Sauerstoffzufuhr in Frankfurt.

Vieles, was sich derzeit rund um die Protagonistin der deutschen Finanzmetropole abspielt, erinnert an die Zeiten der grossen UBS-Krise – insbesondere auch das Vorspiel. Staatstragende oder auch nur naive Euphemismen, wie sie der Kommentator des Frankfurter Finanzblattes antönte, wurden auch hierzulande zuhauf zum Besten gegeben, bevor die staatliche Rettung der UBS am 16. Oktober 2008 Tatsache wurde. An jenem denkwürdigen Tag musste der damalige Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer in der frischgedruckten «Weltwoche» haareraufend seinen eigenen Kommentar lesen, in dem es hiess: «Die Schweiz trotzt der Krise. Unsere Banken gehören zu den bestkapitalisierten der Welt.» Selbstredend sprach sich Bührer auch gegen mehr Regulierung aus.

Vertrauen bleibt wichtig

Vier Tage zuvor erklärte Pierre Mirabaud, der damalige Präsident der Bankiervereinigung: «Weder die UBS noch die Credit Suisse befinden sich im Auge des Hurrikans, und der Konkurs eines Schweizer Instituts kann ausgeschlossen werden.» Und schliesslich beruhigte der damalige UBS-Präsident Peter Kurer seine Aktionäre zwei Wochen vor dem Gang nach Canossa mit den Worten: «Ich bin in der glücklichen Lage, Ihnen berichten zu können, dass wir die UBS recht erfolgreich durch diese Turbulenzen manövrieren konnten.» Auch aus den damaligen Regierungskreisen liessen sich noch viele ähnlich tönende Schönredereien wiedergeben, die eine Krise zu negieren versuchten. Was damals in der Schweiz galt, scheint heute in Frankfurt nicht anders zu sein. Diesen Vergleich will Kurer aber nicht gelten lassen. Er hält grosse Stücke auf John Cryan, der schon mit der UBS durch die schlimmsten Zeiten gegangen war und nun als Chef der Deutschen Bank genau wisse, was zu tun sei: «Schnell reagieren, gefährliche Positionen in der Bilanz abbauen, Probleme lösen.» Cryan werde die Krise bewältigen, sofern auch die Politik mithelfe, Vertrauen zu schaffen, meint Kurer.

Vielleicht ist die absehbare Einigung im transatlantischen Hypothekenstreit ein solches Ereignis, das Vertrauen zurückbringt. Statt 14 Mrd. $ begnügt sich die US-Justiz Gerüchten zufolge mit einer Strafzahlung von 5,4 Mrd. $. Die Gefahr, dass der Streit die Bank in Kapitalnöte bringen könnte, scheint vorerst gebannt.

Die Nachricht aus Washington mag auf die angeschlagene Bank und ihr Umfeld vorerst beruhigend wirken. Aber es bestärkt die Welt auch im Glauben, dass die Deutsche Bank ein isoliertes Problem in Deutschland darstellt, das auch dort allein gelöst werden kann. «Das ist der grosse Unterschied zur UBS-Krise von damals», erinnert sich Eugen Haltiner, der in den Jahren 2006 bis 2010 die Eidg. Banken- respektive Finanzmarktaufsicht präsidierte. Die Pläne für die UBS-Rettung seien zwar in der Schweiz entworfen worden – aber sie gründeten auf dem globalen Konsens, dass sich die Welt unmittelbar nach dem Kollaps von Lehman Brothers keinen zweiten Crash einer systemrelevanten Grossbank mehr leisten könne.